Kartellamt stimmt Verkauf zu - "Spreewälder Gurken" sind jetzt offiziell französisch

Eine Mitarbeiterin überwacht eine Anlage zum Befüllen von Dosen mit Einlegegurken. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Seit über 70 Jahren werden im Spreewald Gurken eingelegt und exportiert. Weil das Familienunternehmen keinen Nachfolger gefunden hat, beschlossen die Eigentümer den Verkauf an ein französisches Unternehmen. Das Kartellamt hat nun entschieden.

Der Obst- und Gemüseverarbeiter "Spreewaldkonserve" kommt in französische Hände. Das Bundeskartellamt hat den Verkauf des vor allem für seine "Spreewälder Gurken" bekannten Familienunternehmens aus Brandenburg an den französischen Wettbewerber "Andros" freigegeben. Die Behörde habe "keine durchgreifenden wettbewerblichen Bedenken", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Donnerstag.

Rund 100 Millionen Euro Umsatz in 2020

Der Markt für Obstkonserven im Glas beziehungsweise im Karton sei von Überkapazitäten geprägt. Zudem stünden den Herstellern mit den Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels sehr große Nachfrager gegenüber. "Der bisher intensive Wettbewerb wird also intensiv bleiben", betonte Mundt.

"Spreewaldkonserve" hat nach Angaben des Kartellamts im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro ganz überwiegend in Deutschland erzielt. "Andros", das ebenfalls ein Familienunternehmen ist, erzielte europaweit einen Umsatz von 2 Milliarden Euro und ist auch in Deutschland tätig. Unter anderem stellt Andros Konfitüren unter der Marke "Bonne Maman" her.

Drei Werke in Brandenburg und Ungarn

Schon seit 1946 werden in Golßen (Dahme-Spreewald) Konserven mit lokalen Obst- und Gemüseprodukten hergestellt. Nach der Wende übernahmen die Geschwister Karin Seidel und Konrad Linkenheil 1991 das Werk und präsentierten die Produkte unter der neuen Marke "Spreewaldhof". Mittlerweile werden an zwei Standorten im Landkreis Dahme-Spreewald - Golßen und Schöneiche sowie im ungarischen Szigetvár 32 unterschiedliche Obst- und Gemüsesorten produziert und zu 250 verschiedenen Produkten verarbeitet.

Die Geschäftsführer - beide Geschwister sind Mitte 60 - hatten in einem Facebook-Post Anfang des Jahres angekündigt [facebook.com], sich ins Privatleben und in den Ruhestand zurückziehen zu wollen. Das sei der Grund für den Verkauf der "Spreewaldkonserve".

Keinen Nachfolger innerhalb der Familie gefunden

Die Inhaber der "Spreewaldkonserve" sind Konservenhersteller in dritter Generation mit einer über 100-jährigen Firmengeschichte, die im späten 19. Jahrhundert am Niederrhein begann. Im Jahr 2000 wurde die gesamte Produktion von dort in den Spreewald verlegt. Die aktuellen Geschäftsführer, Karin Seidel (67) und Konrad Linkenheil (66), hätten in der nachfolgenden Generation der Familie keine Nachfolger gefunden, hieß es.

Derzeit beschäftigt die "Spreewaldkonserve" rund 200 Mitarbeiter und 220 Saisonkräfte. Im Geschäftsjahr 2018/2019 machte das Unternehmen einen Umsatz von 109 Millionen Euro. In Ostdeutschland ist die Marke "Spreewaldhof" bei Gurken im Glas marktführend, bundesweit die Nummer 3.

"Spreewaldhof" folgt damit anderen ostdeutschen Marken, die sich bereits im Besitz von Großkonzernen befinden - zum Beispiel "Bautz'ner Senf", "Halloren Schokoladenfabrik" oder "Wernesgrüner Bier".

26 Kommentare

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  1. 26.

    Nur die Cornichons. Dieses ehem. rein französische Produkt wird ja letztlich auch unter dem Spreewaldlabel verkauft. Bleibt die Frage, wie Cornichons hergestellt werden. Kochender Essigsud ist da auch im Spiel.
    Ohne Frage - sie schmecken lecker - diese kleinen, unreifen Essiggurken ;-). Mein Favorit, wenn ich mal Abstand brauche, sind diese Knoblauchgruken.

  2. 25.

    Bleibt zu hoffen, dass die Tradition der Spreewaldgurke gewahrt bleibt.

  3. 24.

    Eine "Fremdlandbude" in Grünheide und jetzt auch noch französische Gurken aus dem Spreewald. Sie müssen dringend weltoffener werden. Der Mauerfall ist schließlich schon fast 32 Jahre her wie noch früher auch Ford und GM gute Geschäfte gemacht hatten.

  4. 23.

    Dass hierlande wenig echter franz. Käse verkauft wird, liegt am anderen Geschmack der Deutschen. Innerhalb der EU herrscht weitgehende Freizügigkeit

  5. 22.

