Ein Eimerkettenbagger steht im Braunkohletagebau Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG)
Video: Brandenburg aktuell | 12.11.2019 | Sascha Erler | Bild: ZB

Sicherheitsbetrieb - Leag lässt Maschinen im Tagebau Jänschwalde wieder anlaufen

Seit September stillgelegt, passiert nun wieder etwas im Tagebau Jänschwalde: Am Dienstag sollen die Maschinen wieder anlaufen. Ziel ist aber nicht der reguläre Abbau von Braunkohle, sondern der Schutz vor anströmendem Grundwasser.

Im Tagebau Jänschwalde (Spree-Neiße) sollen in dieser Woche wieder die Maschinen anlaufen. Darüber wurden die Mitarbeiter des Energiekonzerns Leag nach rbb-Informationen vom Montag in einem Brief informiert. Der Tagebau war im September stillgelegt worden. Umweltverbände hatten den Stopp erzwungen, weil Auswirkungen der Grube auf umliegende Moore und Seen nicht komplett geprüft worden waren.

Erstmal keine reguläre Kohleförderung

Nun sollen alle 700 Mitarbeiter, die in andere Bereiche umgesetzt worden waren oder Überstunden abgebaut haben, wieder auf ihre ursprünglichen Arbeitsplätze zurückkehren, heißt es in dem Brief. Am Dienstag sollen die Bagger und Förderbrücken wieder anlaufen.

Allerdings wird nicht wieder regulär Kohle gefördert. Der Tagebau befindet sich weiter im sogenannten Sicherheitsbetrieb. "Es geht darum, dass der Tagebau geschützt werden muss vor dem anströmenden Grundwasser", sagte der Leiter für Braunkohlen- und Sanierungsbergbau des Landesamts für Bergbau, Uwe Sell, am Montag in Cottbus. Die Behörde ordnete an, dass die Technik bewegt wird, damit keine technischen Schäden entstehen.

Laut Leag werden Kippenwasserstände und Wasserdruck überwacht. Aktuell gebe es an mindestens zwei Messstellen kritische Wasserstände. Nun müsse sich der Tagebau vorwärtsbewegen, "um die Kriterien für die Stabilität der Böschungssysteme weiterhin zu gewährleisten", heißt es in einer Mitteilung des Tagebaubetreibers.

Ausstehende Umweltprüfung

Die Leag rechnet damit, dass die Arbeiten, die jetzt starten, etwa zwei Monate dauern werden. Parallel arbeitet der Konzern weiter an einer fehlenden Umweltprüfung für FFH-Gebiete, um den Betrieb offiziell wieder aufnehmen zu dürfen.

Erst wenn ein Gutachten da ist, können Landesbergamt und Landesumweltamt prüfen, welche Auswirkungen der Tagebau auf die geschützten Moorgebiete hat und anschließend die Entscheidung treffen, ob wieder gefördert werden darf.

Tagebau Jänschwalde

Im Brandenburger Tagebau Jänschwalde wird Braunkohle gefördert und im dazugehörigen Kraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Er liegt nordöstlich von Cottbus in der Grenzregion zu Polen. Jährlich werden nach Unternehmensangaben acht bis zehn Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Er ist, bezogen auf die Fördermenge, der kleinste von vier Tagebauen des Bergbaubetreibers Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) in Brandenburg (Jänschwalde und Welzow Süd) und Sachsen (Nochten und Reichwalde).

Der Tagebau in der Lausitz wurde 1974 erschlossen, zwei Jahre später wurde die erste Kohle gefördert, die bis zu 95 Meter tief liegt. Voraussichtlich 2023 werden laut Betreiber Leag die genehmigten Rohstoffvorräte in Jänschwalde erschöpft sein.

Nach dem Bergbau soll die Landschaft gestaltet werden. Belange des Naturschutzes, aber auch der Landschaftspflege und der Erholung sollen berücksichtigt werden. 1.000 Hektar wurden nach Leag-Angaben bereits aufgeforstet. Gezielt werden seltene Pflanzen ausgesät. Neben dem bereits bestehenden Klinger See entstehen drei weitere Seen. Auch die Malxe, ein 1972 für den Tagebau auf sechs Kilometer Länge unterbrochener Fluss, wird an seinen ursprünglichen Platz zurückkehren.

