Paul Höppner bei der Arbeit (Foto: rbb/Wussmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 26.09.2019 | Iris Wussmann | Bild: rbb/Wussmann

Doberlug-Kirchhain - Gerber für Straußenleder sucht einen Nachfolger

In Südafrika, Mexiko und auch Büros in Frankfurt am Main sitzen Leute auf Stühlen, bezogen mit Straußenleder - gegerbt in Doberlug-Kirchhain. Hier arbeitet Paul Höppner, nach eigenen Angaben einziger Straußenleder-Gerber in Deutschland. Doch er hat Nachwuchssorgen. Von Iris Wussmann

Über Arbeit kann sich Paul Höppner nicht beklagen: Der Straußenleder-Gerber, nach eigenen Angaben der einzige in Deutschland, hat er immer was zu tun. Bevor der nächste Großauftrag ins Haus flattert, sucht er allerdings dringend einen Nachfolger für sich und seine Traditionsgerberei in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster). Höppner ist hier schon die vierte Gerber-Generation und wuppt den Betrieb zusammen mit einer Teilzeitmitarbeiterin.

Paul Höppner von der Gärberei Höppner bei der Arbeit (Foto: rbb/Wussmann)
| Bild: rbb/Wussmann

Knifflige Arbeit für besonders teures Leder

In der alten Werkstatt drehen sich rumpelnd große Fässer, in denen gerade 50 Häute in einer Lösung gegerbt werden. Der 56-jährige Höppner hat mittlerweile den Bogen mit dem Straußenleder raus. Eine knifflige Angelegenheit sei das, sagt er. Man müsse darauf achten, dass die Noppen, die das Leder so einzigartig machen, beim Saubermachen auf keinen Fall kaputtgehen. "Wenn sie die kaputtmachen, dann können sie das Leder wegschmeißen." Das seien Herausforderungen, die es zum Beispiel bei Ziege und Rind nicht gibt - da handele es sich um Glattleder. Deswegen sei das Straußenleder auch das zweitteuerste der Welt - nur Krokodil sei noch teurer.

Das Leder eines ganzen Straußes, fertig gefärbt, kostet bei ihm rund 250 Euro. Ein Preis, der offenbar nicht abschreckt, wie die Bestellung eines Polsterers aus Frankfurt am Main zeigt: "Er hat einen Kunden, der will Büromöbel machen", erzählt Höppner. Rund 100 Stück wurden angefordert. Wann sie fertig sein sollen? "Nicht heute, nicht morgen - ich brauche die gestern", lautete die Antwort aus Frankfurt. Höppners Betrieb hat es schließlich hingekriegt. "Wir haben gezaubert", erklärt der Chef schmunzelnd.

Produkte der Gärberei Höppner, wie Taschen und Geldbörsen (Foto: rbb/Wussmann)
Bild: rbb/Wussmann

Mittlerweile unempfindlich für Gerüche

Straußenleder-Gerben ist eine harte Arbeit, das Saubermachen der Häute unangenehm. Eine empfindliche Nase dürfe man da nicht haben, meint Höppner. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum er keinen Nachfolger findet. Er selbst aber kenne das mit dem Geruch nicht anders: "Ich bin hier groß geworden", sagt Höppner. "Gerberlehre und dann hatte ich hier bei 'Vaddern' angefangen."

Um die 30 Jahre alt sollte der Nachfolger oder die Nachfolgerin schon sein, so Höppner. Bei der Einarbeitungszeit rechnet er mit drei oder vier Jahren. Und bis dahin? "Ich mache so lange, wie es geht. Wenn's nicht geht, wird kürzer getreten. Wir werden sehen."

Beitrag von Iris Wussmann

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