Landrat Harald Altekrüger (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 04.09.2019 | Interview von Dörthe Nath mit Harald Altekrüger | Bild: dpa-Zentralbild

Spree-Neiße-Landrat zum Jänschwalde-Stopp - "Am Kohlekompromiss darf nicht gerüttelt werden"

Die Bagger stehen still: Seit vier Tagen wird im Tagebau Jänschwalde keine Kohle gefördert. Machen weitere Tagebaue früher zu, wenn die Grünen in Brandenburg mitregieren? Davor warnt der Landrat von Spree-Neiße.

Der Landrat von Spree-Neiße, Harald Altekrüger, fordert von der künftigen Brandenburger Landesregierung, sich zu den Vereinbarungen der Kohlekommission zu bekennen. "Die Regierung muss sich schnell bilden und bei den Koalitionsverhandlungen am erreichten Kompromiss nicht rütteln", sagte der CDU am Mittwoch im rbb. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) habe sich vor der Landtagswahl sehr für die Kohlekumpel eingesetzt und dafür gesorgt, dass sich auch der Bund beim Ausstiegsdatum bewegt habe.

Grünen fordern, Kohleausstieg vorzuziehen

Das Ausstiegsdatum 2038 dürfe nicht in Frage gestellt werden, sagte Altekrüger mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der Grünen. "Die Grünen saßen mit am Tisch und haben den Kompromiss mit ausgehandelt. Da erwarte ich, dass man zu einem Kompromiss auch steht."

Die Grünen fordern, den Kohleausstieg vorzuziehen. "Wir möchten 2030 das letzte Kohlekraftwerke abschalten", so Marie Schäffer im rbb-Gespräch. Sie hatte bei den Landtagswahlen das erste Direktmandat für die Grünen in Brandenburg gewonnen. "Wichtiger ist aber, dass wir schon in den nächsten Jahren die ersten Kohlekraftwerke abschalten, die dreckigsten, darum wird es dann in den Koalitionsverhandlungen gehen."

Im Spree-Neiße-Kreis liegt auch der Tagebau Jänschwalde. Dort ruht seit Sonntag vorübergehend der Betrieb. Der Betreiber Leag muss eine Umweltverträglichkeitsprüfung nachreichen. Ein Großteil der 700 Beschäftigten soll an anderen Standorten eingesetzt werden.

Minister schaut gespannt auf 2023

Brandenburgs amtierender Wirtschafts- und Energieminister Jörg Steinbach (SPD) warb dafür, nicht nur das Enddatum im Auge zu haben. 2030, 35 oder 38 - diese Daten seien viel zu weit weg, um sich tatsächlich belastbare Szenarien anzugucken, sagte der SPD-Politiker dem rbb am Mittwoch.

Entscheidender sei aus seiner Sicht, an den sogenannten Checkpoints festzuhalten, an denen alle drei Jahre die Auswirkungen der vereinbarten Reduktionsziele überprüft werden sollen. Für ihn sei dabei das Jahr 2023 besonders spannend. Dann - ein Jahr nach dem Kernkraftausstieg - müsse geschaut werden, ob es das Risiko einer Versorgungslücke gebe oder nicht. Sollte sich das ergeben, so wie heute prognostiziert, müsse sowieso komplett neu nachgedacht werden.

Sendung: Inforadio, 04.09.2019, 07:25 Uhr

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Antwort auf [Pittiplatsch] vom 05.09.2019 um 12:36
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39 Kommentare

  1. 39.

    Sie gehören auch zu den Menschen die glauben, wenn Sie einen 10 Liter Kanister destiliertes Wasser in die Nordsee schütten würde die Wasserqualität aller Weltmeere verbessert.

    Öffnen Sie doch Ihren Kühlschrank und lassen sie dann die Tür offen, damit die Erderwärmung verhindert wird.

    Schön weiterträumen. Die Realität holt alle Trendschützer (Klima=Trend) ein, wenn das Licht ausbleibt..

  2. 38.

