Karliczek informiert sich über Projekt in Cottbus (Foto: rbb/Kabisch)
Bild: rbb/Kabisch

Neues Projekt der HWK Cottbus - Abiturienten locken - mit schnellem Weg zum Meisterbrief

Auf der einen Seite suchen Handwerksbetriebe dringend Nachwuchs. Auf der anderen Seite brechen 30 Prozent der Studenten ihr Erststudium ab. Die Handwerkskammer Cottbus sieht großes Potential - und hat ein Abiturienten-Lock-Programm gestartet. Von Anja Kabisch

Überall in Brandenburg suchen Dachdecker und Friseure, Bäcker, Metzger oder Zimmereibetriebe Nachwuchs. Ein neues Projekt soll Abhilfe schaffen. Dabei arbeiten verschiedene Oberstufenzentren in Cottbus und der Lausitz mit der Handwerkskammer zusammen. Am Dienstag hat sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) vor Ort im Berufsbildungszentrum Gallinchen in Cottbus angesehen, wie die Idee praktisch funktioniert.

Zeit und Geld gespart

Das Projekt heißt "Berufliches Gymnasium plus Handwerk" und ist tatsächlich Neuland in Brandenburg. Schüler und Schülerinnen von vier Oberstufenzentren schnuppern schon während ihres Abiturs in verschiedene Handwerksberufe rein. Am Dienstag haben sie in der Elektronik-Werkstatt eine programmierbare Torsteuerung für Garagentore gebaut.

Anja Karliczek informiert sich in Cottbus (Foto: rbb/Kabisch)
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Die Praxis ist das eine, Betreibswirtschaftslehre und Pädagogik sind das andere der beiden Module der Meisterausbildung, die die Teilnehmer mit dem Abi auch gleich ablegen können. Anschließend winken eine verkürzte Lehrzeit und der Rest der Meisterprüfung. Damit sparen die Jugendlichen Zeit und rund 2.000 Euro für die Meisterschule. Das Handwerk wiederum gewinnt qualifizierte Führungskräfte.

Überzeugungsarbeit bei Gymnasien

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek war am Dienstag von dem Projekt begeistert. Aktuell brechen 30 Prozent der Studenten ihr Erststudium ab. Vielleicht wären diese in einer Ausbildung besser aufgehoben, meint Karliczek. Sie ist eine Verfechterin der dualen Ausbildung - auch, weil sie selbst zwei Ausbildungen vor dem Studium absolviert hat. Dabei könne man seine Persönlichkeit täglich weiterentwickeln. "Das ist wichtig, weil ich dadurch für mich auch dann feststelle, dass ich die Erstausbildung gemacht habe und wie es danach weitergehen soll. Will ich diesen Beruf weitermachen, will ich mich nochmal verändern, will ich mich spezialisieren?"

Karliczek übergibt Fördergeld an HWK Cottbus (Foto: rbb/Kabisch)
Anja Karliczek übergibt Fördermittel | Bild: rbb/Kabisch

Bisher machen nur Oberstufenzentren bei dem Projekt mit. Allerdings ist am Dienstag ein weiteres, ähnliches Projekt gestartet, an dem sich das Humboldt- und das Steenbeck-Gymnasium in Cottbus sowie die Handwerkskammer beteiligen. Schüler der achten Klasse werden künftig für zwei Wochen in Handwerksberufe reinschnuppern. Dabei lernen sie Werkstätten für die Bereiche Tischler, Metallbau, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Elektrotechnik kennen. Für diesen Modellversuch hat Karliczek Geld an die Handwerkskammer Cottbus übergeben. Das Bundesbildungsministerium fördert das Projekt mit 90.000 Euro.

Hunderte Azubi-Stellen unbesetzt

Nach Angaben der Handwerkskammer Cottbus, die für die Landkreise in Südbrandenburg zuständig ist, sind aktuell noch 311 Ausbildungsplätze unbesetzt. Gesucht werden vor allem Elektroniker, Anlagenmechaniker und Lehrlinge für Bauberufe. 619 Lehrlinge haben am 1. August eine Ausbildung begonnen.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wir brauchen Arbeiter und keine Arbeitsmittelbeschaffer.

  2. 2.

    Meisterausbildung ohne Praxis als Geselle....ob das gut geht ?
    In diesem Fall "back ro the rots"!

  3. 1.

    Rbb24: Gewinnt man nun rentenwirksame Lebensarbeitszeit oder verliert man?

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