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31 Kommentare

  1. 31.

    Wenn ich so manche Politiker höre: Das Netz ist der Speicher, oder in Batterien steckt der Kobold, da stellen sich bei mir die Nackenhaare hoch. Ich weiß zwar nicht, was man heute so in der Schule lernt ... aber ein einfacher Stromkreis oder das Periodensystem der Elemente gehört doch immer noch dazu ?
    Und wenn ich dann hier lese, das man in Frage stellt, wenn bei weiterer Grundwasserförderung im Sicherheitsstillstand eines Tagebaus, angeordnet wird, dass der Tagebau sich bewegen muss um das Kippensystem zu sichern ... darauf gibt es nur eine Antwort: Wenn man keine Ahnung hat, sollte man sein poröses Halbwissen besser für sich behalten und Freitags zur Schule gehen !

  2. 30.

    Dann soll mal China weiter machen, dort sind ja schon bereits 2/3 des Grundwassers nicht mehr trinkbar. Ob das noch lange so weiter geht, kann sich jeder selber denken.

  3. 29.

    Glück auf ,und liebe Grüße an unsere Kumpels im Westen ohne uns läuft im ganzen Land nichts mehr

  4. 28.

    Grüße aus der Lausitz wir machen Strom... und was macht Ihr?

    Dort, wo ich ursprünglich herkomme, machen wir auch Strom :D
    Sogar noch heute... wenn wir dort den Stecker ziehen, wird´s sehr schnell sehr dunkel in Deuschland!

    Glück Auf aus dem Rheinisches Braunkohlerevier und dem Ruhrpott


    (auch gerne Revier, Kohlenpott oder auch Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet genannt)

  5. 27.

    Hallo Joker! Vielen Dank für Ihre guten Kommentare, aber die Pinguine, Aktivisten und Schulschwänzer werden diese Fakten auf Grund ihres Tunnelblicks sicherlich nicht verstehen. Grüße aus der Lausitz wir machen Strom... und was macht Ihr?

  6. 26.

    Wie man sieht, bringt es nichts wenn Deutschland 45 Gigawatt aus Kohlestrom abschaltet und China im Gegenzug 399 Gigawatt wieder aufbaut und in Betrieb nehmen will!!

    Es muss endlich weltweit was passieren aber das wird es leider nicht. Selbst innerhalb der EU werden nicht alle am selben Strang ziehen. Aber wenigstens helfen die uns dann mit dem Strom aus, wenn er knapp wird und das für richtig Asche oder Kohle... wie man es nennen mag.

    Wenn man nun alle Verbrennungsmotoren gegen E-Autos eintauschen würde... na dann wird es sicherlich verdammt lustig werden.

  7. 25.

    Ein neuer Report des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) zeigt, dass China auch den weltweiten Ausbau von Kohlekraftwerken maßgeblich finanziert. Insgesamt werden derzeit Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 399 Gigawatt global gebaut oder geplant – die meisten davon in Bangladesch, Vietnam, Südafrika, Pakistan und Indonesien. Zum Vergleich: Die rund 150 Kohlekraftwerke in Deutschland haben eine Leistung von 45 Gigawatt.

    China gießt in Sachen Klimawandel also Öl ins Feuer und löscht an anderer Stelle. Und das in einer Zeit, in der viele der geplanten Kohleprojekte vor dem Aus stehen, weil immer mehr private Banken aus der Finanzierung von Kohlemeilern aussteigen. Staatliche Entwicklungsbanken wie die Weltbank haben die Finanzierung von Kohleprojekten beendet.

    China füllt die Lücke als letzter möglicher Kreditgeber für die Kohleprojekte, die andere nicht mehr finanzieren.

  8. 24.

    Aus Energiespeichern und aus andren Teilen Europas wo es grade windig oder sonnig ist.

    Aus Energiespeicher... und wie funktionieren diese Energiespeicher? Sicherlich nicht mit Luft und Liebe sondern mit milliarden von Akkus - das Zeugs, was auch für E-Autos und den anderen tollen E-Schrott genutzt wird. Was unter menschenverachtenden Umständen und umweltschädlichen Mitteln aus der Erde entrissen wird und unter hoher CO2 Belastung dann hergestellt wird. Aber da das ja nicht bei uns passiert, ist es nicht so tragisch nicht wahr?

