Archivbild: Brandenburg, Alt Zeschdorf - Ein Landwirt bearbeitet mit Traktor und Grubber den trocken Boden auf einem Acker und wirbelt dabei viel Staub auf. (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.04.2019 | Thomas Goebel | Bild: dpa/Pleul

Interview | Südbrandenburger Bauernverband zu Dürre - "Wir rennen den Ereignissen eigentlich hinterher"

Brandenburgs Bauern sind alarmiert: Der Sommer 2019 könnte noch trockener werden als der vergangene. So lautet die Prognose vom Deutschen Wetterdienst. Die Bauern müssen umdenken und sich anpassen, sagt der Chef des Südbrandenburger Bauernverbandes.

rbb: Herr Goebel, wie reagieren Sie auf die Ankündigung, dass dieser Sommer noch trockener werden könnte als der bereits richtig trockene im Jahr 2018?

Thomas Goebel: Das sind Hiobsbotschaften. Die wollen wir einfach gar nicht hören. Wir Landwirte sind vom Grund her Optimisten und wenn es um Regen geht, stirbt die Hoffnung zuletzt. Wir sind jetzt dabei, unsere Felder mit den Sommerfrüchten zu bestellen und wollen hoffen - und gehen stark davon aus - dass es nicht so kommt.

Thomas Goebel am rbb-Mikrofon (Foto: rbb/Screenshot)
| Bild: rbb

Und wenn doch?

Sollte es so kommen, dann wird es sehr, sehr dramatisch – gerade bei der Versorgung unserer Tiere mit Futter. Oder wenn es darum geht, unsere Liquidität zu erhalten.

Wie bereiten sich die Bauern auf Klimaveränderungen vor?

Wir versuchen immer wieder Antworten zu finden, um den geänderten Wettersituationen etwas entgegen zu stellen. Zum Beispiel bei den Anbaumethoden, der Sortenwahl und auch bei der Fruchtwahl generell gucken wir jetzt ganz genau hin, ohne dabei in Extreme zu verfallen. Ich kann mich daran erinnern, dass nach dem vielen Starkregen vor Jahren gesagt wurde 'Warum baut ihr nicht Melonen an?' Hätten wir das gemacht, würden wir ganz dumm dastehen. Also suchen wir Antworten, finden Antworten - aber wir rennen den Ereignissen eigentlich hinterher.

Gibt es neue Früchte oder Sorten, die zum Beispiel resistenter gegen Trockenheit sind?

Trockenheitsresistenz ist ein ganz wichtiges Thema. Es rücken aber auch solche Eiweißpflanzen immer mehr in den Fokus, die bisher bei uns noch keinen Anbau hatten, wie zum Beispiel die Sojapflanzen als Grundfutter für unsere Tiere. Bei den Anbaumethoden sind wir gerade dabei, den Mais ohne Pflug in den Boden zu bringen, um das letzte bisschen Feuchtigkeit nicht noch an die Oberfläche zu bringen und verdunsten zu lassen.

Wie stellt sich die Wassersituation in diesem Jahr bisher dar?

Wir haben ja gehört, dass wir mit einem Defizit aus dem Jahr 2018 kommen. Oberflächlich gesehen ist Wasser vorhanden. Unsere Stauseen, unsere  Rückhaltebecken sind voll und auch unsere Fließgewässer haben noch Wasser. Was fehlt, ist unser Bodenwasser. In tieferen Schichten fehlt es ganz und gar. Wer aufmerksam durch die Landschaft geht, der sieht, dass irgendwie alles ein bisschen stehen geblieben ist. Gerade bei Wiesen, beim Gras habe ich große Bange, dass die Landwirte, nachdem sie im letzten Jahr wenig Futter hatten und viel zukaufen mussten, jetzt auch nicht bei Zeiten mit neuem, frischen Futter versorgt werden können.

Ist denn die regionale Landwirtschaft in Gefahr? Importieren wir bald billigeres Getreide?

Im Moment ist es so, dass wir die teuren Produkte herstellen, weil bei uns die Produktionskosten höher sind als in anderen Ländern. Wir werden uns darauf einstellen müssen, und wir stellen uns auch darauf ein, unter veränderten klimatischen Bedingungen auch weiterhin Erträge zu haben. Wie die Früchte nachher aussehen werden und was es für welche sind, bleibt erstmal dahin gestellt. Landwirtschaft wird es auch weiterhin geben. Diese Extreme – ich hoffe, dass es nur eine vorübergehende Erscheinung ist – werden sich sicherlich wieder in eine kalkulierbare Witterung umkehren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Thomas Goebel sprach Florian Ludwig, Antenne Brandenburg, Studio Cottbus. Für diese Online-Fassung wurde das Interview redaktionell bearbeitet. Das Gespräch können Sie mit Klick auf das Audiosymbol oben im Artikel nachhören.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Komisch, ich dachte Direktsaat ist bei konventionellen Bauern verpöhnt. Ohne Pestizide kann der Boden mehr Wasser speichern und man vergiftet das Grundwasser nicht.
    https://www.arte.tv/de/videos/079393-000-A/wie-schaffen-wir-die-agrarwende/

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