Bereits Millionen investiert - Neuer Anlauf für Kupferabbau in der Lausitz

Mo 25.10.21 | 17:29 Uhr | Von Jasmin Schomber und Martin Schneider
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Ein Mitarbeiter reinigt mit einem Lappen Bohrkerne (Archivfoto: dpa/Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.10.2021 | Jasmin Schomber | Archivfoto | Bild: dpa-Zentralbild

130 Millionen Tonnen wertvolles Kupfererz sollen in der Lausitz lagern - doch der Abbau in Spremberg wurde vor Jahren vorerst auf Eis gelegt. Zu unrentabel, hieß es damals. Jetzt sieht es nach einem Neustart aus. Von Jasmin Schomber und Martin Schneider

In Spremberg (Spree-Neiße) wird ein neuer Anlauf genommen, um Kupfer abzubauen. Das Unternehmen Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) hat erneut ein Büro in der Stadt an der Spree bezogen und bereitet momentan das Raumordnungsverfahren vor. Es soll im kommenden Jahr starten, sagte Projektmanager Blas Urioste am Montag dem rbb.

Rund 130 Millionen Tonnen Erz sollen in der Erde zwischen dem Ortsteil Graustein und Schleife (Sachsen) liegen. Daraus könnten durch Verhüttung 1,9 Millionen Tonnen reines Kupfermetall entstehen.

Karte der Lagerstätte in Spremberg aus einer KSL Präsentation (Quelle: GL/MIL Brandenburg)
Karte der Lagerstätte in Spremberg aus einer KSL Präsentation (Quelle: GL/MIL Brandenburg) | Bild: GL/MIL Brandenburg

2014 hatte die Firma das Abbau-Vorhaben gestoppt, weil die Weltmarktpreise für Kupfer stagnierten. Das hat sich seit einiger Zeit geändert. Und es zeigt sich: Es war zwar ruhig geworden um das Kupfer unter der Lausitz, aber so ganz auf Eis gelegen haben die Pläne nicht.

Vorbereitungen im Verborgenen

Gutachten, Gespräche mit Investoren, Treffen mit Behörden - in den vergangenen zwei Jahren sei einiges im Hintergrund passiert, sagt Urioste. "Wir haben jetzt beschlossen, sichtbarer zu werden. Das ist auch ein Schritt der Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens."

Parallel werde die Lagerstätte weiter erkundet, "um zu sehen, ob es mehr Potential gibt". Die KSL ist davon überzeugt, dass sich der Kupferabbau lohnt - nicht allein wegen der Weltmarktpreise, sondern auch, weil sich durch die Pandemie gezeigt habe, wie fragil die Lieferketten seien. Eine Abhängigkeit von Rohstoffen sei schwierig, so der Projektmanager.

Kupfermetall wird unter anderem für die Produktion von Elektrogeräten, Autos und Schmuck gebraucht.

Bereits Millionen investiert

Das Unternehmen KSL ist eine Tochter des internationalen Bergbaukonzerns Minera S. A. Dieser hatte bis zum vorläufigen Stopp des Vorhabens im Jahr 2014 nach eigenen Angaben bereits mehr als 30 Millionen Euro in das Kupferprojekt investiert.

Das war im Jahr 2007 mit Erkundungen gestartet. Ursprünglich sollte ab 2017 Kupfererz abgebaut werden.

Audio: Antenne Brandenburg, 25.10.2021, 15:40 Uhr

Beitrag von Jasmin Schomber und Martin Schneider

16 Kommentare

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  1. 16.

    ach! und nochwas: welche kranke Ordnung gestattet es eigentlich einem privaten Unternehmen, egal mit welchen Auflagen oder u.U. Beteiligungen, die natürlichen Ressourcen eines Landes auszubeuten?

  2. 15.

    Das war bei mir Chemie 7. o. 8.Klasse, glaub ich: ein Katalysator regt zur Reaktion an, nimmt aber selbst nicht an ihr teil. Einfach, oder...?

  3. 14.

    Na der Brandenburger liebt doch Berbau. Da ist Metallgewinnung im Untertagebergbau doch tausendmal besser als Braunkohletagebaue um das Klima anzuheizen.

  4. 13.

    Volle Zustimmung. Deutschland muss versuchen eigene Metalllagerstätten auch zu nutzen. Selbstverständlich unter hohen Umweltstandards.

