Materialmangel auf dem Bau - Wenn das Eigenheim plötzlich 20 Prozent teurer wird

Symbolbild: Dachdecker bei der Arbeit
Audio: Antenne Brandenburg | 29.06.2021 | Josefine Jahn | Bild: dpa-Zentralbild

Der Traum vom Eigenheim droht bei manchen gerade zum Albtraum zu werden. Materialien sind knapp, die Kosten schießen in die Höhe. Gebaut wird in Berlin und Brandenburg trotzdem - doch Geduld ist gefragt. Von Josefine Jahn

Eine Baustelle in Schwarze Pumpe (Spree-Neiße), Ende Juni 2021. Ein Haus ist hier schon erkennbar, Fenster und Türen sind eingelassen, die Elektrik ist verlegt. Im November ist der geplante Einzugstermin.

350.000 Euro haben Nancy Borchelt und David Wojahn für ihr Wunschhaus eingeplant. Ob es dabei bleibt, ist unklar.

Nancy Borchelt und David Wojahn vor ihrem künftigen Haus (Foto: rbb/Jahn)
Nancy Borchelt und David Wojahn | Bild: rbb/Jahn

Denn Holz, Stahl und Dämmstoffe sind auch auf Baustellen in Berlin und Brandenburg knapp. Das führt zu Preissteigerungen. "Die Treppe wurde bei Bestellung um 400 Euro teurer, von der Firma wurden uns schon Punkte aus dem Bauvertrag aufgelistet, die teurer werden könnten, darunter auch der Dachstuhl oder Stahl", sagt Wojahn.

Bisher sind bei dem Paar aus Schwarze Pumpe aber noch keine fatalen Preiserhöhungen absehbar. Anders sehe das bei Freunden aus. Dort werde das Haus nicht nur teurer, der Bau dauere auch länger. "Es fängt langsam an, es geht schleppend voran, immer viel Pause dazwischen, andere Leute warten sechs bis acht Wochen auf den Dachstuhl. Da können wir nur von Glück sprechen."

"Es ist sehr dramatisch"

Seit April 2021 warten einige Bauunternehmer auf Material. Hintergrund seien begrenzte Transportkapazitäten sowie eine hohe Nachfrage aus China und den USA, teilte die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) im Mai mit. Die Handwerkskammer Cottbus vermutete im April als Ursache für die Knappheit die Corona-Pandemie, genauer gesagt Kurzarbeit in produzierenden Betrieben und Quarantäne-Regeln.

Aktuell ist kein Ende des Baustoffmangels im Handwerk in Sicht. Durch den Engpass steigen die Kosten rasant, Lieferzeiten verlängern sich. Das übertrage sich auf alle Gewerke, sagt Corina Reifenstein, Chefin der Terpe Bau GmbH in Spremberg, die auch das Haus von Nancy Borchelt und David Wojahn baut. "Es ist sehr dramatisch", so Reifenstein.

"Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass man in der heutigen Zeit des Material-Überflusses den Bauherren sagen muss: Du kannst jetzt alles Mögliche aussuchen, dann besteht die Gefahr, dass du auf deine Steckdosen acht Wochen warten musst. Oder du nimmst jetzt diese Variante - die ist noch vorrätig."

Erst weniger Stahl, dann weniger Holz

In den vergangenen anderthalb Jahren gab es immer wieder Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Die extreme Materialknappheit, so Reifenstein, sei aber erst seit diesem Jahr, seit April ein Problem. Innerhalb weniger Wochen sei die Lage dramatisch geworden. Mit Stahl habe es begonnen, dann kam der Mangel bei Holz dazu. "Wir warten immer länger auf Dachstühle und alle Folgegewerke verschieben sich aufgrund dessen."

Dachlatten inzwischen fünf Mal so teurer

Corina Reifenstein beobachtet jährlich eine Preissteigerung von rund fünf Prozent. Das sei in der Branche normal. Durch die Materialknappheit falle der Anstieg spürbar deutlicher aus. 100 Prozent mehr als im Vorjahr zahle man heute für Stahl, bei Dachlatten gebe es aktuell eine Steigerung von bis zu 500 Prozent.

Corina Reifenstein, Chefin von Terpe Bau GmbH (Foto: rbb/Jahn)
Corina Reifenstein | Bild: rbb/Jahn

Mit Blick auf ein komplettes neues Haus bedeutet das, dass 15 bis 20 Prozent mehr Geld in die Hand genommen werden muss. Trotzdem gibt es beim Unternehmen von Corina Reifenstein bisher noch keine Vertragskündigungen. Auch die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg hat von Kündigungen noch nichts gehört, wie es dort auf Nachfrage des rbb hieß.

Reifenstein beobachtet, dass trotz Preissteigerungen und Bauzeitverlängerung nach wie vor auch neue Interessenten ihr Unternehmen kontaktieren. Nur würden viele sich jetzt mit der Planung ihres Traumhauses lieber noch ein wenig Zeit lassen.

19 Kommentare

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  1. 19.

    Es könnte auch daran liegen das Ihr Kommentar schlichtweg falsch ist. Was genau soll die Eu mit dem Export von Holz zu tun haben? Auch gab es noch nie so viel Holz wie heute, gefällt wegen der Trockenheit und dem Borkenkäfer- es wird nur nicht zu Bauholz verarbeitet.

  2. 18.

    Nur mal so - zu Hause ist da wo man sich wohlfühlt. Es ist also was ganz persönliches.

  3. 17.

    Ich bin eher fassungslos darüber, dass Menschen bereit sind, sich dermaßen zu verschulden für ein Haus in Schwarze Pumpe! Das schöne Geld, hätte man auch gleich Papierflieger draus basteln können und mehr davon gehabt

  4. 16.