    Na ja so ist das mit den Fakten der AfD- und Grünen-Ideologen... Einfach mal Zahlen in den Raum werfen und das Drumherum weglassen. 300.000.000€/Jahr (übrigens die Gesamtsumme  Grundwasser und Förderabgabe - gem. Umweltbundesamt) ist im Verhältnis zur Subvention der Erneuerbaren wohl eher nur ne Kugel Eis. Denn von den 160.000.000.000€ die bis dato in die Energiewende geflossen sind, könnte man die Braunkohle über 500 Jahre subventionieren. Und ein Ende ist leider nicht in Sicht...

  3. 37.

    Auch das wird bei Windflaute nichts bringen, das können sie sich ja mal von Schnatterinchen und Bummi erklären lassen die waren schon immer etwas schlauer.

  4. 35.

    Bitte mal den Mc Kinsey Report zur misslungenen Energiewende lesen, (Welt online 05.09.2019)unter anderem bezüglich Thema Versorgungssicherheit achso kleiner Tipp noch, halten sie bitte ausreichend Taschentücher bereit!

  5. 34.

    Egoismus pur. Weil paar Wenige bleiben wollen, soll also eine ganze Region den Bach runtergehen. Die Menschen dort sind ihnen somit sowas von egal. Die Menschen dort werden missbraucht, damit die Grünen ihre Kohlephobie ausleben können. Ohne die Kohle werden Tausende ihre Heimat verlieren.

  6. 33.

    Mit dem Kohleausstieg ist eine Einhaltung der Ziele möglich ? einfach die Frage beantworten und nicht immer **********.

  7. 32.

    Nach Ihrer Meinung haben alle die am Kohlekompromiss gearbeitet keine Ahnung von Ihrer Arbeit. Das ist unser Problem in Deutschland wenn alle Kompromisse die erarbeitet werden wieder über den Haufen geworfen werden weil einigen denken das Sie alles besser können. Wie bereits schon erwähnt gibts noch genügend andere Möglichkeiten CO2 einzusparen (Tempolimit,auf Autobahnen, Äpfel aus Südafrika und auf die Wärmeenergie in Deutschland fall 47% des CO2 Emmision). Deutschland allein wird auch keinen Klimawandel aufhalten das geht nur Global wo wir aber weit weg sind von einer Lösung.

  8. 31.

    Der Kohleausstieg 2038 verstößt de facto gegen das Pariser Klimaabkommen! Der Ausstieg muss spätestens 2030 vollendet sein. Je länger die Politik pennt, desto schwieriger wird der Ausstieg. Bedanken Sie sich jetzt schonmal bei den Blockierern, die lieber auf Kohlelobbyisten hören als auf hunderttausende Bürger, die für Klimaschutz protestieren!

  9. 30.

    Täglicher Fakt:
    Wir importieren gerade feste Atomstrom aus Frankreich, ca. 3GW (die Leistung von etwa 4-6 Brütern)
    Und das Positive: dies wird sich erfahrungsgemäß über Nacht noch steigern.
    GLÜCKWUNSCH ! !

  10. 29.

    Lachen Sie eigentlich selbst über ihren täglichen Blödsinn?
    Ein breiter gesellschaftlich akzeptierter Konsens passt wohl nicht in ihre ideologische Verblendung!

  11. 28.

    Gut, reden wir über Proschim. Viel gibts dazu nicht zu sagen. So egal wie Ihnen ist ob jemand Haus und Hof verliert so egal ist es demjenigen ob Sie Ihren Job in der Kohle behalten.
    Sie werden akzeptieren müssen das nicht alle bereit sind sich die Türklinken vergolden zu lassen.
    Alle Dörfer bleiben! Geklagt wird bis zum EuGH wenn es sein muss. Jänschwalde war erst der Anfang.

  12. 27.

