Aussteller auf der Ausbildungsmesse Impuls (Bild: Sebaastian Schiller/rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.01.19 | Sebastian Schiller | Bild: rbb/Sebastian Schiller

Ausbildungsmesse in Cottbus - "Kopfrechnen ist fast gar nicht mehr vorhanden"

In Cottbus hat am Freitag die größte Ausbildungsmesse Brandenburgs begonnen - mit mehr als 230 Ausstellern. Bereits am ersten Tag war das Interesse groß. Doch viele Aussteller finden trotzdem kaum geeignete Bewerber. Von Sebastian Schiller

Die größte Ausbildungsmesse Brandenburgs, die "Impuls", hat am Freitag in Cottbus begonnen. Mehr als 230 Aussteller präsentieren knapp 400 Ausbildungsberufe und rund 500 Studiengänge. Bewerbungen können direkt vor Ort abgegeben werden. Schon am Eröffnungsvormittag war das Interesse riesig.

Großes Interesse bei Bewerbern - träge Unternehmen

Die drei Hallen der Messe Cottbus waren am Freitag gut gefüllt. Hunderte Jugendliche führten Gespräche, zeigten ihre Zeugnisse vor und gaben Bewerbungen ab. Trotz Fachkräftemangel zeigten sich aber viele Aussteller reserviert. Nur wenige gingen direkt auf die Jugendlichen zu.

Die Fleischerei Kadach aus Spremberg versuchte es hingegen mit Wurst und einem freundlichen Lächeln - trotzdem mit wenig Erfolg, wie Fleischermeister Björn Korla erzählt. "Wir wollen zwei Fleischerlehrlinge ausbilden, einen zu finden ist schon schwierig", sagt er und erklärt: "Kopfrechnen ist fast gar nicht mehr vorhanden."

Simulator auf der Impuls 2019 (Bild: Sebastian Schiller/rbb)
Simulator auf der Impuls 2019 | Bild: rbb/Sebastian Schiller

Bei vielen Bewerbern mangele es an Bildung, aber auch grundsätzlich am Willen Arbeit zu finden, hieß es von verschiedenen Ausstellern.

Die Jugendlichen hingegen wussten fast alle ganz genau was sie wollen - und sind auch fündig geworden. "Ich habe mir mehrere Sachen rausgesucht", so ein Besucher. "Bei mir Rettungsdienst, Sanitäter." Eine andere Besucherin erzählt, dass sie zur Polizei wolle. "Ich interessiere mich sehr für die Mordkommission." Aber auch handwerkliche Berufe wie Metallbauer und Mechatroniker weckten Interesse.

Freytag: "Liebe geht durch's Portemonnaie"

Mit vor Ort war auch der Lausitzbeauftragte der Landesregierung, Klaus Freytag. Er warb dafür, dass sich auch die Unternehmen anpassen müssten. "Liebe geht ab und zu auch durch's Portemonnaie", so Freytag. "Was auch mehr in die Köpfe rein muss ist, dass wir auch im regionalen und internationalen Wettbewerb stehen."

Die Tiefbaufirma K & R aus Freiwalde (Landkreis Dahme Spreewald) zeigt, dass es auch anders geht. Während das Unternehmen in den Vorjahren einen Auszubildenden pro Jahr hatte, waren es im vergangenen Jahr gleich neun, erzählt Bauleiterin Catarina Tschierschke. "Weil wir uns wirklich bemüht haben, in die Schulen gegangen sind, einen Tag der offenen Tür gemacht haben und auch die Möglichkeit nutzten, dass die Jugendlichen direkt auf unserem Gelände mal baggern konnten."

Trotzdem stellt sich das Unternehmen erneut auf der Impuls vor. Der Kampf um die Ausbildungswilligen geht weiter.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.01.2019, 14:40 Uhr;

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Ja, das gibt es. Und das ist eine Situation, die fassungslos macht. Viele schließen aber sogleich auf alle Schüler. Nicht jeder Schüler hat keinen Bock, bekommt Noten geschenkt und nicht jeder Lehrer und jede Schule verhält sich so. Viele Schüler sind motiviert und lernwillig und leiden genauso unter diesen Mißständen, wie ihre Lehrer. Der Eine bekommt für’s Nichtstun und schwänzen eine 3 hinterhergeworfen, der Andere muss sich für eine 2 permanent zur Decke strecken, obwohl er lernt und sich an die Regeln hält. Diesem Teil der Misere wird nämlich bisher kaum Aufmerksamkeit gezollt. Und es gibt eine Menge Abiturienten, die schon doch noch eine gute Allgemeinbildung haben und fit für‘s Studium sind. Im Übrigen stellen sich viele die Studiererei viel lockerer vor, als sie tatsächlich ist. Wir nützen keinem damit und auch der Situation nicht, wenn wir in die Gleichmacherei- und Vorurteilsfalle tappen.

  2. 7.

    "Kopfrechnen ist fast gar nicht mehr vorhanden"
    Die ehemalige Bundes-Familienministerin und jetzige Ministerpräsidentin Manuela Schwesig(SPD) in Mecklenburg-Vorpommern wird selbst schon wissen, warum Sie Ihr eigenes Kind sogar in einer Privatschule geschickt hat!?
    Irgenwas läuft falsch in unserer Schulbildung in Deutschland?

  3. 6.

    Mein Delikatessenhändler hat ne Kasse dir automatisch Wechselgeld raus gibt. Da muss mann nicht mehr rechnen können.

  4. 5.

    Die Unternehmen sollten sich auch angewöhnt die Menschen wie Menschen zu behandeln und nicht wie Leibeigene. Ich arbeite 25 Jahre als Mobilkranfahrer, unser Unternehmen hat schon mehrmals den Namen gewechselt aber die Arbeitsbedingungen sind nicht besser geworden. Des weiteren sollten die Unternehmen Ihre Mitarbeiter vernünftig bezahlen.

  5. 4.

    Das sind die Früchte unserer Saat. Zu wenig Lehrer an den Schulen, dazu die von der Politik geförderte Inklusion. Solange Bildung Ländersache ist und jedes Bundesland eigene Lehrpläne erstellt, dazu noch jede Schule ihren Verlag für die Schulbücher selbst auswählt, wird sich nichts ändern. Es ist seit Jahren bekannt aber Die Politik erweist sich als unfähig die Probleme anzupacken und zu verändern.

  6. 3.

    passend dazu : Lehrergeständnis "Ich gebe nur noch gute Noten" Bei ihr besteht jeder das Abitur. Jeder bekommt eine Studienberechtigung ( Spiegel online )

  7. 2.

    Tja, wenn die Kinder in der Schule nur durchgewinkt werden[1], braucht man sich nicht zu wundern wenn ihnen am Ende etwas die Bildung fehlt.

    [1] http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/lehrerin-gibt-nur-noch-gute-noten-a-1246916.html

  8. 1.

    " Großes Interesse bei Bewerbern , Bei vielen Bewerbern mangele es an Bildung, aber auch grundsätzlich am Willen Arbeit zu finden......Die Jugendlichen hingegen wussten fast alle ganz genau was sie wollen

    klingt irgendwie widersprüchlich , speziell am Willen Arbeit zu finden....

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