Komplex Lübbenau-Vetschau - Als eines der größten Braunkohlekraftwerke der Welt vom Netz ging

as Archivbild vom 25.02.1999 zeigt die Sprengung von Kohlebunker und Maschinenhaus des Werkes 3 im ehemaligen Kraftwerk Lübbenau (Foto: dpa/Schutt)
Audio: Antenne Brandenburg | 30.06.2021 | Daniel Friedrich | Bild: dpa

Es war das Ende einer Ära: Vor 25 Jahren wurde der Kraftwerkskomplex Lübbenau-Vetschau abgeschaltet, nach knapp 40 Jahren. Er war einst der größte Arbeitgeber im Spreewald. Es folgten Sprengungen - und Neuansiedlungen. Von Daniel Friedrich

30. Juni 1996. Es ist 11 Uhr. Mit ernster Miene beobachtet Maschinist Werner Hoffmann in der Blockwarte, wie der Kraftwerkskomplex Lübbenau-Vetschau abgeschaltet wird. Vom Netz genommen nach fast vier Jahrzehnten. Millionen Tonnen Braunkohle aus den Tagebauen Gräbendorf und Seese-Ost wurden hier verbrannt.

Der Maschinist Werner Hoffmann aus dem Kraftwerk Vetschau beobachtet die Abschaltung des Kraftwerkes am 30.06.1996 in der Blockwarte (Foto: dpa/Schutt)
Werner Hoffmann am 30. Juni 1996 | Bild: dpa/Schutt

Einst bis zu 5.000 Beschäftigte

Das Braunkohleraftwerk mit seinen Generatoren in Lübbenau und Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) galt nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur seinerzeit als eines der größten der Welt. Bis zu 5.000 Menschen haben hier zwischenzeitlich gearbeitet, zum Schluss waren es noch rund 500.

Bis genau vor 25 Jahren alles vorbei war: Das Kraftwerk war zu alt, zu unwirtschaftlich - es wurde geschlossen. Nach dem Ende 1996 dauerte es weitere 17 Jahre, bis alle Schornsteine und die Hauptgebäude der Werke gesprengt waren.

Arbeitgeber für örtliche Unternehmen

Heute erinnert im Vetschauer Gewerbegebiet nicht mehr viel an den einst riesigen Kraftwerkskomplex. Ein verlassenes Pförtnerhäuschen säumt noch den Eingang zur "Kraftwerkstraße". Ein paar Schienen enden im Nichts.

Willi Kuhla hat hier in einer der alten Baracken in den 1960er-Jahren ein Stahlbau-Unternehmen aufgebaut. Das Kraftwerk war von Anfang an sein Hauptauftraggeber. "Wir haben die ersten Jahre für die Baustelleneinrichtung Arbeiten ausgeführt - für die Baracken und Unterkünfte Schlösser eingebaut, Fenster angefertigt." Später seien alle möglichen Stahlarbeiten dazugekommen, zum Beispiel, als es um die Erneuerung der Kohlemühle ging, erzählt Kuhla.

Willi und Thomas Kuhla (v.l.), ehemaliger Chef und aktueller Chef des Stahlbauunternehmens Kuhla (Foto: rbb/Friedrich)
Willi und Thomas Kuhla (v.l.), ehemaliger Chef und aktueller Chef des Stahlbauunternehmens Kuhla | Bild: rbb/Friedrich

Heute führt sein Sohn Thomas das Unternehmen, das sich schon kurz nach der Wende - als das Ende des Kraftwerks absehbar war - neue Kunden gesucht und sich breiter aufgestellt hat. Für die Firma war es die richtige Entscheidung, denn mit dem Kraftwerksende 1996 fiel ein großer Auftragsgeber weg.

Leergewordene Flächen sind gefragt

Keine Strukturwandelkommission, keine Fördermittel, kein Ausstiegsplan: Trotz schwieriger Umstände hätte es in den Jahren danach geklappt, große Unternehmen für die frei gewordenen Flächen zu gewinnen, sagt Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler und nennt als Beispiele "Walter Schmidt Chemie" und die "Porcelaingres GmbH". "Die Firma hatte damals eine große Fläche gesucht, um eine Halle mit einer Länge von über 900 Meter bauen zu können. Heute sind da ungefähr 200 Mitarbeiter beschäftigt", sagt Kanzler.

Das Ende eines Stahlbeton-Kolosses

Das sind zwar nur wenige im Vergleich zu den 5.000, die zu Hochzeiten im Kraftwerk arbeiteten. Doch immerhin seien inzwischen zwei Drittel der Gewerbeflächen belegt - und weitere Anfragen gebe es immer wieder, sagt Kanzler.

"In den letzten Monaten haben sich die Anfragen sogar erhöht." Es gebe auch einen Favoriten, so der Bürgermeister, ohne Details zu nennen. Es entstünden Arbeitsplätze und die vorhandene Bahnanbindung könne genutzt werden.

Um die letzten freien Flächen noch zu vermarkten, gibt es in Vetschau seit vergangenem Jahr einen Wirtschaftsförderer.

