Interview | Ansiedlung von Großkonzernen - So werden die Global Player nach Brandenburg geholt

Egal ob Tesla oder wie aktuell Intel - bevor sich Großkonzerne in Deutschland niederlassen, läuft Vieles im Hintergrund über eine Bundesagentur. Deren Geschäftsführer Robert Hermann erklärt, wie es überhaupt zu den prestigeträchtigen Ansiedlungen kommt.

Seit Mittwoch ist bekannt, Frankfurt (Oder) und die Lausitz werden als mögliche Standorte einer neuen Produktionsstätte von Intel gehandelt. Konzerne wie der Computerchip-Gigant kämen von allein wohl kaum auf die genannten Standorte.

Unterstützung bei der Wahl bekommen die Unternehmen von der Germany Trade and Invest (GTAI), der Außenwirtschaftsagentur der Bundesregierung. Im Interview erklärt Geschäftsführer Robert Hermann, was genau für solch eine Ansiedlung notwendig ist, was im Voraus hinter den Kulissen abläuft und welche Chancen Brandenburg auf eine Ansiedlung von Intel hat.

rbb24: Robert Hermann, Sie sind Geschäftsführer der GTAI. Was genau macht ihre Agentur und in wessen Auftrag arbeiten Sie?

Robert Hermann: Die GTAI ist die Wirtschaftsfördergesellschaft der Bundesregierung. Wir gehören der Bundesregierung, werden auch zu 100 Prozent von ihr finanziert. Wir helfen deutschen Unternehmen bei der Internationalisierung und genauso ausländischen Unternehmen bei ihrem Geschäftsstart in Deutschland.

Wie läuft denn das ab, wenn ein Global Player, beispielsweise Intel, einen Standort in Europa sucht. Was können Sie dazu beitragen, den Unternehmen Deutschland schmackhaft zu machen?

Das sind verschiedene Ebenen. Auf der einen Seite gehört dazu, dass man über die Standortvorteile bescheid weiß und im Unterbewusstsein abspeichert, dass Deutschland attraktiv ist. Sei es zu steuerlichen Fragen, zu möglichen Finanzierungsoptionen, insbesondere aber zu Innovationspartnerschaften. Zulieferer, Kunden, Markt, das muss man transparent machen. Das nennt sich dann Standortmarketing. Wir versuchen in der Welt bekanntzumachen, dass Deutschland ein attraktiver Investitionsstandort ist, sodass ein Unternehmen, egal in welcher Branche, bei einer Standortsuche nicht einfach über Deutschland hinwegschaut und es auf jeden Fall auf dem Radar hat. Ich glaube, es ist offensichtlich, dass jeder zu einer Region seine Vorurteile hat und so gibt es natürlich auch im Ausland Vorurteile zu Deutschland. Und die versuchen wir auszuräumen, wenn sie unbegründet sind.

Wie groß ist denn Ihr Spielraum, um bestimmten Vorstellungen oder Wünschen der Unternehmen, beispielsweise von Staatshilfen oder -bürgschaften in Höhe von mehreren Milliarden Euro, entgegenzukommen?

Als Bundesgesellschaft haben wir nicht die finanziellen Mittel, um Fördergelder auszugeben. Wir geben gar keine Fördergelder aus, sondern wir informieren zu den Möglichkeiten, die es in Deutschland gibt. Da gibt es Förderungen, die mit regionalen Bedingungen zu tun haben, mit strukturschwachen Regionen zu tun haben. Diese Förderhöhen werden in der Regel in Brüssel festgelegt für ganz Europa und damit ist der Rahmen relativ klar vorgegeben. Es gibt nebenbei noch Fördermöglichkeiten, die sogenannten IPCEI, Investment projects of common european interest. Da setzt sich die EU zusammen und plant Schwerpunktthemen und versucht für diese besondere Fördermöglichkeiten verfügbar zu machen. Das ist aber auch zentral geplant, in einem politischen Kontext, in dem so etwas beschlossen wird.

Wie muss man sich das dann vorstellen, bekommen Sie von einem Interessenten aus dem Ausland einen Forderungskatalog, eine Wunschliste?

