Warnung vor Scheitern der Energiewende - Woidke fordert Dezentralisierung der Stromversorgung

Bundespräsident Steinmeier bei der BASF in Schwarzheide (Bild: rbb/Aline Lepsch)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.08.2021 | Statement Dietmar Woidke | Bild: rbb/Aline Lepsch

Brandenburg liegt bei der Produktion erneuerbarer Energien weit vorn. Bisher wird dieser Strom mit großen Leitungen in einem Netz gebündelt und dann wieder verteilt. Der falsche Weg, findet Ministerpräsident Woidke. Er sieht dadurch die Energiewende in Gefahr.

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland in den letzten Jahren für gescheitert. Das erklärte er bei einem gemeinsamen Besuch mit Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier am Montag beim Chemiekonzern BASF in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz).

Brandenburg sei weit vorn bei der Erzeugung Erneuerbarer Energien und auch bereit dazu, den Strom deutschlandweit zu verteilen, sagte Woidke, betonte aber zugleich: "Wenn wir nur auf Übertragungsnetze setzen, werden wir mit der Energiewende scheitern." Er plädierte am Montag für die sogenannte dezentrale Stromerzeugung: Dabei wird die nötige Energie in unmittelbarer Nähe des Verbrauchers erzeugt. "Eine dezentrale Nutzung verlangen unsere Wirtschaftsunternehmen von uns und verlangen auch unsere Bürger von uns", so Woidke am Montag. "Wir müssen den Menschen zeigen können, dass sie Vorteile aus der Nutzung der Installation erneuerbarer Energieträger haben." Aktuelle rechtliche Vorgaben würden solche Projekte allerdings erschweren, kritisierte Woidke.

Strom dort produzieren, wo er gebraucht wird

Woidke nannte beispielhaft einen Windpark in der Nähe des Werksgeländes von BASF. Dieser müsse seine Windkraftanlagen zeitweise aus dem Wind drehen, da die produzierte Strommenge nicht ins Gesamtnetz eingespeist werden könne - zugleich könne die BASF den produzierten Strom eigentlich gut verwenden. Die Vorgaben regeln allerdings klar, dass die gewonnene Energie zunächst ins Gesamtnetz eingespeist wird und der Strom vom Verbraucher wieder gekauft wird.

BASF-Baustelle in Schwarzheide (Bild: rbb/Lepsch)BASF-Baustelle in Schwarzheide

Zu hohe Strompreise bei steigendem Energiebedarf

Zuspruch bekam Woidke am Montag vom Vorstand der Geschäftsführung der BASF in Schwarzheide, Jürgen Fuchs. Dieser sah ein weiteres Problem: Weil viele Industrieprozesse klimaneutral werden und damit elektrifiziert werden sollen, werde der Strombedarf, besonders in der chemischen Industrie, in den kommenden Jahren enorm steigen. Das sei bei den derzeitigen Preisen problematisch. "Was wir brauchen, sind wettbewerbsfähige Strompreise, um auch in Zukunft das Wachstum, das wir hier begonnen haben, auch mit unserer Batteriematerialienanlage, weiter umsetzen zu können", so Fuchs. Von Bundespräsident Steinmeier forderte er daher am Montag Strompreise um vier Cent pro Kilowattstunde, anstatt wie bisher zehn Cent.

Die BASF errichtet in Schwarzheide aktuell eine neue Anlage zur Produktion von Kathoden. Diese werden bei der Herstellung von Batterien benötigt. Zudem entsteht in unmittelbarer Nähe zum Werksgelände eine neue Luftzerteilungsanlage. Die dort gewonnenen technischen Gase sollen auch bei der BASF genutzt werden.

Steinmeier selbst lobte am Montag den Baufortschritt an der neuen Anlage. Diese soll 2023 in den Testbetrieb starten. Auch eine Recyclinganlage für Batteriekomponenten ist vorgesehen. Das Werk sei ein Beispiel dafür, wie die Transformation des Ostens stattfinden kann, sagte Steinmeier.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.08.2021, 16:40 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Ja genau, das ist aber nicht dezentral, weil 52.000 Haushalte werden wir in der Umgebung von Neuhardenberg kaum finden. Das ist sicher eine Lösung aber eben zentral in der Nähe einer großen Erzeugeranlage mit relativ wenig Verbrauchern in der Nähe. Dafür haben wir ja ein stabiles zentral überwachtes Netz in dem Fall 110kV übers Umspannwerk in Merzdorf. Und somit reicht der Strom aus Neuhardenberg bei voller Sonne oder vollem Akku wahrscheinlich sogar übers Oderbruch hinaus.
    Und sowas sind dann auch Ansätze für Industriegiganten wie BASF. Wenn der eigene Windpark nicht geht, dann geht aber die Beteiligung am Speichermarkt. Die können sich das leisten und Strom am Spotmarkt beziehen und speichern wenn er billig ist, um ihn zu verbrauchen wenn er teuer ist und somit die eigenen Kosten zu senken und gleichzeitig den Markt entlasten.

  2. 27.

