Brandenburger Landtag - Fraktionen wollen Aus für Vestas-Standort in Lauchhammer abwenden

Archivbild: Ein Mitarbeiter des Windkraftanlagenherstellers Vestas Deutschland GmbH kontrolliert in Lauchhammer (Südbrandenburg) die exakte Größe eines Rotorblattes. (Quelle: dpa/M. Hanschke)
Video: Brandenburg aktuell | 21.09.2021 | André Matthias | C.Kemfert, Institut für Wirtschafsforschung | Bild: dpa/M. Hanschke

Das überraschende Aus für den Standort des Windkraftanlagenbauers Vestas in Lauchhammer schlägt weiter hohe Wellen auf politischer Ebene. Mehrere Fraktionen im Brandenburger Landtag setzen auf weitere Verhandlungen - und hoffen auf Rettung.

Das geplante Aus für die Produktion des dänischen Windenergieanlagenherstellers Vestas in der Lausitz hat auch im Brandenburger Landtag für Bestürzung gesorgt. Mehrere Fraktionen hoffen, dass in Verhandlungen eine Schließung noch abwendbar ist.

"Wir werden versuchen, in Gesprächen vor Ort alles für den Standort zu unternehmen, was jetzt noch möglich ist", sagte SPD-Fraktionschef Erik Stohn am Dienstag. Zum Glück sei der Strukturwandel schon im vollen Gang und es seien Investitionen anderer Firmen angekündigt.

Vestas plant, die Produktion in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz), Esbjerg in Dänemark und Viveiro in Spanien einzustellen. In Lauchhammer sind nach Vestas-Angaben etwa 460 Menschen beschäftigt. Man rechne damit, dass die Produktion in Lauchhammer bis Ende des Jahres eingestellt wird, teilte das Unternehmen am Montag mit. Es werde geprüft, Mitarbeiter aus Lauchhammer an andere Vestas-Standorte in Deutschland zu verlagern.

CDU: Umzug für viele Mitarbeiter wohl kaum möglich

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Sebastian Walter, sagte, vielleicht gebe es die Möglichkeit, andere Investoren zu holen oder den Standort durch Vestas doch noch zu halten. Er sei im Gespräch mit dem Betriebsrat. Walter forderte einen schnelleren Ausbau der Öko-Energien und warf der rot-schwarz-grünen Landesregierung vor, dass beim Strukturwandel in der Lausitz bisher zu wenig passiert sei.

CDU-Fraktionschef Jan Redmann sprach von einem "schweren Schlag für die Region, insbesondere für die betroffenen Familien". Es sei ein schwacher Trost, dass Vestas den Mitarbeitern in Lauchhammer Beschäftigungsmöglichkeiten an anderen Standorten anbiete. "Für die Allermeisten dürfte es ohne Weiteres nicht möglich sein, den Lebensmittelpunkt einige hundert Kilometer so mir nichts, dir nichts zu verlegen." Der Grünen-Abgeordnete Clemens Rostock zeigte sich schockiert. "Das ist für uns ein bedenkliches Zeichen für die Energiewende im Allgemeinen."

Der AfD-Abgeordnete Steffen John sieht in der Entscheidung des Unternehmens einen Beleg für eine falsche Wirtschaftspolitik im Land und eine falsche Energiepolitik im Bund. Freie-Wähler-Fraktionschef Péter Vida sagte, die Nachricht sei bedauerlich, die Schlussfolgerung könne aber nicht sein, eine nicht wettbewerbsfähige Technologie zu subventionieren.