In der Tat ist es so ähnlich. Der Unternehmer kommt auf uns zu oder wird über die Bundesregierung an uns vermittelt. Wir fragen dann zurück, was denn Kriterien für den richtigen Standort sind. Wohlwissend, dass jeder Standort, je größer das Vorhaben, in einem internationalen Wettbewerb steht. Wir versuchen, das herauszuarbeiten. Ist das die Flächengröße, die Menge des Wassers, die Stromversorgung, die logistische Lage an einem Flughafen oder an der Autobahn. Ist das ein Forschungsinstitut, das in der Nähe sein muss, wo sind Partnerschaften, die wichtig sind - und wir versuchen mit dem Investor herauszuarbeiten, was ihm wichtig ist, denn alle Kriterien wird man wohl nur an wenigen Standorten erfüllen. Wir gehen dann auf die Bundesländer zu und bitten die Länder, uns aus ihren Regionen sinnvolle Standortvorschläge zu unterbreiten, die wir dann dem Investor vorstellen können.

Wie geht es dann weiter, wie wählen Sie unter den Vorschlägen aus?

Das hängt von den Vorhaben ab. Wir haben schon Vorhaben betreut, bei denen wir alle Bundesländer befragt haben und haben von allen eine Antwort erhalten. Das ist aus unserer Sicht die größte Herausforderung, aus vielleicht 100 Angeboten eine machbare Anzahl dem Investor vorzustellen. Sie können sich vorstellen, wenn Sie 100 Standortangebote machen, dann dreht sich der Investor um und sagt, ich gehe in ein Land, in dem das nicht ganz so komplex ist. Insofern versuchen wir, die Anforderungen so konkret zu formulieren, dass wir die Anzahl auf ein sinnhaftes Maß reduzieren können.

Wie weit ist denn Ihre Suche für Intel, auch in Bezug auf Brandenburg?

Sie werden mir nachsehen, dass ich mich zu aktuellen Vorhaben nicht äußern möchte, weil solche Verfahren insbesondere davon leben, auch aus Sicht des Investors, dass sie vertraulich behandelt werden, dass man vertraulich mit Wünschen und Erwartungen umgeht. Es geht hier mitunter um relevante Entscheidungen, die vielleicht den Börsenkurs beeinflussen können. Im Durchschnitt dauert so ein Vorhaben ein Jahr. Die einzelnen Unternehmen sind entweder selbst sehr offen dazu, viele Unternehmen wollen das aber selbst in der Hand haben und nicht getrieben werden, um dann selbst eine Standortentscheidung zu publizieren. Sie erinnern sich womöglich an die Entscheidung von Tesla, die ja auch nicht vorweg transparent publiziert wurde, damit alle Akteure, das Land Brandenburg in dem Fall und der Investor, solide und strukturiert ihre Arbeit machen können. Hinterher können sie dann ganz offen und transparent erklären, welche Kriterien zu der Entscheidung geführt haben.

Häufig kommt es ja auch auf die Größe von Flächen an. Wie ist denn Brandenburg beispielsweise bei Flächen von 40 oder 50 Hektar aufgestellt, ohne Privatbesitz zukaufen zu müssen?

Meines Wissens nach haben wir in insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern eine ganze Reihe von Flächen, die zur Verfügung stehen. In der von Ihnen genannten Größenordnung kann das jedes Bundesland, natürlich auch Brandenburg.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.06.2021, 16:40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Demokratie ist auch wenn eine bestimmte Person anderen stets beweisen will, dass er immer recht hat ? ;=((

  2. 2.

    Wie sähe diese "wirkliche Demokratie" aus? Wer am lautesten schreit, bekommt seinen Willen erfüllt? Viele kleine Kinder hatten das schnell gelernt und leider wird auch politisches Handeln immer häufiger danach ausgerichtet, auch wenn sich Widersprüche zwischen dem Geweine der einzelnen Kinder ergeben.

    Die Bundesrepublik ist seit ihrer Gründung eben eine repräsentative Demokratie.

  3. 1.

    So logisch und konsistent das erstmal klingt in einem rein immanenten Sinne - wer also die Wirtschaftsbühne nicht zu verlassen gedenkt - so ist doch die GTAI der faktische Garant für eine "wirtschaftskompatible Demokratie".

    Eine wirkliche Demokratie, die das Wirtschaften als ein Teil des Lebens begreift, sähe und sieht anders aus.

    Dass die unterschiedlichen Aspekte im Sinne einer Projektsteuerung zusammenlaufen sollten, steht indes auf einem anderen Blatt und hat mit Einschränkung oder Ausdünnung von Demokratie nichts zu tun.

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