    Dass Sie nicht viel von der Mark verstehen, können wir jeden ihrer Worte entnehmen. Reden wir doch einmal über Proschim. Etwa die Hälfte will umziehen und denen ist klar ohne die Kohle werden Tausende ihre Heimat verlieren. Sollte Woidke bei der Kohle umfallen wird dies das Ende von CDU und SPD einläuten. Wenn die CDU für das Land ist, wird Sie mit den Linken arbeiten. Aber die Bevormundung aus Berlin / München wird dies verhindern vermutlich.

  13. 26.

    Wenn sie soviel vom Thema verstehen warum, antworten sie nicht auf ihre Kritiker ?
    Mit dem Kohleausstieg ist eine Einhaltung der Ziele möglich ?

  14. 24.

    Am Kohlekompromiss muss gerüttelt werden! Der Mann scheint keine Ahnung von den Konsequenzen der Klimakrise zu haben. Der echte Kompromiss zum Klimaschutz war 2015. Es war das Pariser Klimaabkommen! Dessen Einhaltung wäre mit einem Ausstieg erst 2038 völlig unmöglich. Wer das nicht weiß, sollte nicht Politik machen, sondern seinen Stuhl räumen!

  15. 23.

    Ich bin neugierig wohin der Strompreis(aktuell haben wir die zweithöchsten Energiekosten Europas) wandert, wenn die KKW 22 vom Netz sind, sowie erste Stein- und Braunkohlewerke stillgelegt werden ...kann sich jeder, der mal ein halbes Semester VWL hatte, ausmalen.
    Bayern und BaWü zittern mit Ihrer Industrie schon, die Sorgen haben wir im deindustrialisierten Osten ja leider nicht.

  16. 22.

    Laut der "Kohlekommission" und der vmtl. Absicht der Bundesregierung sollen 2022 12 Gigawatt Kohlekraftwerke ersatzlos abgeschaltet werden, dazu kommen Abschaltungen weiterer Atomkraftwerke. Es gibt derzeit keine offiziellen Pläne, dafür Ersatz zu bauen, und selbst wenn es die gäbe wäre das in 3 Jahren logistisch nicht möglich. Erschwerend kommt hinzu dass die Tabuliste der Ökos immer länger wird, es bleibt eigentlich nur noch Erdgas übrig. Das bedeutet wir werden Unterdeckung haben, und das bedeutet wiederum Blackout-Gefahr.

    Bei der bisherigen "Energiewende" drohte eine solche Gefahr nicht - und wer sie äußerte, hätte sich geirrt - da der normale Kraftwerkspark in der vollen Kapazität erhalten blieb, es wurde nur überflüssiger Firlefanz dazugestellt. Die zutreffende Kritik daran lautete: Verschwendung, aber nicht Blackout. Das ist diesmal anders, jetzt droht Blackout. Andere Länder in Europa tun nichts derart Absurdes.

  17. 21.

    Die Subventionen z.B. für die Stromgewinnung aus Braunkohle sind leider nicht so transparent abgebildet wie die Kosten der Erneuerbaren im EEG und deshalb nicht so gut erkennbar. Dazu gehören zum Beispiel der Verzicht auf Gebühren für die Grundwasserabsenkung (ca.20.000.000€/Jahr oder auch der Verzicht auf die Förderabgabe für Bodenschätze (ca.300.000.000€/Jahr). Ein greifbares Beispiel für die vielen Millionen Euro Subventionen sind die Folgekosten der Braunkohle. Ich wohne direkt am Klinger See, welcher als Hinterlassenschaft des Tagebaubetriebes für das Kraftwerk Jänschwalde seit mittlerweile über 20 Jahren jährlich Steuergelder verschlingt (bei nur langsam steigendem Wasserpegel). Dem Cottbuser Ostsee steht ein ähnliches Schicksal bevor. Die Folgekosten des aktuellen Tagebaus Jänschwalde werden -egal in welchem Jahr der Abbau beendet wird- ebenfalls auf den Steuerzahler übertragen.

  18. 20.

    die LEAG wird selbst Jänschwalde früher als 2038 still legen weil der co2-Preis für Zertifikate weiter steigen wird und sich das ganze dann nicht mehr rechnet.

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