Bierflaschen mit Aufschrift Labieratorium (Quelle: rbb/Anja Kabisch)
Audio: Antenne Brandenburg | 05.12.2018 | Bild: rbb/Anja Kabisch

Zu wenig Absatz in der Region - Cottbuser Brauerei "Labieratorium" macht dicht

Die preisgekrönten Biere der Cottbuser Brauerei Labieratorium waren ein Hingucker in den Regalen der regionalen Getränkemärkte. Als das Labieratorium im Sommer 2017 in Cottbus eröffnet wurde, war die Freude darüber, dass die Stadt wieder eine Brauerei hat, sehr groß. Doch jetzt musste der Chef das Handtuch werfen.

Wie Inhaber Olaf Wirths am Mittwoch rbb|24 sagte, hat das Brauen des Cottbuser Bieres in der Stadt selbst dem Labieratorium das Genick gebrochen. Man habe dadurch eine größere Identifikation der Cottbuser mit ihrem Bier erreichen wollen, sich aber offenbar übernommen.

Bier zu teuer für Cottbuser

"Hätten wir weiter woanders gebraut, wäre das kostengünstiger gewesen und wir hätten überlebt", ist sich der Chef sicher. Den Cottbusern sei das Bier schlicht zu teuer gewesen. das Bewusstsein, für eine regionale Marke mehr auf den Tisch legen zu müssen als für Massenware, zu dürftig entwickelt. Vielleicht aber ist die Rechnung auch wegen des zu geringen Durst der Cottbuser nicht aufgegangen.

Denn vor der Haustür wurde einfach zu wenig Bier verkauft. Das habe auch durch den Export nach Schottland, Österreich und andere europäische Länder nicht ausgeglichen werden können.

Regionalität nicht an erster Stelle

Regionalität und regionale Wertschöpfung habe in der Lausitz nicht so eine Priorität wie in anderen Regionen Deutschlands, beispielsweise in Bayern und Baden-Württemberg. Die Leute seien nicht bereit, bis zu drei Euro für eine Flasche Bier auf den Tisch zu legen.

Für den Inhaber der Brauerei und seine Familie bedeute das Aus herbe finanzielle Einschnitte. Die verbliebenen Vorräte werden zu einem günstigeren Preis verkauft: Jeder Kasten ist für 10 Euro zu haben, darunter auch international ausgezeichnete Sorten.  

 

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Erstmal: Hut ab vor jedem, der versucht etwas aufzubauen; gerade in einer Gegend wie der Niederlausitz. Das war mutig! Hier schrumpfen Wirtschaft und Bevölkerung, die durstigen Kehlen sitzen anderswo.

    Der Besuch im „Labyrinth“ und ein Blick auf die Produkte zeigen (leider) wie wichtig die professionelle Einschätzung des Marktes und der eigenen Möglichkeiten ist - bevor man Geld ausgibt. Der Bierkonsum in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Die Mehrheit der Verbraucher vertraut auf die Fernsehbiere großer Konzerne und schwört auf das sog.„Reinheitsgebot“. Echte, regionale Bierkultur gibt es (fast)nicht mehr. Ausnahmen kann man in Franken oder Düsseldorf verkosten.

    Ein klassisches Pils hätte ich mir für die Stadt gewünscht. Aber hier ist dann professionelles Marketing alles...

    Schade. Ich wünsche dem Team alles Gute!

  2. 6.

    In Franken gibt es (noch) in fast jedem Ort eine Brauerei, überspitzt gesagt. Warum funktioniert das? Weil klassische Biere in hervorragender Qualität gebraut und zu Preisen verkauft werden, die dem örtlichen Geschmack und Bedarf entsprechen. Sorry, aber z. B. mit „F60 Paranoid IPA“ für fast 4 Euro die kleine Flasche will man kein regionales Publikum, sondern konkurriert auf dem sowieso übermäßig gehypten Markt überhopfter und überalkoholisierter, meist handwerklich fraglicher Craftbiere. Das kann dann halt auch schiefgehen bzw. muss es sogar fast zwangsläufig, wenn man keine anderen Standbeine hat. Tut mir leid, aber ist so. Ein ehrliches gutes Helles oder gar ein Pils ist viel schwerer zu produzieren, als mit Hopfenstopfen usw. noch jede Belanglosigkeit aufzupeppen.

  3. 5.

    Ich bin definitiv ein Verfechter vom Vertrieb regionaler Waren...nur bin ich nicht bereit viel Geld für schlecht schmeckendes Bier zu zahlen!
    Voller Euphorie lud ich einen guten Freund ins Labierinth ein...wir haben tatsächlich alle angebotenen Produkte verkostet-und wurden geschmacklich bitter enttäuscht!

    Ich hätte es mir anders gewünscht, aber in diesem Fall berechtigt!

  4. 4.

    Das liegt daran, dass diese Lieferketten Ware in riesigen Auflagen verschiffen. Außerdem: Automatisierung, Optimierung, Marketing
    Das hat den gleichen Grund wie dass Deichman Schuhe einen Bruchteil von denen aus der Schusterei um die Ecke kosten.
    Kleine Produktionsmenge, viel (oder nur) Handarbeit und hohes Risiko.

    Wenn bei Sterni ein Tank Pils schlecht wird dann macht das angesichts der Einnahmen quasi überhaupt nichts. Bei ner kleinen Klitsche wie Labieratorium ist das allerdings ein heftiger Einschnitt. Daher muss von vornherein mehr eingenommen werden, um etwaige Verluste kompensieren zu können.

    Details kann man sich total einfach anlesen, wenn man denn nur mal 5 minuten mit google verbringt.

  5. 3.

    Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Auch gebe ich zu bedenken, das die Geiz ist geil Mentalität sich hierzulande durchgesetzt hat. Wenn schon bei Aldi und Co Personen mit wesentlich besseren Einkünften ihre Lebensmittel dort einkaufen, hat dies bestimmt nicht nur mit der gestiegenen Qualität der Waren was zu tun. Das Angebot dieser Billigketten hat sich zwar verbessert, doch geht es immer wieder nur darum so billig wie nur möglich einzukaufen. Schade eigentlich für diesen Bierhersteller. Denn ich hätte ihm gewünscht, wenn er damit Erfolg gehabt hätte. Waren es vielleicht auch gar Managementfehler?

  6. 2.

    Ich habe noch nie verstanden, wieso regionale vor Ort erzeugte Produkte wesentlich teurer als Produkte sind, die durch unendlich viele Lieferketten in den Supermarkt gekarrt werden. Selbst erklärend, warum sich derart überteuerte Produkte nicht verkaufen. Das ist nicht nur in Cottbus so.

  7. 1.

    "Regionalität und regionale Wertschöpfung habe in der Lausitz nicht so eine Priorität wie in anderen Regionen Deutschlands, beispielsweise in Bayern und Baden-Württemberg. Die Leute seien nicht bereit, bis zu drei Euro für eine Flasche Bier auf den Tisch zu legen."

    Vielleicht hat man's in der Lausitz auch einfach nicht so dicke wie in Süddeutschland?

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