Warnschild vor dem tagebau Welzow (Bild: Josefine Jahn/rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 15.02.2019 | Phillip Manske | Bild: rbb/Josefine Jahn

Abbaggerung trotz Kohleausstieg in der Lausitz - Mühlrose ist erleichtert - Proschim muss weiter bangen

Für die Bewohner im sächsischen Mühlrose ist die Entscheidung gefallen: Ihr Dorf soll für die Kohle weichen. Während viele Bürger erleichtert sind, bangen und warten die Menschen in Proschim weiter. Und das wohl noch Jahre.

Trotz des absehbaren Kohleausstiegs im Jahr 2038 soll das sächsische Dorf Mühlrose abgebaggert werden. Für die Einwohner endet damit eine 15-jährige Hängepartie und viele von ihnen sind trotz oder gerade wegen der Entscheidung erleichtert.

Im brandenburgischen Proschim im Landkreis Spree-Neiße, nur etwa 30 Kilometer weiter nordwestlich, sieht man die Entscheidung mit Sorge. Denn dort kämpfen die Menschen weiterhin gegen die Abbaggerung ihrer Heimat.

Schild in Mühlrose (Bild: Josefine Jahn/rbb)
Bild: rbb/Josefine Jahn

Erleichterung in Mühlrose

Am Donnerstagabend wurde den Einwohnern in Mühlrose mitgeteilt, dass ihr Dorf den Baggern im Tagebau Nochten weichen muss. Der Mühlroser Ernst-Gerd Paufler zeigte sich am Freitag zufrieden damit: "Wir sind 2004 angetreten mit einer Befragung im Ort, bei der 84 Prozent der Bürger gesagt haben: 'Sofort weg'. Weil wir ja seit 40 Jahren vom Tagebau umschlossen sind", so der 65-Jährige. Er wolle weg von dem Lärm und den Emissionen.

Transparente im Ort bestätigen seine Ansicht. Auf einem Plakat etwa heißt es unter anderem: "50 Jahre war Kohle unser Leben, wir haben Freunde, Wälder, Straßen hergegeben. Haltet endlich euer Wort, lasst uns zum neuen Heimatort!"

Eine Entscheidung über die Zukunft war in Mühlrose lange erwartet worden. Innerhalb eines Jahres, teilte die LEAG am Donnerstag mit, können die Einwohner von Mühlrose nun damit beginnen, erschlossene Baugrundstücke im fünf Kilometer entfernten Schleife zu bebauen. Die Fortsetzung des Tagebaus Nochten ist allerdings von dort ebenfalls nicht weit weg - bis die Pläne im Jahr 2017 geändert wurden, war sogar der Ort zum Teil von Abbaggerung bedroht.

300 Menschen in Proschim bangen weiter

Nur etwa eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt liegt Proschim, ein Ortsteil von Welzow. Auch dort könnten 300 Menschen von einer Umsiedlung betroffen sein. Die LEAG will sich hier aber noch bis 2020 Zeit lassen, bis sie eine Entscheidung trifft.

Die Entscheidung in Mühlrose lässt Jens Richter aus Proschim schlucken. Der beschlossene Kohleausstieg ist für ihn nicht mit der Abbaggerung weiterer Orte vereinbar. "Die Frage dürfte sich meines Erachtens nicht mehr stellen, deswegen ist da eine große Betroffenheit", so Richter. "Man ist dauernd hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen. Ich habe damit nicht mehr gerechnet, dass die auch noch dran glauben müssen."

Proschim ist was eine mögliche Abbaggerung angeht, tief gespalten - während viele um Haus und Grund und ihre Heimat bangen, sehen manche Proschimer das gelassen. Der Sendung Brandenburg aktuell sagte eine Einwohnerin: "Ich hänge schon an dem Haus, aber ich bin gelassen." Zu lange schon dauert die Ungewisseheit in dem Dorf an. Manch ein Proschimer mag auch auf eine großzügige Entschädigung hoffen.

Auf eine endgültige Entscheidung müssen sie trotzdem noch warten.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Sich zu informieren hilft manchmal.....Siehe Mühlrose.
    " Deshalb muss in einem bergrechtlichen Genehmigungsverfahren geklärt werden, ob der Kohleabbau unter Mühlrose noch von staatlichem Interesse ist. Dieses Verfahren ist noch gar nicht eröffnet. Auf Seite 53 des Kohlekommissions-Berichtes heißt es: für ‚das Sonderfeld Mühlrose des Tagebaus Nochten II (200 Umsiedlungen) wurde noch kein Rahmenbetriebsplan zugelassen‘.“

    Der ganze Artikel hier:
    https://www.l-iz.de/politik/sachsen/2019/02/Muehlrose-LEAG-hat-keine-Abbaugenehmigung-259538

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