Calau (Oberspreewald-Lausitz) - Wenn die Ackerfläche zum Solarfeld umfunktioniert werden soll

Sa 23.10.21 | 12:07 Uhr | Von Marie-Therese Harasim und Daniel Friedrich
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Robert Häußler steht auf seinem Feld, wo eine Solaranlage entstehen soll (Quelle: rbb)
Video: rbb|24 | 23.10.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb

Photovoltaik ist für die Energiewende unumgänglich. Es gibt immer mehr Anlagen - und immer mehr Streit. Für Landwirte, Kommunen und Investoren ist die Lage unbefriedigend, wie ein Beispiel aus Calau zeigt. Von M.-T. Harasim und D. Friedrich

Robert Häußler kniet in einem kleinen Wäldchen am Rande eines Feldes, das mit einem roten Elektrozaun abgesperrt ist. Um ihn herum gackern mehr als 300 braune Hennen. Die Hennen sind der neueste Geschäftszweig des 43 Jahre alten Landwirts und seiner Frau.

Gemeinsam leiten sie den Landwirtschaftsbetrieb Zinnitz-Groß Jehser bei Calau (Oberspreewald-Lausitz). Vor elf Jahren haben sie den Hof mit 20 Mitarbeitern und Flächen übernommen. Kühe und Landwirtschaft waren immer ihre Haupteinnahmequellen. Aber durch Dürren und Milchkrisen breche regelmäßig der Umsatz ein, erzählt Robert Häußler: "Die Unsicherheit ist so groß, dass meine Hoffnung fast erloschen ist."

Auf der Ackerfläche bei Calau aoll eine Solaranlage entstehen (Quelle: rbb)
Auf diesem Feld soll die Solaranlage entstehen | Bild: rbb

Photovoltaik, um die Kasse aufzufüllen

Deshalb hat sich Häußler etwas Neues überlegt: Auf einigen seiner landwirtschaftlichen Flächen will er Photovoltaikanlagen aufstellen und so seine klammen Kassen auffüllen. Aber das kann er nicht allein entscheiden: Die Hoheit liegt bei den Kommunen - im Falle Robert Häußlers der Stadt Calau. Sie entscheidet, ob er seine Flächen für Photovoltaik nutzen darf.

Robert Häußler ist nicht der einzige Landwirt, der seine Flächen statt mit Nutzpflanzen mit erneuerbaren Energien bebauen will: Laut Thomas Göbel, dem Vorsitzenden des Südbrandenburger Bauernverbandes, wird die Sonnenenergie zunehmend attraktiver für Brandenburgs Landwirte, die mit den trockenen Böden zu kämpfen haben.

Etwa 60 Investoren in Brandenburg aktiv

Das Angebot an Firmen, die in Solarenergie investieren wollen, ist groß: Jeden Tag klingelt bei Landwirten wie Robert Häußler das Telefon. Das stelle die Bauern vor Herausforderungen, sagt Thomas Göbel: "Es ist schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Manchmal muss man schon sagen: Ich habe genug und ich lasse gar keinen mehr ran."

Mindestens 60 verschiedene Investoren für Photovoltaikanlagen sind nach Auskunft des Energieministeriums derzeit in Brandenburg aktiv, unter ihnen europaweit agierende Konzerne. Das Land mit seinen ausgedehnten Feldern ist für sie besonders attraktiv. Dafür bieten die Firmen den Landwirten laut einer Recherche von "Correctiv" nicht selten Beträge von etwa 2.000 Euro pro Hektar, mehr als zehnmal so viel wie die Landwirte selbst für die teilweise gepachteten Flächen zahlen.

Photovoltaik anstatt Luzerne

Am Rande eines Ackers hat sich Robert Häußler mit Guido Ingwer getroffen. Die grüne Luzerne, die hier wächst, sei eine anspruchslose Pflanze, sagt Häußler, aber auch sie wachse hier kaum. Daher eigne sich diese Fläche für Photovoltaik (PV). Es ist nur ein Teil der rund 250 Hektar, die er für Sonnenenergie nutzen möchte. Helfen soll ihm Guido Ingwer, Projektleiter bei der Firma Wattner. Sie stellt die Solarmodule auf und betreibt sie - mit dem eingespeisten Strom verdient sie Geld.