Johannes Schiel, Unternehmenssprecher von Vestas im September 2021. (Quelle: rbb/Fösch)Vestas-Sprecher Johannes Schiel

Steinbach: Brauchen mehr Zeit für Investorensuche

"Hätten wir die Entscheidung gefällt, hier in Deutschland weiter zu produzieren, hätten wir uns überlegen müssen, ob wir Produkte auch hier fertigen für Windenergieanlagen, die auch am deutschen Markt gefragt sind", sagte Vestas-Sprecher Johannes Schiel dem rbb. Diese Produktionsumstellung sei nicht wirtschaftlich – auch nicht mit Hilfen des Landes. Der Standort solle aber weiter genutzt werden, betonte Schiel. "Und dafür sind wir bereit für Gespräche mit potentiellen Nachnutzern, werden da natürlich den Bürgermeister und den Minister - also die Landesregierung – unterstützen."

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) forderte am Dienstag mehr Zeit, um eine Perspektive für das Vestas-Werk zu finden. Man benötige mindestens Zeit bis Ende März, um einen Ersatz-Investor zu finden, sagte Steinbach im rbb-Inforadio. Es gebe eine Reihe von möglichen Investoren, die das Werk und einen Teil der Beschäftigten übernehmen könnten.

Für die Beschäftigten suche er gemeinsam mit der Geschäftsführung von Vestas, dem Betriebsrat, dem Bürgermeister von Lauchhammer und weiteren Beteiligten nach Perspektiven, hatte Steinbach zuvor erklärt. Er habe nochmals deutlich gemacht, dass er die so plötzliche Standortschließung nicht nachvollziehen könne.

Baerbock gibt Bundesregierung Mitschuld

Nach Ansicht von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die im Brandenburger Wahlkreis 61 kandidiert, trägt die Bundesregierung eine Mitschuld am Vestas-Rückzug. Wegen des mangelnden Windkraft-Ausbaus hierzulande habe das Unternehmen zunehmend für die Boom-Märkte in Asien und Amerika produziert, sagte Baerbock der "Lausitzer Rundschau" und der Deutschen Presse-Agentur. "Dies ist die Folge der verfehlten Energiepolitik der Großen Koalition auf Bundesebene. Während die Bundesregierung um jeden Arbeitsplatz in der Kohle kämpft, nimmt sie den Verlust von Arbeitsplätzen bei den Erneuerbaren achselzuckend hin."

Auch mit Regeln zu Abständen zur Wohnbebauung und bürokratischen Hemmnissen hätten Union und SPD den Windkraftausbau einbrechen lassen, beklagte die Grünen-Chefin. "Allein in der Windkraft sind 40.000 Arbeitsplätze vernichtet worden - das sind mehr als doppelt so
viele Menschen, wie insgesamt in der Kohle arbeiten." Sie wolle deshalb in der Bundesregierung den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorantreiben. "Nur so schaffen wir Arbeitsplätze in der vom Strukturwandel betroffenen Lausitz."

Sendung: Brandenburg aktuell, 21.09.2021, 19:30 Uhr

64 Kommentare

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  1. 64.

    Einfach ihren Artikel selber lesen, da schrieben sie selber "ökologischen Gesichtspunkte" und " 20 % Förderquote ist in der EU".

  2. 62.

    Bei Ihren ganzen gemeckere dachte ich aber auch dass Sie gehen E-Autos sind. Sie sollten auch nicht behauten Tesla baue in der Lausitz und wir sind dagegen.

  3. 61.

    Ich habe nix dergleichen angesprochen ? Welchen Kommentar meinen Sie?

    Was für eine Mittelverschwendung? Manchmal zweifle ich an ihrer Lesekompetenz..

  4. 60.

    Mich interessiert was es pro Monat kostet. Wenn jemand im 3 Personen Haushalt 5500 kWh verbraucht ist Strom offenbar zu billig.

    Außerhalb der Stadt über mehrere Zonengrenzen hinweg ist ÖPNV schweineteuer, da hilft auch 60 Euro pro Monat vom AG nix.
    Da bin ich mit dem älteren Kleinwagen besser bedient. Klar gucken manchmal meine nebenberuflichen Auftraggeber, ich sag dann immer,"Sonst wäre ich noch viel teurer", gut das ist eben Deutschland Auto= Statussymbol...

  5. 59.

