Fachtagung in Schipkau - Energieminister fordert mehr Hilfe vom Bund für Wasserstoffwirtschaft

Wasserstoffauto tankt an einer H2 Wasserstofftankstelle (Bild: picture alliance / Rupert Oberhäuser)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.09.2021 | Arne Sprung | Bild: picture alliance / Rupert Oberhäuser

Der Lausitzring schwingt sich zu einem Treffpunkt für zukunftsweisende Technologien auf. Auf dem Areal, wo schon jetzt autonomes Fahren getestet wird, hat sich nun eine Fachtagung mit Wasserstoff beschäftigt. Er gilt als Energieträger der Zukunft.

Brandenburgs Energieminister Jörg Steinbach (SPD) fordert, dass der Bund den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft stärker unterstützt. Wasserstoff mache es möglich, die Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie zu verknüpfen.

Organisator Jens Krause spricht auf der Fachtagung Wasserstoff in Schipkau (Foto: rbb/Harasim)
Organisator Jens Krause spricht auf der Fachtagung | Bild: rbb/Harasim

Das sei unerlässlich für den Erfolg der Energiewende und mehr Klimaschutz, erklärte Steinbach am Dienstag bei der Tagung des Wasserstoffnetzwerks "Lausitz DurcH2atmen" und der Industrie- und Handelskammer Cottbus in Schipkau (Oberspreewald-Lausitz). Zu der Konferenz sind rund 150 Teilnehmer aus ganz Deutschland gekommen.

Chancen für Brandenburg

Eines der Hauptprobleme für Projekte zur Sektorenkopplung ist laut Steinbach die fehlende Wirtschaftlichkeit von Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Dieser müsse am Markt mit "grauem" Wasserstoff konkurrieren. Gemeint ist damit die Gewinnung von Energie aus fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Kohle.

Abhilfe könne eine grundlegende Reform der Steuern, Abgaben und Umlagen bringen, so der Energieminister.

Der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft biete große industriepolitische Chancen für Brandenburg, sagte Steinbach. Ziel sei es, Industrie- und Erzeugungsstandorte an das künftige europäische Wasserstoffnetz anzuschließen.

Erste Wasserstoff-Projekte in Brandenburg

Steinbach geht davon aus, dass die Herstellung von Wasserstoff aus Strom durch Wind und Sonne in rund sieben oder acht Jahren in der Lausitz Realität sein wird, sagte er vor dem Start der Konferenz in Schipkau dem rbb. In den nächsten zwei bis drei Jahren werde es erste Pilotprojekte geben, von denen "ein Multiplikationseffekt, ein Dominoeffekt ausgehen" werde, so Steinbach.

Konkrete Wasserstoff-Projekte gibt es in Brandenburg schon. Zum Beispiel soll in Schwarze Pumpe (Oberspreewald-Lausitz) ein Kraftwerk auf Wasserstoffbasis entstehen. Ende 2019 war der Startschuss für das "Referenzkraftwerk Lausitz" gefallen.

Ab 2024 sollen sechs neue brennstoffzellenbetriebene Züge der Niederbarnimer Eisenbahn auf den Schienen unterwegs sein. In Cottbus ist geplant, dass ein Teil der Fahrzeugflotte des Verkehrsunternehmens Cottbusverkehr künftig mit Wasserstoff fährt.

Die Technologie stecke nicht mehr in den Kinderschuhen, sagte der Chef des Unternehmens Ralf Thalmann dem rbb am Rande der Fachtagung am Dienstag.

"Meine Vision ist, dass der Schüler, der morgens in seinem Bus mit Wasserstoff sitzt, seinen Eltern davon erzählt - `Mensch Papa, der Bus hatte gar keinen Motor`". Dann habe man erreicht, dass das Thema in der Bevölkerung angekommen ist, sagt Thalmann. Aus seiner Sicht könnte Wasserstoff die Kohle als Gold der Lausitz ablösen und Arbeitsplätze schaffen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.09.2021, 14:00 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Also wenn der Chef eines Technologieunternehmens solche Visionen hat, sollte er vielleicht dem Hinweis von Altkanzler Schmidt folgen und zum Arzt gehen.
    Gerade Schüler sollten auch in der Zukunft wissen, dass ohne Motor kein Antrieb über Räder funktionieren wird.
    Ja auch der Elektromotor ist ein Motor und die Brennstoffzelle erzeugt keine mechanische Energie.
    Wenn die Schüler sowas wie der Herr sich vorstellt erzählen, haben wir die endgültige Verblödung erreicht.

  2. 1.

    Was nicht gefällt: Brandenburger Politiker fordern..., d.h. immer, Andere sollen zahlen... und das Schlimmste: "grundlegende Reform der Steuern, Abgaben und Umlagen" bedeutet: Es wird teurer - wirklich immer, bei ganz bestimmten politischen Farben.

    Andererseits mehren sich die Stimmen, und werden verhalten lauter, dass man (grünen) Wasserstoff auch wirtschaftlicher direkt verbrennen Kann. Dann konkurriert man gegen den Diesel (und "linksgrün*innen" Moral)- das wird schwer, aber eine tolle Aufgabe für leistungswillige gebildete Ingenieure...die keine Zeit verlieren um auf "Brandenburger Tore" zu klettern.

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