    Das Problem ist aber auch, dass sich viele " Bauherrn " einen Bau nicht wirklich leisten können.

  5. 15.

    Normal. Wenn Mangel herrscht, ist es gut für Verkäufer. Wenn Überfuss herrscht ist es gut für Käufer.

  6. 14.

    Super Kommentar da steckt sehr viel Wahrheit drin die aber keiner hören will. Alle möchten die rosa rote Brille auflassen und wie die Kanzlerin immer weiter so machen das schaffen wir. Das jammern hat der Deutsche schon mal gut gelernt

  7. 13.

    ... und dann die Mieten. Denn das betrifft ja nicht nur Eigenheime sondern den gesamten Bau, Instandsetzung + Modernisierung inklusive.
    Ihr regt euch hier über Kapitalismus auf aber allen Wohlstand, Bequemlichkeit und Sozialleistungen die wir hier für selbstverständlich erachten haben wir Deutsche genau so erlangt. Was meint ihr, wo das Geld dafür herkommt? Unser tolles Leben erarbeiten andere Länder für uns, die wir zum Teil ausplündern. Von Kinderarbeit über Bodenschätze bis Knebelverträge. Z.B. hochsubventionierte Milch für Afrika oder Hähnchenabfälle zu Preisen die dort niemand erwirtschaften kann. Könnte man wissen wenn man nicht mit der rosa Deutschbrille durch die Gegend läuft.
    Scheinbar sind andere Länder bereit mehr für benötigte Rohstoffe zu zahlen, nur die Deutschen schalten die gewohnte Jammerei ein. Geiz ist geil, wird aber schnell unlustig, wenn man plötzlich auf der anderen Seite sitzt.

  8. 12.

    Mhhh, ihre Lebensgrundlage hat mit der jungen Familie Häuslebau genau so wenig zu tun, wie die dreifuffzig mehr für 'ne Dachlatte. Schätze mal, die machen den Buckel ganz schön krumm für so'ne Nummer. Hier seinen Frust abwerfen und sich dann winden wie ein Aal. Sie sind ein Musterbeispiel des Zeitgeistes.

  9. 11.

    …naja, man wird ja wohl mal ein bisschen frustriert sein dürfen, wenn einem die Gier der Anderen eine Lebengrundlage verwehrt / entzieht. Ich finde das durchaus zum kot***.

  10. 9.

    "nicht aber eins auf Wohlstand“

    Wer ein 350.000 € Haus in Schwarze-Pumpe finanziert bekommt, hat wohl einen gewissen Wohlstand "sicher".

  11. 8.

    "Exportbeschränkungen oder Strafzölle. Aber ……. da müsste man eine Regierung haben, die den Mut aufbringt das zu tun."
    Exportbeschränkungen oder Strafzölle sind im aktuellen Gesellschaftssystem nur politische Maßnahmen als Boykott oder politische Strafmaßnahmen gegen einige Länder. In den freien Markt kann diese Politik nicht so ohne weiteres eingreifen. Es besteht ja keine Lebensgefahr.
    Und wir müssen auch eins feststellen: Der Markt reagiert sehr berechnend z.B. auch auf medial hochgepuschte Themen.
    Was?... Es soll wenig Baustoffe geben?... Na dann mal hoch dem Preis! Es sind reell nur wenige Baustoffe von aktueller hoher Nachfrage betroffen.

  12. 7.

    „ Fragt sich nur, wie es langfristig um die Sicherheit seht, wenn die Gesellschaft immer mehr gespalten wird“
    Sie geben sich ja alle Mühe, dabei behilflich zu sein.

  13. 6.

    Wie heißt es so schön: der Markt regelt alles.

  14. 5.

    20% mehr? Ich lach mich kaputt. Es sind wohl eher 200%, jedenfalls, wenn man den Vergleichsrahmen mal etwas weiter spannt. Aber wie sagte Frau Merkel einst so schön…. Frei zitiert: „Man hätte durchaus ein Recht auf Sicherheit, nicht aber eins auf Wohlstand“. Fragt sich nur, wie es langfristig um die Sicherheit seht, wenn die Gesellschaft immer mehr gespalten wird.

  15. 4.

    .... und ich erstmal. Vor 20 Jahren alles zum halben Preis ;) Und mein Uropa für 15.000 RM.
    Irgendwie muß der Liquiditätsüberschuß ja abgebaut werden.

  16. 3.

    Das ist Kapitalismus wie ihn Marx beschrieben hat. Auf der Jagd nach dem höchsten Gewinn wird an den Meistbietenden verkauft. Helfen würden nur Exportbeschränkungen oder Strafzölle. Aber ……. da müsste man eine Regierung haben, die den Mut aufbringt das zu tun.

  17. 2.

    Dachlatten 500% teurer. Da kann man mal sehen wie wertvoll der vorhandene Baumbestand in unseren Wäldern ist. Eine gute Gelegenheit alles brauchbare Schad-und Bruchholz aus unseren Wäldern zu entfernen. Es reicht nämlich einiges vom Kronenholz vor Ort zu zerschreddern und auszubringen. Viel Arbeit, die aber jetzt gut bezahlbar ist. Man muss aber nun nicht unbedingt ganz China beliefern. Es ist durchaus auch denkbar, dass man hier im Land den Preis nicht so hoch treibt. Wir dürfen auch nicht zum Schweinezüchter für China verkommen. Oder ist es schon so weit; wir sind durch die EU am Ende ? Diese Frage ist mehr als berechtigt-gefällt aber dem Mainstream nicht.

  18. 1.

    Tja, da hatten wir Glück, alles im Februar bestellt und zu den damaligen Preisen bekommen :))))

    P.S. Allerdings nicht in D.

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