    Gesetzgeber....die Täter und Verhinderer der Union sind bekannt und sitzen hoffentlich nicht mehr lange im Bundestag. Bei PV auf dem eigenenDach geht es hauptsächlich darum den Strom selbst zu nutzen. Bevor ich Strom für 9 Cent kwh verschenke kommt der in den Akku meines Autos.

  3. 26.

    Der Gesetzgeber hat es leider sehr umständlich gemacht Solaranlagen auf Dächer zu bauen. Wer einspeist ist direkt Unternehmer und Eigenverbrauch im Mehrfamilienhaus oder gar im Stadtquartier ist nicht vorgesehen. Darum sieht man PV höchstens auf Einfamilienhäusern und da auch nur auf einem Teil des Daches, weil sich das Einspeisen vom Arbeitsaufwand und dem Gewinn nach Steuern her überhaupt nicht mit den Investitionskosten rechnet.

  4. 25.

    Stromspeicher bei Neuhardenberg. Kann Strom für 52000 Haushalte speichern.

  5. 24.

    Eigentlich wollte ich auf Ihre Kohle Argumente nicht mehr eingehen....
    Hoher Strompreis...Ursache und wie man das ändert.
    Auszug aus der Wissenschaftswoche:
    Erstens: Wir müssen schneller bauen. Die Genehmigungsverfahren müssen sich verkürzen. Zweitens: Wir brauchen mehr Erneuerbare Energien. Denn nur so können wir vermeiden, dass der Kohlestrom den Strompreis langfristig erhöht. Drittens: Der Staat kann den Strompreis künstlich senken, indem er zum Beispiel die Stromsteuer abschafft. (haben die bösen Grünen vor)
    Und nun erzählen Sie ruhig weiter das Kohlestrom kein Preistreiber ist.....

  6. 23.

    Es ist doch immer dasselbe, irgendeiner setzt etwas in Umlauf und es passiert nichts. Laut meiner eigenen Statistik kennt der Strompreis seit Jahren nur einen Weg: Kontinuierlich nach oben trotz aller Versprechungen der Politik.

  7. 22.

    Man kann ein Problem damit bekommen, wenn Herr Woidke "etwas fordert" ohne eigene Leistung. Das bedeutet immer: andere müssen zahlen... so ist es bei bestimmten politischen Farben immer. In Bezug auf Windkraft muss man erkennen können, wieviel Anteil möglich ist (max 20-30%?), unter Beachtung der 10H-Regel (!), denn die Optik alleine ist es nicht.

  8. 21.

    Auch Berlin sollte mehr Solaranlagen auf die Dächer und das Tepelhofer Feld bringen. Aber auch bei uns sieht man kaum ein Dach mit einer Anlage. Sind einfach die Anlagen zu teuer oder die Bürokratie zu träge ?

  9. 20.

    Die Kohlelobby ist an den horrenden Energiepreisen schuld? Ihrer Hexenjagd gleicht der Peter's.
    Vielmehr sind die kopflose, meist von von grün angehauchten BIs torpedierte Ausbaustrategie und fehlende Speichertechnologien ursächlich für das Scheitern der Elektroenergiewende (vom Primärenergiebedarf fange ich erst gar nicht an), und damit annähernd effektlose Versenken von Steuermilliarden.
    Danken Sie den AKWs und Kohlekraftwerken, dass Sie aktuell Licht in der Bude haben.
    (Aktuelle EE Einspeisung <20%, Strompreise an der Börse >80€)

  10. 19.

    Was würde Herr Woidke denn sagen wenn er heute z.b. in Jänschwalde einen Auftritt hätte? „Weg mit den großen Kraftwerken am besten heute noch!“?
    Richtig die heutigen Netze sind dafür nicht konzipiert, weil vor 80 Jahren nicht an jeder Ecke ein Kraftwerk stand. Dann muss man Sie eben dafür anpassen.
    Wie sollen dezentrale Netze denn den Ausgleich zwischen Windflaute, Dunkelheit und Hochlast abfangen, wenn sie viel zu klein sind?
    Wie sollen dezentrale Netze und Anlagen ausreichend Kurzschlussleistung vorhalten, wenn allein die PV Anlagen nicht mehr als Nennstrom liefern können?
    Die Windräder stehen still weil selbst im großen Netz oft zu wenig Verbrauch bzw. zu viel Erzeugerleistung vorhanden ist. Wie soll das denn dezentral besser gelöst werden?

  11. 18.

    Durch die CO2-Abgabe als ökonomischen Hebel werden die Produzenten und Verbraucher gezwungen, CO2 einzusparen, indem sie CO2-sparende Technologien nutzen. damit ist deine Aussage widerlegt. Die Einnahmen durch die CO2-Abgabe sollen genutzt werden, um CO2-sparende Technologien zu fördern. In der Schweiz werden sie gleichmäßig an die Bevölkerung zurückgezahlt. Für den Staat gleichen sich Einnahmen und Ausgaben der CO2-Abgabe aus. Die CO2sparenden Einwohner machen Gewinn.

  12. 17.

