DB-Fahrzeuginstandhaltungswerk in Cottbus (Quelle: imago images/Rainer Weisflog)
Audio: Antenne Brandenburg | 06.11.2020 | Ralf Jußen | Bild: imago images/Rainer Weisflog

Zusammenarbeit Leag und Deutsche Bahn - Lausitzer Kohlekumpel könnten Zukunft bei der Bahn bekommen

Was arbeiten, wenn die Braunkohle geht? Bis spätestens 2038 will Deutschland aus der Kohle-Stromgewinnung aussteigen. Für Lausitzer Beschäftigte könnte das neue Cottbuser Bahninstandhaltungswerk eine Perspektive werden. Leag und Bahn wollen kooperieren.

Für Braunkohle-Beschäftigte in der Lausitz soll eine berufliche Zukunft bei der Bahn möglich werden. Der Energiekonzern Leag und die Deutsche Bahn wollen bei Ausbildung, Qualifizierung und Übernahme von Personal zusammenarbeiten. Dafür haben sie eine Vereinbarung unterschrieben, gaben die beiden Unternehmen am Freitag bekannt [leag.de].

Die Bahn hatte angekündigt, mit einem neuen Bahninstandhaltungswerk in Cottbus 1.200 neue Arbeitsplätze zu schaffen zu wollen. Das Werk werde ein "Standort der Superlative", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Vorstellung der Pläne im September. Es ist laut Bahn das erste große Vorhaben, das auf Basis des Strukturstärkungsgesetzes des Bundes finanziert wird.

Exzellente Leag-Mitarbeiter, die die Bahn braucht

"Unser Unternehmen als Instandhalter für Schienenfahrzeuge ist auf exzellent ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen", wird die Geschäftsführerin der DB Fahrzeuginstandhaltung, Ramona Grün, in einer Pressemitteilung zitiert. Deshalb sei die Zusammenarbeit mit der Leag wichtig. Die Bahn wolle auch vorhandene Strukturen nutzen, wie die Ausbildungswerkstätten der Leag in Schwarze Pumpe und Jänschwalde (beides Spree-Neiße). Dabei gehe es um die Erstausbildung unter anderem von Industriemechanikern, Elektronikern und Mechatronikern aber auch die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es sollen "langfristig berufliche Perspektiven für Leag-Beschäftigte, die vom Kohleausstieg betroffen sind, geschaffen werden", so Grün.

Ab 2023 sollen am Standort des heutigen Bahnwerks Cottbus eine neue ICE-Halle für die Instandhaltung von Elektrotriebzügen, eine Halle für die Umrüstung von Dieselfahrzeugen auf Hybridtechnik mit Elektroantrieb sowie ein Technologiezentrum zur Hybridforschung entstehen. "Bis zum Jahr 2026 will die Deutsche Bahn hier 1.200 neue und hochwertige Industriearbeitsplätze schaffen, darunter etwa 100 Azubi-Stellen", heißt es in der Mitteilung von Freitag. Zurzeit arbeiten im Cottbuser Bahnwerk rund 450 Beschäftigte.

Wirtschaftsminister lobt frühzeitige Kooperation

Die Leag ist laut Personalvorstand Jörg Waniek mit rund 600 Auszubildenden und Studenten der größte Ausbildungsbetrieb der Lausitz. Es gehe darum, so vielen jungen Menschen wie möglich in der Region eine langfristige Perspektive zu geben, so Waniek. "Die angestrebte Kooperation der Deutschen Bahn wird mit dazu beitragen, die Wirtschafts- und Industrieregion Lausitz mit Nachwuchs an Fachkräften zu stärken.“

Die Bahn will nach Angaben von Personalvorstand Martin Seiler ihr Zugangebot in den nächsten Jahren deutlich steigern. "Mehr Züge, das bedeutet mehr Instandhaltung." Dafür seien viele engagierte Mitarbeiter und Nachwuchskräfte nötig.

Als einen wichtigen Schritt für die Lausitz bezeichnet Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) die Zusammenarbeit. "Es ist ein gutes Signal, dass Leag und DB sich frühzeitig auf die Zusammenarbeit verständigen und Synergien nutzen wollen."

Kohleausstieg bis spätestens 2038

Im Sommer hatte - nach dem Bundestag - auch der Bundesrat den Kohleausstieg bis spätestens 2038 beschlossen. In rund sieben Jahren soll das Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde vom Netz gehen und spätestens 2038 wird das Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe abgeschaltet. Zum Ausgleich hat der Bund Milliardenhilfen für die Lausitz zugesichert.

Mit dem im Juni beschlossenen Strukturstärkungsgesetz unterstützen Bund und Länder die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen beim Aufbau zukunftsfähiger Arbeitsplätze und neuer Wirtschaftsstrukturen. Über das Strukturstärkungsgesetz unterstützt der Bund die vier Bundesländer mit insgesamt 40 Milliarden Euro bis 2038.

In der Lausitz hängen an der Braunkohle rund 16.000 direkte und indirekte Jobs.

15 Kommentare

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  1. 15.