    Jedem außer ihnen ist doch klar, dass der Preis pro Kilowattstunde gemeint ist und deshalb liegen Sie eben wieder falsch.
    Aber Sie meinen ja auch Auto sei billiger als ÖPNV.

  6. 58.

    Sie sprechen da einen wichtige Punk an. Der ganze Hype mit den E-Autos kommt von den Grünen Autohassern und ist leider dem Klimaschutz wegen der Mittelverschwendung sogar abträglich.

  7. 57.

    Erstens: haben Sie meinen ersten Beitrag gelesen in dem ich selbst darauf eingehe, dass die Entfernung für dauerhaft in Lauchhammer leben und Grünheide arbeiten wohl etwas weit wäre. Auch unter ökologischen Gesichtspunkten.

    Zweitens: bitte genauer ausführen. In der Lausitz ist doch auch Wasser rar. Auch ist mir kein freies großes Industriegebiet bekannt. Natürlich weiß ich dass der ein oder andere Gewerbepark freie Flächen hat (teilweise wurde da jetzt schon angefangen mit PV aufzufüllen), aber das bringt leider nichts für ein Automobilwerk.

    Drittens: Die Förderung hätte er überall bekommen. 20 % Förderquote ist in der EU erlaubt und recht normal. Für die IPCEIs gelten besondere Regeln, dass theoretisch auch über 20% gefördert werden kann. (Intel und die anderen Chipfertiger fordern immer mindestens 30%)

  8. 56.

    Was hat das mit technischem Wissen zu tun? Dass mir bewusst ist, dass Strom wertvoll ist und ich persönlich auf Energieeffizienz setze? Ich verbrauche im Haus mit 3 köpfiger Familie 1500 kWh Strom. Mir ist ziemlich egal wenn der Strom 50 Cent kosten würde....

    Strom muss einen Wert haben, damit die BürgerInnen vernünftig damit umgehen. Wie oft sehe ich jetzt Häuser von Leuten, die die ganze Nacht hell erleuchtet sind. Da scheint Strom noch viel zu billig.....

    PS: Auch Autofahren MUSS kosten. Zumindest müsste ÖPNV günstiger sein als Autofahren, ob jetzt das eine zu teuer oder das andere zu günstig ist darüber kann man reden.

  9. 54.

    Der "Glücksfall"-stets ausreichend Grünstrom für alle E-Autos in Deutschland wird aber nicht eintreten. Wir werden "Fremdstrom" aus Atomkraftwerken anderer Länder zukaufen müssen. Es kann aber nicht sein, dass der dann subventioniert wird und die Haushalte Hochpreise zahlen müssen. Das wird noch viel Ärger geben.

  10. 53.

    Sehr geehrter Herr Dominik,
    ich weiß nicht wie alt Sie sind aber vermutlich sind Sie ein Wende bzw. Nachwendekind. Lauchhammer hatte mal Großindustrie und damit meine ich nicht nur die Brikettfabriken und die stinkende Kokerei. Hier wurden Großbaugeräte und Ersatzteile dafür hergestellt. In der Lausitz hat sich BASF angesiedelt und aus den Tagebaurestlöchern wurden gut angenommene Touristische Bereiche entwickelt und das bereits lange vor der Wende. Die FH in Senftenberg, jetzt BTU hatte einen ausgezeichneten ruf im Bereich Maschinenbau und Elektrotechnik...
    Die Braunkohle wurde nach der Wende zunichte gemacht, da sie eine günstigere Variante zur Steinkohle war... Die Brikettfabriken wurden für die obligatorische D-Mark verkauft und danach verlohren hier in der Region Lausitz ca. 80.000 Menschen ihre Arbeit...

  11. 52.