    Sehr gut gesprochen! Hinsichtlich stabiler Netze haben Politikersprüche mit oder ohne Wahlkampfmodus keine Wirkung. Physik richtet sich nicht nach Wahlterminen oder Parteibüchern. Viel wichtiger wären Fortschritte bei der Zwischenspeicherung überschüssiger Elektroenergie über den Umweg Kälte- oder Wasserstofferzeugung.

  13. 16.

    Die Politiker jammern über zu hohe Strompreise die von den Politikern selbst gemacht sind. Ich erinnere nur mal an die Kugel Eis des Herrn Trittin. Die EEG umlage ist ein Entgelt das den Erzeugern von sogenannten erneuerbaren Energien gezahlt wird an garantierten Beträgen, auch wenn der Strompreis weit unter den gezahlten Beträgen liegt. Es liegt sozusagen eine von der Politik vorgegebenen Subvention der EEG vor welche der Stromkunde bezahlen muss ob er möchte oder nicht. Sollen sich die Betreiber von EEG Anlagen dem realen Strompreismarkt stellen und ihr Produkt verkaufen. Desweiteren ist die CO² Abgabe ein willkürliches Element um Geld abzuschöpfen. Durch die CO² Abgaben wird keine Tonne des "hochgiftigen" CO² eingespart. Meiner Meinung nach haben die Politiker der Republik Schulden ohne Ende gemacht und nutzen jede Möglichkeit aus jeglichen Euro aus dem Volk zu pressen um weiterhin weiter so zu regieren. Dazu zähle ich auch die neuen Abgaben auf Treibstoffe.

  14. 15.

    Herr Woidke hat absolut recht. Der Ausbau der alternativen Energien krankt seit Jahren am Zwang zur Netzeinspeisung. Windräder dürfen sich nicht drehen, Solaranlagen werden zwangsabgeschaltet, weil ein Stromnetz, welches vor 80 Jahren konzipiert wurde, die Strommenge nicht aufnehmen kann.

    Die am Anfang gut gemeinte EEG Umlage wird zum Kropf für Verbraucher und Erzeuger erneuerbarer Energien.
    Die Experten die sich mit moderner Netzinfrastruktur auskennen wissen, dass dezentrale Netze wesentlich ausfallsicherer sind.

  15. 14.

    Ob das möglich ist? Jedenfalls die sogenannte Energiewende in Frage zu stellen ist hoffentlich kein Wahlkampfmanöver.

  16. 13.

    Es ist nicht verboten, aber im internationalen Vergleich zu teuer. Wenn Sie sich eine Solaranlage auf einer eigenen Fläche errichten und selbst bezahlen, so müssen Sie dennoch volle EEG-Umlage entrichten, wenn beispielsweise eine öffentliche Straße die Solaranlage von Ihrer Fabrik trennt. Das ist wie Mehrwertsteuer auf die Äpfel aus dem Garten zu zahlen. Und diesen Irrsinn in dieser Höhe (67 EUR/MWh) gibt es nur in Deutschland. Das wird zunehmend ein Problem für den Industriestandort!

  17. 12.

    Die FDP hat zumindest auf dem Papier die Forderung nach einem CO2 Preis im Parteiprogramm. Warum auch nicht, führende Ökonomen empfehlen das ja schon seit Jahrzehnten. Sogar einen Nobelpreis gab es dafür. "Freier Markt" beinhaltet halt auch, dass externalisierte Kosten eingepreist werden müssen.

  18. 11.

    Ich denke Herr Woidke sollte das Stromnetz und seinen Betrieb mal lieber den Fachleuten überlassen.
    Da gibt es ein paar elektrotechnische Grundgesetze, die auch ein Politiker nicht einfach umbiegen kann.
    Reicht doch wenn man ständig an den bürgerlichen Gesetzen rumschraubt.
    Ein stabiles Netz ist wichtiger als billiger Strom. Regelmäßig Stromausfall kostet richtig Geld.
    Wenn die BASF ökologischen und günstigen Strom für den Eigenbedarf produzieren möchte, ist das übrigens nicht verboten.

  19. 10.

    Das ist nicht gelogen ! Eher sind die Folgekosten zu gering angesetzt.
    Die Belege können Sie vielfach im Netz finden.
    Woidkes "Idee" wird seit Jahren von Fachleuten der Energiewende gefordert und von der Kohlelobby torpediert.

  20. 9.

    300€/Tonne CO2 (das UBA schätzt zwischen 195 und 680€/Tonne je nachdem wie man Schäden in der Zukunft gewichtet), ca 1.2kg CO2/kWh für Braunkohle. Selbst wenn man da die günstigen Enden des Intervalle nimmt und sagt wir haben ein super modernes Braunkohlekraftwerk, das nicht mit Lausitzer Braunkohle läuft, sondern ein bisschen besseren Brennstoff hat und nur 800g/kWh produziert und wir nehmen nur 195€/Tonne ist das immer noch 15cent/kWh nur an Schäden durch CO2 aus dem Schlot. Dazu kommt dann noch das CO2 für den Abbau und Transport der Kohle.

    Die Ergebnisse von Windkraftausschreibungen kann man bei der Bundesnetzagentur nachkucken. Die letzten Jahre gingen die Projekte für rund 6c/kWh über den Tisch, Tendenz fallend.

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