    Aber Herr Neumann; habe ihre supertollen Zeilen jetzt gerade gelesen. Die Braunkohlekumpels haben Jahrzehnte für Energie gesorgt; oft unter so schweren Bedingungen im Winter. Sie scheinen davon keine Ahnung zu haben. Wenn man Energie aber ökologisch erzeugen kann ist doch jeder dafür. Ist aber alles ökologisch ? Ihre angedachten Arbeitsplätze uneit Berlins sollen doch wohl für immer noch umstrittene Batterieautos zum Einsatz kommen. Zuvor wurde lange bestehende Natur einfach vernichtet. Kahlschlag im Grünen um dort Autos zu bauen, die mit so schädlicher Batterie fahren ist ja wohl eher ein Unding. Wenn schon, dann auf einer Brache. Grünheide heißt so weil es da grün ist in der Heide. Diese Heide hat Berlin Jahrhunderte beliefert. Mit dem Holz der Mark. Das war so und wer dazwischen funkt darf sich über Kritik nicht wundern.

  2. 14.

    Das bringt alles nichts. Die Minderheit der Grünen in ihrem rosa Schloss in Potsdam wird eine ganze Region kaputt machen.

  3. 13.

    Der Widerstand der NIMBYs gegen den Ausbau von Bahnstrecken ist fast so groß wie der gegen den Neubau. Deshalb ist die Frage zur Zweigleisigkeit durchaus berechtigt, auch wenn aktuell davon ausgegangen wird, dass 2025 mit dem Bau begonnen werden könnte.
    https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2020/02/zweite-gleis-baustart-cottbus-luebbenau-ab-2025.html

    Gerne entdecken die scheinheiligen Gegner plötzlich die Natur, die denen vorher egal gewesen ist, vor ihrer Haustür für ihre Zwecke, s. bei der Hesse-Bahn in BaWü oder hier in Berlin bei der Stammbahn. Den ICE will man z.B. in Darmstadt behalten, aber wehe, es fahren auch Güterzüge. Man zieht gerne in die Nähe einer S-Bahnstrecke, aber wehe, es sollen dort mehr andere Züge fahren, für die die Strecke ursprünglich gebaut worden ist - s. Dresdener Bahn. Zudem lassen sich mit Autobahnen mehr Wählerstimmen einfangen als mit Bahnstrecken, weil auf dem Land das Auto alternativlos zum vorbeirauschenden IC(E) ist - s. Y-Trasse in Nds.

  4. 12.

    Das Fernverkehrskonzept der DB von 2015 sieht für Cottbus eine IC-Anbindung vor. https://www.deutschebahn.com/de/medienpaket_fernverkehr-1186986

    Es muss bei den Zügen zwischen laufender Wartung im Betrieb und größeren Ereignissen unterschieden werden. Während z.B. hier in Berlin eher kleinere Arbeiten teils sogar nur während der Zugwendezeit erledigt werden, stehen bisher vor allem die Werke in Krefeld und Nürnberg für Hauptuntersuchungen, größere Reparaturen oder Umbauten zur Verfügung, Solche Maßnahmen sollen mit dem Ausbau des Fernverkehrs zukünftig auch in Cottbus erfolgen. Die Überführung der Züge fällt dafür nicht nennenswert ins Gewicht.

  5. 11.

    Komisch, dass Sie sich zwar Sorgen um die Kohlekumpel machen, gleichzeitig aber seit Monaten gegen mehrere tausend Industriearbeitsplätze mit fadenscheinigen Argumenten agitieren. Ihre Scheinheiligkeit kommt auch hier wieder klar zum Vorschein, wie auch Ihre Unlust, selber, wie Sie es oft von anderen fordern, sachlich zu blieben.

  6. 10.

    Na ja ... bis jetzt einen in Teilabschnitten seit 1946 lediglich eingleisigen Anschluss nach Berlin, der seit gefühlt 30 Jahren ausgebaut werden soll, haben sie schon.

  7. 9.

    Auch Kohlekumpels haben Kinder. Die haben auch Frauen, keine "Gerdas".

  8. 8.

    Dumm gefragt: Wenn in Cottbus ICE-Züge gewartet werden sollen, müssen diese Züge irgendwie herkommen? Bekommt Cottbus dan eine ICE-Trasse?

  9. 7.

    "Lausitzer Kohlekumpel könnten Zukunft bei der Bahn bekommen ". Yep, 1200 von 16000 Kohlekumpel könnten eine Zukunft bei der Bahn bekommen.

  10. 6.

    Eule auf dem Rücken oder was, weshalb sollte es dem Kohlenmunk besser gehen als Tausenden vorher?

  11. 5.

    Genau! Und ein paar andere bekommen Übergangsgeld 2 oder 3 Jahre bis zur Rente. Eine abgehängte Region durch Strukturwandel, wie dies einst in Ecken des Ruhrgebiets war, kann sich die Politik nicht leisten. Und der Markt für Schienenfahrzeuge ist ja da und wird sich in den nächsten Jahrzehnten auch noch weiterentwickeln.

  12. 4.

    Ob bis 2038 wohl der Streckenabschnitt Lübbenau-Cottbus zweigleisig ausgebaut sein wird? Oder erst 2045, wenn sich die Eingleisigkeit zum 100. Mal jährt?
    Alternativ lassen sich die zu reparierenden Züge sicher auch mit Scheuers Flugtaxis nach Cottbus befördern.

    Das Autobahnnetz hat sich in den letzten Jahrzehnten irgendwie leicht anders entwickelt als das Schienennetz.

  13. 3.

    Bis dahin, 2038, sind die Kumpel in Rente. Zukunft bei der Bahn? LOL

  14. 2.

    Das klingt sehr gut! Ich wünsche gutes Gelingen!

  15. 1.

    Was für ein Erfolg, einige wenige künftige neue Jobs und obendrein für das halbe Gehalt!

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