Auf den Flächen von Robert Häußler sollen sogenannte Biodiversitäts-PV entstehen, mit viel Platz zwischen den einzelnen Modulen, erklärt Guido Ingwer. Darunter sollen Schafe weiden. Laut dem Fachmann aus der Solarbranche Guido Ingwer schade die Biodiversitäts-PV der Umwelt nicht.

83 solcher Solarparks betreibt die Firma in Deutschland. Doch nicht nur für sie soll sich das Geschäft rechnen. Auch die Kommunen, auf deren Gebiet die Anlagen stehen, könnten finanziell über Gewerbesteuer oder die im im EEG-Gesetz ermöglichte regelmäßige kommunale Teilhabe profitieren. Im Fall von Calau könnte das laut Wattner bis zu einer Viertelmillion Euro pro Jahr sein.

Calauer Bürgermeister skeptisch

Werner Suchner (paprteilos), der Bürgermeister von Calau, ist sich nach eigenen Angaben unsicher, ob hier wirklich Geld ankommen wird. Schon einmal sei den Kommunen viel Geld versprochen worden: bei der Windenergie. Aber: "Was wir da wirklich eingenommen haben, ist enttäuschend", sagt Suchner.

Um sicherzugehen, dass diesmal Geld eingenommen wird, will die Stadt Calau in einem Vertrag mit dem Unternehmen Wattner die regelmäßige finanzielle Beteiligung festhalten. Allerding fehlt die Manpower, um es mit einem der Großen auf dem deutschen Photovoltaikmarkt aufzunehmen. Vom Land gibt es keine juristische Hilfe und das Geld für einen Anwalt auf Wattner-Niveau hat die Stadt auch nicht.

Irma Kühn-Grefte (Quelle: rbb)
Irma Kühn-Grefte wohnt in Groß Jehser bei Calau. Die geplante Solaranlage soll bis an den Ortsrand reichen und so den Blick auf die Kirche und den slawischen Burgwall verdecken | Bild: rbb

Widerstand unter den Bewohnern

In Groß Jehser - einem Ortsteil von Calau - regt sich indes Widerstand. Irma Kühn-Grefte führt die kritischen Stimmen an. Die gebürtige Niederländerin lebt seit elf Jahren in Groß Jehser, vor allem wegen der unverbauten Landschaft, wie sie sagt. Sie mag den Blick von Weitem auf den Kirchturm und das Denkmal der Slawenburg davor. Durch die drei Meter hohen Solaranlagen würde diese Sicht völlig verstellt werden.

Viel zu groß sei die geplante Anlage, sagt die 66-Jährige, und viel zu nah an den Wohnhäusern. Doch wie nah an einem Dorf PV-Anlagen errichtet werden dürfen, ist nirgends verbindlich festgelegt. Auch nicht, ab welcher Bodenqualität ein Solarpark sinnvoll ist. Über jeden Fall muss die Stadt entscheiden - und die komme nicht mehr hinterher, sagt Bürgermeister Werner Suchner.

Er fühlt sich auch vom Land im Stich gelassen. "Wirkliche Hilfe gibt's eigentlich nicht, es gibt die vorläufige Handlungsempfehlung. Wenn ich mich das erste Mal damit beschäftige, sind das sicherlich ein paar Dinge, über die ich mir Gedanken machen sollte, aber es ist keine Hilfe im Tagesgeschäft." Es fehlt ein roter Faden, eine politische Entscheidung, die den Kommunen sagt, wie viel Solarenergie für die Energiewende notwendig ist.