    Recycling ist wichtig und funktioniert bei Kupfer, Alu und anderen Metallen doch sehr gut. Kupfer wird zu ungefähr 80% schon recycelt. Klar 95% wären noch besser, aber das sind eh nur geschätzte Werte.

    Es braucht eben für die wachsende Weltwirtschaft eine wachsende Kupfermenge.

    Es gibt viel schlimmere Verwendungen für seltene Metalle, zb in Cobalt in Ölraffinerien oder Palladium/Platin in Autokats. Dort verbrauchen sich die Katalysatoren und sind danach verloren, weil diffus in der Umwelt verteilt.

  5. 12.

    Es wird wohl um umweltfreundlicheren Kupferabbau gehen. Giftige Schwermetalle in den nächsten Fluss zu kippen geht hoffentlich nur in Entwicklungs-/Schwellenländern.

    Die Bergleute brauchen doch Arbeit....

  6. 11.

    Super Idee. Kurz abgebaut, Landschaft veschandelt,Umwelt zerstört. Aber wirklich schön das sie sich um Afrika sorgen. Dann können wir als Steuerzahler ja schonmal Geld zurück legen, damit wir dann alle Spätfolgen zahlen können. Und übriges: Recycling ist das einzige was uns hilft. Das bißchen Kupfer wird gar nüscht dauerhaft nutzen. Aber träumen ist ja erlaubt.

  7. 10.

    Sie haben nur bedingt Recht. Aber hart am/im Zechstein zu arbeiten bedeutet auch, Versalzung. Und Probleme mit der Werra waren dann wohl genug oder, meinen Sie nicht? Alles noch mal? Der Clou besteht heute darin, nicht beherrschbare Prozesse mit Innovation oder Vermeidung zu begegnen. Dann ist es eben aus mit dem aller 2 Jahre ein neues Smartphone, in dem dann noch die Akkus fest verbaut sind ??! Das ist Raubbau an unseren natürlichen Grundlagen, damit jetzt/nun konsumiert wird. Nein, ich meine, diese Zeiten müssen vorbei sein. Es gibt schon Wege, Ressourcen zu sparen und=oder zu schonen. Und das Kupfer in einer jetzt für abbauwürdig befundenen Schicht zu heben (das Geld entscheidet!) u.dafür Abraum in Kauf zu nehmen und sich mit Wässern höchster Salzkonzentrationen befassen zu müssen --- die Lausitzer sollten nicht auf die extraktive Industrie setzen. Und noch einmal, striktes Verbot von Sollbruchstellen bei sog. Konsumgütern und striktes Recycling in allen Bereichen

  8. 9.

    Wozu?
    Nur noch auf Basis Recycling.
    Völlig unverständlich, dass die Welt wegen Raffgier umgbuddelt werden muss. Nicht in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.
    Wo seid Ihr, Ihr Friday for Future Kinder?

  9. 8.

    JR, man kann sich für Geschichte interessieren, muss sie aber nicht wiederholen, wenn sie nicht oder nicht mehr passt. Ich mag z.B. Dampfloks und bin dennoch froh, dass sie heute nur noch nostalgisch eingesetzt werden. Und auch viele, die als Heizer oder Lokführer darauf geschuftet haben waren überglücklich, als diese harten Zeiten vorbei waren. Dito all die Anwohner, die nicht länger dem allzu üblen Qualm ausgesetzt waren. -- Jeder, der einen Haushalt führt weiss, dass man nur so viel ausgeben darf wie wieder reinkommt. Das gilt auch für Rohstoffe. Maximales Recycling ist also keine Option - es ist ein Muss! Wenn wir unseren Bedarf nach Rohstoffen nicht nachhaltig decken können, müssen wir ihn runterfahren. So einfach ist das. Andernfalls stehen Kinder und Enkel bald vor dem Nichts. Dass wir heute viel zu viel haben, werden Bergleute, Heizer und alle anderen Menschen früherer Generationen bestätigen. Breite Verschwendung ist eine neue, aber absolut keine erhaltenswerte Tradition.

  10. 7.