Beitrag von Daniel Friedrich

16 Kommentare

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  1. 16.

    Fakt: Man kann auch einfach mehr Windräder und PV bauen, dann hat man auch mehr erneuerbaren Strom.

  2. 15.

    In der Nachkriegszeit wusste man es nicht besser, aber kurz danach hätte man in Deutschland zum Beispiel die Atomkraft wie in Frankreich ausbauen können. Seit etwas über dreißig Jahren ist auch klar, dass wir aus den fossilen raus muss. Dass wir heute darüber noch diskutieren ist ein Armutszeugnis.

  3. 14.

    Dann ist doch alles fein. Wunderbare Erfolgsgeschichte unseres Heimatsenders. Möge sich die Lausitz weiter so toll wirtschaftlich entwickeln - dann wird die Zufriedenheit weiter unendlich wachsen. Und alles ohne Strukturförderung - braucht kein Mensch.

  4. 13.

    Das Deutschland temporär eine Unterversorgung droht, da die EE nicht grundlastfähig sind, finden Sie auch auf den Seiten der BNA.
    Vielleicht finden Sie auch die Stilllegungsverbote für die zum Jahresstart abgemeldete Krafwerke,
    z.B. Heyden, welches trotz Stillegungsantrags des Betreibers immer wieder angefahren wird....wegen Strommangels.

  5. 11.

    Fakt: im 1. Quartal 2021 wurde der Strom zu 59,3 % aus konventionellen Energieträgern erzeugt.
    Wo kommt der Strom dann her?

  6. 10.
    Antwort auf [Kai] vom 01.07.2021 um 10:24

    Die Panikmache, dass Deutschland zu wenig Strom hätte, ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Einfach mal bei Bundesnetzagentur und Umweltbundesamt nachschauen. Dieses schreibt auf seiner Homepage: "Bis zum Jahre 2003 hielten sich Erzeugung und Verbrauch noch in etwa die Waage, seither wurde in Deutschland mehr Strom produziert als verbraucht und netto Strom exportiert." Alles andere ist gezielte Desinformation, um den Ausbau erneuerbarer Energien schlecht zu reden.

  7. 9.

    Als das Auto eingeführt würde haben viele Pferdeknechte ihren Job verloren. Muss man daraus schließen, dass man keine Arbeitsplätze ohne Pferde haben kann?

  8. 8.

    Von Rekultivierung haben sie noch nichts gehört. Eigenheimer zerstören auch Natur aber dies ist ihnen dann doch wieder offenbar egal.

  9. 7.

    Falsch wie die Fakten belegen. Weil Tausende keine Arbeitsplätze mehr hatten haben diese Ihre Heimat verlassen müssen.

  10. 6.

    Was hier so positiv beschrieben wird ist immer noch eine Katastrophe. Es waren nicht nur 5000 Arbeitsplätze....es waren Familien, Firmen oder Schulen/Kitas die mit einem mal keine Zukunft hatten. Und sie waren nicht die Einzigen in der Region....viele wanderten ab. Und die Folgen werden wir bei der nächsten Wahl an den Zahlen der AfD merken. Ja um den Osten hat sich keiner gekümmert....keine Sozialpläne oder Förderungen wie im Ruhrgebiet. Warum eigentlich ?
    Die Vermietung der Flächen wird im Beitrag als Erfolg gefeiert in einer abgehängten Region.

  11. 5.

    Arbeitsplätze und Steuereinnahmen kann man auch ohne großflächige Zerstörung haben.

  12. 4.

    Das ist die schlechte Seite der Medaille,
    die über viele Jahrzehnte gute, mit tausenden sehr gut bezahlten Arbeitsplätzen, prosperierenden Städten, wirtschaftlichen Entwicklungen und üppigen Steuereinnahmen (vor allem in ihrem Cottbus) ergänzen Ihre bisher eindimensionalen Betrachtung.

  13. 3.

    Ich weine der Kohleverstromung auch keine Träne nach - freue mich darüber das einige Haus und Hof nicht räumen mussten, finde Natur einfach schöner, nur wird einfach zu wenig für die ehem. dort Beschäftigten getan. Förderprogramme der EU für nunmehr strukturschwache Regionen verpuffen irgendwo oder sind derart ausgelegt, das ein echter heimischer Handwerker sich fragt, ob man mit Singen und Klatschen auch eine Familie ernähren kann. Bei Bundesprogrammen sieht es doch nicht viel anders aus und die Landesfürsten setzen auf visionäre Projekte. Überspitzt - eher der Ostsee voll ist, ist der Handwerker verhungert. Ein Rezept dagegen habe ich auch nicht - musste aber mal raus.

  14. 2.

    Das war ein guter Tag. Hoffentlich werden am Ende dieses Jahres 3 weitere Atommeiler still gelegt. Jetzt schreiben wahrscheinlich gleich die Schlaumeier, dass dies kein Atommeiler war.

  15. 1.

    Schön zu sehen, wie es zu Ende geht mit der elenden Braunkohleindustrie und ihren Zerstörungen von unser aller Lebensraum.

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