    Ansonsten wird der benötigte Strom aus dem EU-Ausland aus Atom und Kohlekraftwerke dazu gekauft! Man kann auch Öko-Strom kaufen - bekommt aber dennoch nen Mix mit Atom und Kohle geliefert, da Strom nicht mehr nach Herkunft oder Herstellung trennbar ist!

  9. 23.

    Wo sind eigentlich die Typen mit den Pinguin Masken? Smartphone mit Kohle-/Atomstrom aufladen?

  10. 22.

    Dicht machen zur Zeit leider die Windparkhersteller (mit ihren tollen Zeit- und Leiharbeitervertragsverhältnissen)!!
    Trotz massiver DIREKTER Subventionierung....

  11. 20.

    Die EE sind bzw. werden niemals die Grundlast erbringen können.
    Damit können wir ganz Europa zu Pflastern und haben immer noch den selben Effekt. Der liegt bei 0%.
    Alternativen für 30-40GW Grundlast sind aktuell Fehlanzeige...

    Aus Blackout Lausitz wird dann Blackout Deutschland.
    Licht aus und zurück in die Steinzeit....

  12. 19.

    Meine Frage wäre : Hat denn jetzt schon jeder Lausitzer mittlerweile seinen eigenen See ? Oder wohnt wenigstens schon jeder Lausitzer am Wasser ? Wassergrundstücke werden ja auch immer teurer ! Wasser, Wald und bald nur noch gute Luft, die Lausitz wird bald richtig teuer und auch sehr gefragt werden. Und jetzt auch noch die vielen Milliarden an Fördergeldern und die vielen neuen Arbeitsplätze. Solte man denn jetzt in die Lausitz umziehen und sich ein schönes Grundstück am See sichern, bevor dort die Grundstückspreise richtig steigen ???

  13. 18.

    Unsinn....machen Sie sich einfach die Mühe danach zu googeln.
    Rechnet man die massiven Umweltschäden von Kohlestrom hinzu müssten die Kohlebuden sofort zu machen.

  14. 17.

    Natürlich ist die garantierte Einspeisevergütung eine staatliche Subvention...was denn sonst.
    Am Markt sind die EE noch nicht konkurrenzfähig.

  15. 16.

    Natürlich ist eine garantierte Einspeisevergütung eine staatliche Subvention...denn die bekommen die Errichter.
    Sonst würde aktuell noch niemand bauen.

  16. 15.

    Wenn es so sein sollte, sind sie ehr bereit Subventionen für eine Industrie zubezahlen, die nebenbei noch Umwelt und Grundwasser verschmutzt? Eigenartige Prioritäten haben sie oder ist es ehr eine Art grenzenlose Loyalität? Arbeiten sie zufällig in der Kohlebranche?

  17. 14.

    Hoffe die Umweltverbände sehen da genau hin. Das Ganze sieht eher nach einer Scheinbegründung aus oder die LEAG ist fachlich nicht in der Lage das von ihr erstellte Sicherungskonzept umzusetzen. Wie bei laufender Entwässerung plötzlich ansteigendes Grundwasser zum Problem wird ist schleierhaft.

  18. 12.

    "Nun sollen alle 700 Mitarbeiter, die in andere Bereiche umgesetzt worden waren oder Überstunden abgebaut haben, wieder auf ihre ursprünglichen Arbeitsplätze zurückkehren"

    700 Mitarbeiter fast 2,5 Monate mit Überstundenabbau und/oder "in anderen Bereichen versetzen" und/oder mit dem Sicherheitsbetrieb beschäftigen. Und nun mit 700 Mitarbeitern den Tagebau betreiben ohne Kohle zu fördern.
    Klingt irgendwie unwirtschaftlich.

    "Parallel arbeitet der Konzern weiter an einer fehlenden Umweltprüfung für FFH-Gebiete, um den Betrieb offiziell wieder aufnehmen zu dürfen."

    Ursprünglich sollte diese bis 1.9. vorliegen. Jetzt hat man fast Mitte November. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man auch eine Fristverlängerung im August beantragt.

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