    Der Kupferschieferbergbau hat auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands eine 800-jährige Tradition und ehemals eine sehr hohe Bedeutung (Mansfeld-Sangerhäuser Revier, Sontra). Wer sich dafür wirklich interessiert und sich damit auseinandersetzen will, ohne hier nur wieder die übliche Polemik zu verbreiten, dem empfehle ich dringend den Besuch des Besucherbergwerkes Wettelrode bei Sangerhausen. Es ist natürlich immer einfacher, unter dem grünen Deckmantel in Deutschland alles zu verhindern, auch speziell im Erzbergbau (ja, es gibt auch bei uns noch bedeutende, heute wieder interessant gewordene Erzvorkommen z.B. im Erzgebirge, wie Zinn, Wolfram und auch Lithium…) und lieber diese Rohstoffe unter unmenschlichen Arbeits- und Umweltbedingungen aus Ländern der sogenannten Dritten Welt (z.B. Kongo, Sambia etc.) zu importieren. Recycling allein wird zudem den weiter stark steigenden Weltbedarf nicht decken können.

  11. 6.

    Au weia, gaaanz schlechte Laune am Deutschen Eck. Wenn Sie meinen Kommentar nochmal lesen, fällt Ihnen evtl auf, dass ich von UNSERER Rohstoffgier geschrieben habe - was mich also einschliesst. Statt mich unnötig bzgl meines Lebens und Ablebens zu belehren, informieren Sie sich, mich und UNS doch z.B. mal darüber, warum laut Dominik in Deutschland bisher - schon oder nur - 50% Recyclingkupfer verwendet werden. Vielen Dank vorab!

  12. 5.

    Tolle Idee, die Spree ist in diesem Abschnitt schon so gut wie tot, da fällt das bisschen Gift welches durch den Abbau entstehen wird wirklich kaum noch ins Gewicht. Der Spreewald wird schon alles wieder filtern und wenn nicht, dann wird der auch zum Kollateralschaden .

  13. 4.

    Von wegen Rohstoffgier - was lamentieren Sie da. Sie gehören doch auch zu denjenigen, die ohne Rohstoffe nicht existieren können. Das gilt von der Wiege bis zur Bahre. Und danach werden sie entweder verbrannt oder eingebuddelt. Auch das geht ohne Geräte und Anlagen aus Rohstoffen nicht.

  14. 3.

    Womit Industrie so alles Geld verdienen will. Das Kupfer befindet sich in großen Tiefen flankiert von einer Formation des Zechsteins. Ehe man an den Aubbau denkt, sollten sämtliche hydrologischen Probleme vollständig geklärt werden. Erst, wenn erwiesen ist, dass der Förderer das beherrscht und auch bezahlt(!) würde ich eine Verhandlungsbasis sehen. Das nunmehr eingegrenzte Fördererwartungsgebiet ist bereits durch den Abbau der Braunkohle stark in Mitleidenschaft gezogen worden, nicht nur Naturwerte u. Landschaften wurden beeinträchtigt, sondern auch die Siedlungen, Verkehrsverbindungen umverlegt u. das Leben der dort Wohnenden.Die Bürger sollten sich das nicht bieten lassen, sondern Fragen stellen. Ein Fall für FFF!!! Wir haben wirklich andere Möglichkeiten; Rohstoffe wiederzugewinnen: Konsequenter Aufbau und einwandfreie Funktion eines Systems des Recyclings, was damit beginnt, dass sämtliche E-Klein- und Großgeräte problemlos zurückgenommen werden bzw. eine Reparatur ermöglicht wird

  15. 2.

    Kupfer wird doch hervorragend recycelt. Rund 50 % des "neuen" Kupfers sind in DE recyceltes Altkupfer.

    Die Förderung in der Lausitz fände ich gut. Wäre doch die viel sinnvollere Aufgabe für Bergleute, Metalle zu fördern, als fossile Bremnstoffe zu fördern und zu verbrennen um den menschengemachten Klimawandel anzuheizen.

  16. 1.

    Immerhin positiv, dass wir als reiche westliche Welt die negativen Folgen unserer unfassbaren Rohstoffgier nicht mehr nur auf die sogenannte 3. Welt abschieben. Dennoch fürchte ich, dass mittlerweile riesige Mengen Kupfer auf irgendwelchen Halden rumgammeln - weil auch im 21. Jahr des 21. Jahrhunderts auch für dieses Metall noch längst keine geschlossenen Stoffkreisläufe existieren. Mal sehen, was Fortschritt und ungebremstes Wachstum den Lausitzern diesmal bescheren. Immerhin Besser als etwa den Peruanern wird's ihnen vermutlich gehen; s. z.B.:
    https://www.deutschlandfunk.de/rohstoffe-umstrittener-kupferabbau-in-peru.697.de.html?dram:article_id=290688

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