Gestiegene Preise bei Gas, Öl und Strom - IHK Cottbus rechnet mit Entspannung bei Energiepreisen erst im Frühjahr

Mi 27.10.21 | 17:18 Uhr
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Eine Zapfsäule zeigt an, wieviel getankt wurde (Foto: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 27.10.21 | Josefine Jahn | Bild: rbb

Gas, Öl und Strom sind teurer geworden - und die Preise werden laut IHK Cottbus noch den ganzen Winter auf hohem Niveau bleiben. Das bekommen vor allem auch Logistikunternehmen zu spüren. Die IHK fordert nun Hilfe von der Politik.

Die Energiepreise in Deutschland sind aktuell hoch - und sie werden es auch noch bis zum Beginn des Jahres 2022 bleiben. Davon geht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus aus.

"Erwartet wird, dass die Energiepreise über den Winter auf einem hohen Niveau bleiben - Gas, Strom, Öl und Kohle - aber auch an der Zapfsäule", sagte der Energiereferent der IHK, Michael Rusch, dem rbb am Mittwoch. Die Kammer gehe davon aus, dass sich die Preise im Frühjahr "möglicherweise" entspannen.

Michael Rusch von der IHK Cottbus (Foto: rbb)
Michael Rusch von der IHK Cottbus | Bild: rbb

Bei den Kraftstoffpreisen zeigt die Entwicklung zurzeit weiter nach oben. Diesel und Super der Sorte E10 wurden in der vergangenen Woche je 0,4 Cent teurer, teilte der ADAC am Mittwoch mit.

Diesel stieg von seinem Allzeithoch weiter und kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Dienstags 1,564 Euro je Liter. Super E10 lag bei 1,675 Euro pro Liter. Das ist der höchste Wert seit mehr als neun Jahren.

Logistiker: 60.000 Euro Mehrkosten pro Monat

Alle Unternehmen haben laut IHK Cottbus mit den steigenden Energiepreisen zu kämpfen. Die Logistikbranche sei ein gutes Beispiel. Sie sei durch die tagesaktuellen Preise sehr stark betroffen.

Logistik-Unternehmer Sebastian Poredda (Foto: rbb)
Logistikunternehmer Sebastian Poredda | Bild: rbb

Von "gravierenden Auswirkungen" spricht Logistikunternehmer Sebastian Poredda aus Cottbus. Er muss zurzeit kräftig draufzahlen, wenn seine 40 LKW an der Zapfsäule stehen. "Wir haben eine Preissteigerung zum Vorjahr von circa 50 Prozent im Dieselkraftstoff." Pro Fahrzeug seien das jede Woche 400 Euro mehr. "Das sind bei uns im Monat Preissteigerungen von bis zu 60.000 Euro."

Kosten an Kunden weiterreichen

Einen Teil der Mehrkosten kann die Firma über die Verträge mit den Kunden ausgleichen. "Die Konsequenz wird sein, dass wir die Preise bei den Kunden anheben müssen", sagt Poredda, "und der Verbaucher das am Ende spüren wird."

Der zahlt auch selbst schon mehr, zum Beispiel an der Zapfsäule oder beim Heizen. Die hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt, die wieder gestiegene Mehrwertsteuer und CO2-Abgaben lassen den Preis für Öl, Strom und Gas steigen.

IHK: Senkung von Steuern und Abgaben möglich

Michael Rusch von der IHK Cottbus richtet konkrete Forderungen an die Politik. Es sollten "die Instrumente aus dem EU-Werkzeugkasten zur Anwendung kommen", sagte er dem rbb. "Das ist die Senkung von Steuern und Abgaben, das hilft insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen, von denen wir in Brandenburg sehr viele haben."

Gerade die Senkung der Mineralölsteuer und der Steuern und Abgaben auf Strom und Gas könnten umgesetzt werden, sagt Rusch. "Das erlauben die EU-Beihilfe-Leitlinien."

Der Cottbuser Logistikunternehmer Sebastian Poredda glaubt nicht daran, dass Steuern gesenkt werden könnten. Und auch bezahlbare Alternativen für seinen Fuhrpark seien für ihn nicht in Sicht. "Wenn man mal überlegt, dass ein Elektro-LKW ungefähr das fünffache kostet, ist das aktuell noch kein Thema."

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.10.2021, 16:10 Uhr

Mit Informationen von Sascha Erler.

6 Kommentare

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  1. 6.

    Nun sind die derzeit hohen Preise aber leider nicht nur in Berlin zu finden. Die Möglichkeit, das die Berliner Politik darauf Einfluss nehmen kann, tendiert, glücklicherweise, gegen Null. Sollte vom Bund eine Steuersenkung kommen, kann ich mir lebhaft vorstellen, das die Konzerne plötzlich und unerwartet stark gestiegene Fixkosten aus der Schublade holen und eine Senkung erneut nur zum Bruchteil beim Verbraucher ankommt. Fällt diese Senkung dann weg, wird die Steigerung voll umgelegt, der zuvor erhöhte Grundpreis aber nicht gesenkt. Hatten wir vor kurzem bei der temporären MwSt-Senkung auch in nicht geringem Umfang. Der Verbaucher merkts ja nicht - ok, selten.

  2. 5.

    Hallo lieber Roman, das Ist doch politisch gewollt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Berlin zu einem autofreien Bullerbü gemacht werden soll. Unerschwingliche Kraftstoffpreise sind erst der Anfang.

  3. 4.

    Um 50 Cent angestiegen im Frühjahr 30 Cent Prweisverfall und wir sind happy obwohl wir mehr zahlen als vorher. So geht Taktik.

  4. 3.

    So kann man keinen Blumenstrauß gewinnen.

    Lieber RBB:

    Ihr habt diese wunderbare Geschichte um die realen Kosten des Autos gebracht. Das war detailliert und umfangreich.

    Wir hatten schon 300 USD das Barrel Erdöl und der Spritpreis war niedriger als heute.

    Könnt ihr nicht mal ausführlich darlegen, welche Unternehmen tatsächlich am Spotmarkt kaufen und welche Unternehmen via langjähriger Verträge beliefert werden?

    Wie hoch ist die reale Teuerung von klassischem Super E10 und wo sind welche Kosten?

    Alle bisherigen Artikel zeigen nichts derartiges auf.

    Und warum liefern der Nahe Osten und die USA gerade fast nur noch nach Asien und nicht nach Europa?

    Was macht das mit den Preisen bei uns?

  5. 2.

    Man könnte ja mal mehr Logistik auf die Schiene bringen. Das spart eine Menge Energie. Dazu müssten wir aber aufhören unser Schienennetz Jahr für Jahr zu verkleinern.

  6. 1.

    IHK Cottbus rechnet mit Entspannung bei Energiepreisen erst im Frühjahr.
    Und in welchem Jahr im Frühjahr wird es denn nun wirklich billiger?

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