Servicepersonal streikt vor dem Stadthaus in Cottbus (Foto: rbb/Krüger)
Video: Brandenburg Aktuell | 21.02.2019 | Phillipp Manske | Bild: rbb/Thomas Krüger

Warnstreik vorerst ausgesetzt - Cottbuser Klinikmitarbeiter fühlen sich unter Druck gesetzt

Im größten südbrandenburgischen Krankenhaus in Cottbus brodelt es. Ein dreitägiger Warnstreik wurde kurzfristig ausgesetzt. Offenbar setzt die Klinikleitung die Mitarbeiter einer Servicegesellschaft unter Druck.  

Die Gewerkschaft Verdi hat den ursprünglich bis Freitag angekündigten dreitägigen Warnstreik der Beschäftigten der Thiem-Service GmbH, einer Tochtergesellschaft des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum (CTK), ausgesetzt.

Die Streikversammlung hatte die Aussetzung am Mittwoch einstimmig entschieden. Grund dafür sei laut Verdi die Ankündigung des Arbeitgebers befristete Arbeitsverträge nicht zu verlängern, wenn es zu weiteren Warnstreiks kommen sollte.

Nach Schätzungen derVerdi-Tarifkommission sind von den 170 Beschäftigten der Servicegesellschaft etwa 40 bis 50 Beschäftigte in einem befristeten Arbeitsverhältnis angestellt.

Streikteilnehmer werfen Krankenhausleitung Nötigung vor

Die Streikteilnehmer fühlen sich laut Verdi von der Ankündigung des Arbeitgebers genötigt, auf ihr Streikrecht zu verzichten. Sie fordern unter anderem, dass alle befristeten Arbeitsverträge in unbefristete Verträge umgewandelt werden müssen.

"Es ist ein Skandal, wenn in einem kommunalen Unternehmen der Stadt Cottbus jeder vierte Arbeitnehmer befristet beschäftigt wird. Die Arbeitsverhältnisse bei der Thiem-Service GmbH sind nicht nur durch die Lohnhöhe, sondern auch noch durch die Befristung prekär. Dabei handelt es sich überwiegend um Frauen, die mit Teilzeitverträgen im Schichtdienst mit 30 Stunden pro Woche beschäftigt werden", so ver.di-Verhandlungsführer Ralf Franke.

Mehrfach hatten Beschäftigte der Servicegesellschaft in den vergangenen Monaten gestreikt.

Klinikleitung bietet 8,5 Prozent mehr und zustätzlichen Urlaub an

Anfang der Woche habe das CTK den Beschäftigten eine Entgeltsteigerung von 8,5 Prozent, sowie weitergehenden Urlaub zugesagt, teilte die Pressestelle des Krankenhauses rbb|24 in einer Email mit.

"Gleichzeitig wurde signalisiert, dass bei weiteren Streiks das mit der TSG bestehende Vertragsverhältnis über Service- und Sicherheitsleistungen gekündigt werden müsste. Hiermit wäre unter Umständen ein Personalabbau – ggf. durch Auslaufen befristeter Verträge – verbunden", heißt es in dem Schreiben.

Tarifverhandlungen brachten bisher kein Ergebnis

Mit dem jetzt ausgesetzten Warnstreik wollte ver.di bei den Tarifverhandlungen ein wesentlich besseres Ergebnis durchsetzen. Auch bei der vorerst letzten Verhandlungsrunde am 15. Februar 2019 gab es keine Einigung. Die Klinikleitung hatte das in einer schriftlichen Stellungnahme bedauert.

Derzeit bekommt ein Großteil der Service-Mitarbeiter unter 10 Euro pro Stunde, also nur etwas mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Verdii fordert für sie 25 Prozent mehr Entgelt.

Schon seit Monaten verhandelt Verdi mit der Klinikleitung über mehr Geld für die Mitarbeiter der Servicegesellschaft. Sie helfen unter anderem den Krankenschwestern auf den Stationen beim Bettenmachen und bei der Essensausgabe.  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [Torsten H.] vom 22.02.2019 um 14:53
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

2 Kommentare

  1. 2.

    Das ist doch mal richtig gute Werbung für ein Klinikum in kommunaler Hand. Millionen EURO Überschuss erwirtschaften auf Kosten der Patienten und der Angestellten. Unbegreiflich für mich auch das Schweigen von den Parteien im Cottbuser Stadtparlament. Fordern doch Parteien wie die LINKE oder SPD in Berlin im Bundestag einen Mindestlohn von mindestens 12 EURO. Aber das ist wohl noch nicht in die Cottbuser Provinz durchgedrungen. Die MA der TSG machen ALLE einen verdammt guten Job und bekommen dies auch von den Patienten bestätigt. Und es ist ihr gutes Recht etwas vom großen Kuchen abzubekommen! Altersarmut als Dank für eine jahrelange Tätigkeit? Die Geschäftsführung des Klinikums hat jedenfalls skrupellos ihre Mitarbeiter eingeschüchtert und ihren befristeten Mitarbeitern mit Kündigung gedroht. Dann wurde eine Erhöhung des Stundenlohns angeboten aber das Weihnachtsgeld gestrichen. TOLL oder? Sollte solch eine Vorgehensweise normal sein in der heutigen Zeit- na dann gute Nacht…..

  2. 1.

    Durch so eine Drohung darf man sich nicht einschüchtern lassen. Wenn ein Arbeitgeber solch ein Verhalten an den Tag legt, dann sollte jeder der befristet angestellt ist, sich überlegen ob er in Zukunft überhaupt bei diesem Arbeitgeber arbeiten möchte.

Das könnte Sie auch interessieren