Calau will eigene Richtlinie beschließen

Das Land verweist auf rbb-Nachfrage - neben der Handlungsempfehlung - noch auf eine Beratungsstelle, die es im Wirtschaftsministerium gibt: "Uns sind keine Anzeichen bekannt, dass die Kapazitäten der Beratungsstelle für Erneuerbare Energien bei der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) nicht ausreichen würden, um die Anfragen von Kommunen, interessierten Unternehmen und Privatpersonen zu bearbeiten. Insofern sehen wir derzeit keinen Anlass, die Angebote auszuweiten", teilt das Ministerium mit.

Doch die Beratungsstelle richte sich vor allem an Unternehmen, sagt Suchner. Die Stadt will deshalb noch in diesem Jahr ihre eigene Richtlinie zu Solarparks beschließen, damit künftige Entscheidungen einheitlich ausfallen.

Bis dahin bleibt die Situation für ihn unbefriedigend. Ebenso, wie für die anderen Beteiligten: Landwirt Robert Häußler und Projektentwickler Guido Ingwer hoffen auf das positive Votum der Stadtverordneten. Und viele Anwohner von Groß Jehser hoffen, dass der Solarpark doch nicht kommt, zumindest nicht vor ihrer Haustür.

Sendung: Brandenburg aktuell, 23.10.2021, 19:30 Uhr

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Beitrag von Marie-Therese Harasim und Daniel Friedrich

78 Kommentare

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  1. 78.

    Nee, nicht wegen Auto sondern Politikern die seit 40 Jahren wissen was kommt , der Fossillobby in den Hintern gekrochen sind und nun langsam merken das es immer teurer wird nicht zu handeln.

  2. 77.

    Verfassen Sie doch lieber einen Beitrag zum Thema, anstatt andere Leute zu beleidigen und in die rechte Ecke zu Stellen. Übrigens, das Gefasel vom Klimawandel jeden Tag nervt schon lange. Deutschland wird das Klima nicht beeinflussen, ob es Ihnen passt oder nicht!

  3. 75.

    Nee, nicht wegen Auto sondern Politikern die seit 40 Jahren wissen was kommt , der Fossillobby in den Hintern gekrochen sind und nun langsam merken das es immer teurer wird nicht zu handeln.

  4. 74.

    Heizungsunterstützung mit Solarthermie sollte Standard sein, hab ich ja auch. Sie schreiben es aber anders, wenn 3 Tage keine Sonne scheint geht die Gastherme an, dass geht nur mit entsprechender Firma mit riesen Speicher zu vermeiden. Ich bezweifle, dass bei Ihnen im Keller soviel Platz ist. Besagte Firma baut Haushohe!! Speicher in die Häuser. Kann man unter "Aktivsonnenhaus " ergoogeln. Zusätzlich muss das Baufeld auch geeignet sein von der Ausrichtung und der B-Plan diese ungewöhnliche Bauform zulassen.

  5. 72.

    Sie Nerven mit ihren Kommentaren
    Kein einziger hackt soviel auf andere Foristen herum als sie ,nur weil andere halt nicht ihrer Meinung sind
    Meine Meinung teilen auch bei weitem nicht alle hier ,
    Ich nehme es aber ausser ihnen niemanden übel
    Wenn sie keine Kritik vertragen können ,dan lassen sie halt sein
    Dan kann man hier wenigstens Sachlich Diskutieren ,und niemand wird Persönlich
    Sie sind ein grosser Selbstdarsteller

  6. 71.

    Ihr rückwärts (um nicht zu sagen rechts angehauchtes) Gefasel nervt langsam.
    Das Problem heißt Klimawandel, Fischfangquote Ostsee zusammengestrichen, Fischer verlieren ihren Job. Ursache die See wird immer wärmer weil einige Menschen zu doof sind zu begreifen wie groß das Problem ist.

  7. 70.

    Jeder namhafte Heizungshersteller hat ST mittlerweile im Angebot.
    Ehrlich ... wenn die Ästhetik beim Umweltschutz die erste Geige spielen muss, wäre man kein Deut besser wie die "NIMBY-Pseudobefürworter" der Windkraftanlagen. Effektiv funktionieren muss es. Wenn es dann nebenbei nicht groß auffällt, ist es schön aber nicht zwingend.