    Ersten Grünheide ist ca eineinhalb Stunden von der Lausitz entfernt... Zweitens gab es hier in der Lausitz ebenfalls große Werbung und Angebote an Herrn "Tesla" und drittens ohne die Millionenförderungen des Landes Brandenburg wäre der Visionär auch nicht nach Brandenburg gekommen. Herr Musk ist Multimilliardär... Sagt er zumindest... Warum braucht er dann Millionen von deutschen Fördergeldern... Sein Hauptsitz bleibt womöglich ebenfall in den Staaten, wodurch er die Gewerbesteuer auf den Gewinn mit Sicherheit nicht in Grünheide abführen wird... Ergo es wird immer heißer gekocht als gegessen...

  12. 51.

    Frankreichs Atomindustrie ist praktisch ein nationales Heiligtum. Alle Atommächte (die mit diesen Scheiß Atombomben - irre wenn menschliche Schaffenskraft für so nen scheiß verwendet wird) werden an Atomkraft festhalten, weil man die Atomindustrie zur Aufrechterhaltung der Atombombenindustrie braucht. Ist mir auch egal ob Frankreich Atomkraftwerke hat, solange die Schrottmeiler an der deutschen Grenze endlich stillgelegt werden. Sollen die doch 20 AKW um Paris bauen!

    Der polnische Traum von Großmachtgefühlen, wie sie jede rechtsgerichtete Regierung oft pflegt phantasiert sich was von AKWs in Polen zusammen. Ein russisches AKW werden Sie in Polen aber wohl nie erleben, ja nicht einmal in der EU weil diese Meiler oft wegen Mängeln/Weglassen bei Sicherheitstechnik niemals genehmigungsfähig sind. Zusätzlich mal überlegt, wie Polen zu Russland steht? da werden die garantiert keine AKW in Russland shoppen gehen.
    Außerdem ist es noch ein seeeehr laaaaaanger Weg bis Polen ein AKW hätte...

  13. 50.

    Also richtige Großindustrie ist schon selten in Brandenburg, mir fallen nur 2 Standorte von Einzelunternehmen ein plus 3 Industriekonglomerate. Tesla dürfte recht schnell was die Anzahl der Arbeitskräfte angeht alle diese dreckigen Schwerindustriestandorte mit vergleichsweise geringen Umwelteinflüssen übertreffen. Also ja, Tesla ist ein außergewöhnlicher Glücksfall, weil Musk manchmal nicht ganz rational vorgeht und Berlin geil findet. Wenn man ehrlich ist spricht für einen Automobilstandort in Brandenburg wirklich nicht viel.

  14. 49.

    Herr Biologe, überschlagen sie sich bitte nicht. Wann schaltet Frankreich seine Kernkraftwerke ab ? Haben die schon ein Endlager ausgemacht? Wie viele WKA stehen mit welcher Leistung in Frankreich wo ? Wann baut Polen das angefangene KKW sowjetischer Bauart weiter ? Welch Strom "tanken" demnächst die vielen E-Autos ? Antworten sie mal sachlich.

  15. 47.

    Fassen wir zusammen Industrie und Investoren sind bei ihnen einzig nur Tesla und Grünheide ist in der Lausitz.

  16. 46.

    Da Meuthen gerade mal wieder im TV neue AKW forderte bin ich für neue Atomkraftwerke in der Lausitz. Am besten direkt bei Cottbus, Ersatzneubau für Jänschwalde, in Betrieb frühesten 2035. Wer A sagt (AFD wählen) muss auch B wollen (AKW in der Nachbarschaft).

    Ist im übrigen wie bei Herrn (Un)Sinn, wenn ein Wirtschaftsprofessor eben sein Gebiet verlässt.....Meuthen faselt von AKW der neuesten Generation, verschweigt aber, dass es diese noch gar nicht gibt außer KONZEPTIDEEN. Aktuell das modernste ist EPR....mit mäßigem Erfolg.....

    PS: Ich wäre nicht einmal dagegen nur die dutzende Milliarden in die Forschung können auch andere ausgeben. Wir können immer noch bestellen (in frühestens 20 Jahren) wenn es funktionieren sollte, dann gibts Festpreis!

  17. 45.

    Warum sind Sie dann nicht in der Lage auf die Fragestellung des users Lausitzer zu antworten?

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