    Mit Verlaub, ein Schwachsinn den Sie da von sich geben. Es gibt genug Beispiele, wo deutsche Firmen im Ausland ebenso dortige landestypische Produktionen aufgekauft haben. Sie sollten mal diese Schranke im Kopf ausschalten. Es geht um das Produkt, nicht um den Eigentümer. Wir sprechen hier über Gurken…. Beim Technologietransfer können wir gerne nochmal über Ihren Ansatz reden. Aber nicht bei Gemüse.

  6. 21.

    Was nutzt die Förderung von Familien, wenn die Kinder die Firma noch übernehmen wolle? Goethe war wesentlich weltoffener als Sie. Ihre Literatur scheint eher aus anderen Büchern von gebürtigen Österreichern zu bestehen. als dass Sie Gothe lesen.

  7. 20.

    Totaler Quatsch mit Sosse. Ein Eigentümer findet keinen Nachfolger. Geht Bäckereien oder Metzgereien ebenso. Damit der Betrieb nicht Pleite geht und Mitarbeiter entlassen werden müssen, da hat sich der Eigentümer entschlossen, seinen Betrieb zu veräußern. Und wir leben in Europa, da gibt es halt keine Grenzen mehr. Gottseidank.

  8. 19.

    Das machen wir doch schon jahrelang so, selbst eingelegte Gurken schmecken sowieso besser als dieses industriell hergestellte Zeug.

  9. 18.

    Großkonzerne kaufen auf, das bedeutet natürlich Lohndumping und Entlassungen, Stammpersonal wir erstmal übernommen oder gleich aussortiert. Kennen Sie noch die Diskussion 2020 über die Armutslöhne in Bautzen und Halle? Großkonzerne haben dort Traditionsbetriebe übernommen. Wenn Großkonzerne alles schlucken und Profit ohne Ende einfahren, die Arbeit aber unterbezahlt abserviert wird, ist das ein sehr schlechtes Zeichen für unseren sozialen Zusammenhalt und sollte uns alle aufrütteln.

  10. 17.

    Au Backe! Spreewaldgurken als eingelegte Essiggurken zu bezeichnen geht gar nicht!

  11. 16.

    Zitat: "So wandert wieder ein Teil deutscher Geschichte an ausländische Eigentümer! . . . Vielleicht ist es ja so gewollt."

    Der geheime Gurkenplan des Deep State wird nun erbarmungslos umgesetzt! Helfe uns Gott!

  12. 13.

    Wenn ich richtig gelesen habe, haben die Eigentümer keinen Nachfolger aus dem Kreis ihrer Familie gefunden. Die Beschäftigten können doch froh sein, dass der Betrieb wenigstens weiter aufrechterhalten wird. Was soll da der Blödsinn mi "dem Kapital Tribut zollen. Im übrigen ist es ganz natürlich, dass Betriebe ihren Eigentümer wechseln. VW hat sich Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborgini, Scania u.a, BMW z.B. Mini Cooper und RR Motors gekauft.

  13. 12.

    Ein Unding. Nennt die doch Napoleongurken. Für ein gesundes Unternehmen findet man doch wohl einen Nachfolger aus dem Spreewald.

  14. 11.

    Es ist so gewollt. Man erinnere sich nur an einige Aussagen der Grünen. Natürlich die von der "Spitze". Schweden, Norwegen, Dänemark u.a. wird es weiter geben. Goethe und Schiller allerdings auch. Waren die eigentlich DEUTSCHE ? Eher doch Europäer sagt man heute. Was habt ihr vor mit unserem Land ? Warum fördert ihr Polittypen nicht deutsche Familien, die Kinder bekommen sollen ? Wer soll euch Politiker mal ernähren ? Etwa Afrikaner ? Die würden lieber in ihrem Land bleiben wenn sie dort Arbeit fänden. Verzichtet mal auf Rosen aus Afrika und spendet lieber Saatgut für das Leben dort.

  15. 10.

    Wenn an jedem Standort der Firmenkette alles hergestellt werden kann und auch wird, dann bleibt die Frage, ob das noch eine geschützte Marke ist, die gegenüber der allumfassenden Konkurrenz innerhalb der EU geschützt ist.

    Der französische Käse ist da ein Musterbeispiel. Nirgendwo anders als in Frankreich hergestellt, allerdings auch: Nirgendwo anders als in Frankreich vertrieben. Das Zweite liegt an den, pardon, überzogenen Hygienevorschriften seitens der EU.

    Bisher sind alle Franzosen - dennoch - wohlauf.

  16. 9.

    Aber Cornichons essen ;-).
    Finde Cornichons au vinaigre hört sich doch echt besser an als/wie kleine Essiggurken in Hörnchenform.

  17. 8.

    Bei manchen Kommentar fragt man sich, ob die den Artikel überhaupt gelesen haben.

  18. 7.

    So wandert wieder ein Teil deutscher Geschichte an ausländische Eigentümer! Wenn das so weitergeht, dann hat Deutschland bald kein eigenes Knowhow mehr und verliert seine Geschichte gänzlich. Vielleicht ist es ja so gewollt.

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