Mit Helm und schwarzen Shirts sitzen 600 Kraftwerker bei einer Protestveranstaltung vor der Cottbuser Stadthalle.
Audio: Antenne Brandenburg | 02.09.2019 | Daniel Jorewitz | Bild: dpa/Bernd Settnik

Gestoppter Betrieb in Jänschwalde - Beschäftigte werden an anderen Standorten eingesetzt

Einen Tag nach dem Stopp des Braunkohletagebaus Jänschwalde hat der Betreiber Leag am Montag in einer Belegschaftsversammlung darüber informiert, dass ein Großteil der Mitarbeiter woanders eingesetzt werden wird. Es sei noch nicht klar, wer wo zum Einsatz komme. Entlassen werden soll niemand. 

Bei der Versammlung am frühen Montagmorgen haben Personalvorstand Jörg Warniek und Bergbauvorstand Uwe Grosser zur Belegschaft gesprochen. Im Tagebau sind rund 700 Mitarbeiter beschäftigt.

Protest Jänschwalde Tagebau (Foto: rbb/Mastow)
Bild: rbb/Mastow

Seit Montagmittag bis zum Weiterbetrieb des Werks halten die Beschäftigten auf der Wiese vor dem Tagebau bei Cottbus, dessen Betrieb seit Sonntag gestoppt ist, eine Mahnwache. "Das Feuer wird so lange lodern, bis der Tagebau wieder in den Betrieb geht", teilte der Landesbezirksleiter Nordost der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Oliver Heinrich, mit.

"Die Beschäftigten fühlen sich wie ein Spielball"

Schon vor der Versammlung war klar gewesen, dass der Großteil der Mitarbeiter an anderen Standorten eingesetzt werden soll, um dort die erhöhte Förderleistung zu unterstützen. "Wir können derzeit noch nicht sagen, wer wohin gehen wird", sagte Leag-Sprecher Thoralf Schirmer nach der Belegschaftsversammlung.

"Wir hoffen, dass das Landesamt bald Anordnungen gibt, so dass wir die weiteren Schritte planen und die Mitarbeiter entsprechend informieren können", sagte Uwe Teubner vom Konzernbetriebsrat. Bis zum Ende der Woche soll es für die Mitarbeiter konkrete Ergebnisse geben. "Die Stimmung unter den Beschäftigten ist mies", so Teubner. "Sie fühlen sich wie ein Spielball zwischen Behörden und Gerichten."

Die Leag betreibt in Brandenburg die Tagebaue Jänschwalde und Welzow Süd und in Sachsen die Gruben Nochten und Reichwalde. Einige Mitarbeiter werden im Sicherheitsbetrieb in Jänschwalde eingebunden sein und weiter vor Ort arbeiten. Auch soll es einen Ausgleich über den Abbau von Überstunden geben. Kurzarbeit soll es vorerst nicht geben. Auch keine Entlassungen.

Der Tagebau in der Lausitz (Landkreis Spree-Neiße) steht seit Sonntag still. Nach Einschätzung des Bergbaubetreibers Leag dauert die Unterbrechung zehn bis zwölf Wochen.

Fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung

Grund für den vorübergehenden Stopp ist ein Beschluss des Verwaltungsgerichts Cottbus vom Freitag. Die Richter entschieden, dass dem Betreiber keine längere Frist für eine zusätzliche Umweltverträglichkeitsprüfung als Voraussetzung für den Weiterbetrieb gewährt wird. Das Energieunternehmen hatte eine Fristverlängerung für diese Prüfung bis Ende November beantragt.

Ausgangspunkt war eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gemeinsam mit der Grünen Liga. Sie befürchten, dass Filterbrunnen im Bereich des Tagebaus besonders geschützte Gebiete wie etwa Moore gefährden. Der Konzern prüfe nun, ob gegen die Entscheidung des Gerichts
Beschwerde eingelegt wird, sagte Sprecher Schirmer.

Der Tagebaubetreiber Leag ging auf Anordnung des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) in den Sicherheitsbetrieb. Unter anderem seien Vorkehrungen für die geologische Standsicherheit des gesamten Grubenbetriebs im Tagebau getroffen worden.

Sendung: Radioeins, 02.09.2019, 14.00 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Adrian] vom 02.09.2019 um 09:12
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3 Kommentare

  1. 3.

    Komischerweise importieren wir nachts immer Atom- und Kohlestrom von unseren europäischen Nachbarn...
    Der scheinbar einzige Ewiggestrige ist der, dessen selbstständiges Denken an der Landesgrenze aufhört!

  2. 2.

    "'Das Feuer wird so lange lodern, bis der Tagebau wieder in den Betrieb geht', teilte der Landesbezirksleiter Nordost der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Oliver Heinrich, mit." - Das ist dann wohl das, was man in der Kirche "Ewiges Licht" nennt. Passt ja auch gut zu diesen Ewiggestrigen.

  3. 1.

    @rbb was passiert denn wenn die Prüfung bestätigt, dass die Feuchtgebiete durch den Tagebau geschädigt werden?

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