  8. 69.

    Als Techniker haben Sie es offensichtlich nicht so mit der Natur. Die rächt sich gerade für die riesigen Kiefern- und Fichtenmonokulturen. Verfolgen Sie die aktuellen Nachrichten nicht?

  9. 68.

    Der Landwirt muss wegen einer persönlichen Befindlichkeit einer Frau, das machen was sie will? Die Autobahn stört der Frau aber nicht oder warum ist diese nicht schon weg?
    Also bis jetzt ist mir nicht bekannt, das Solarpanels Lärm erzeugen oder andere störende Sachen. Aber manche Leute finden immer etwas zum meckern.

  10. 67.

    Ok Sie haben ja auch andere Dinge gepostet. Informieren Sie sich ruhig mehr über Batteriezellen am besten über LFP (Lithiumeisenphosphat), dann werden Sie sehen, dass Sie heute schon unbesorgt ein solches EAuto kaufen können und etwas gutes für die Umwelt tun (Sofern Sie viel fahren müssen).

    Diese ewigen unwissenden Stammtischangriffe nerven einfach. Einer prominenten Politikerin wird ja wahrscheinlich für immer in gewissen Szenen ein Versprecher mit 1 vertauschten Vokal vorgeworfen.

    Lithium ist ein häufiges Leichtmetall welches vergleichsweise schonend gewonnen wird. Und Cobalt wird vor allem in der Ölindustrie verbraucht (ohne Möglichkeit des Recyclings)

  11. 66.

    Ach so, alle, die nicht mit Dominiks Meinung übereinstimmen, sind blau-braun? Sehr gewagte Behauptung. Aber man braucht ja keine Konsequenzen befürchten.

  12. 65.

    "Diese Aussage, sagt schon alles.
    Kohle und Atomstrom ist für Sie dasselbe?
    Mal etwas schlau machen, die 70er - 80er Jahre sind vorbei!!!"

    Wer wurde da als erstes "persönlich"? Sie legen mir etwas in den Mund um mich darauf hinzuweisen ich solle mich "etwas schlau machen". Ich bin mir sicher, ich war schon in mehr Kraftwerken als Sie....

    Großkraftwerke funktionieren praktisch immer gleich, nur der Brennstoff ist ein anderer. Bei Gaskraftwerken gibt es noch Besonderheiten.

  13. 64.

    Das Sie in Dresden nur mit Strom getriebenen Fahrzeugen bzw. Den öffentlichen Nahverkehr nutzen sollte doch bei Ihnen selbstverständlich sein. Es gibt aber Menschen in der ländlichen Region, die es nicht können. Sie sind ja ein ganz schlauer, zu jedem Brandenburger Thema haben sie mehrere Kommentare, gibt es in Dresden keine Probleme mit denen Sie sich beschäftigen können?

  14. 63.

    Ich reagiere einfach allergisch auf sinnlose Vorwürfe ich hätte irgendetwas behauptet, was ich nicht im entferntesten geschrieben habe. Das versuchte ich mir nur irgendwie zu erklären wie SIE auf sowas kommen....

    Na dann mal nachdenken wie das mit dem Strom produzieren so ist....

  15. 62.

    Wenn sie jedem seine Rechtschreibfehler oder Formulierungsfehler auf die wagscheibe werfen wollen ,dan muss RBB 24 eine Extraseite für sie schalten
    Übrigens Litzium wird Lithzium ach neeee Lithium geschrieben

  16. 61.

    "Ach schau her, die üblichen blaubraunen Energiewendegegner sind auch bald komplett...."

    Ich denke einmal, damit haben Sie Ihren wirklichen Bildungsgrad dann wieder einmal klar wiedergegeben!

    Kommentarfunktion sollte wohl dann schließen.....

  17. 60.

    "Ich wüsste mal gern ob Sie lesen können oder ein komisches Übersetzungstool nutzen?"

    Ach, wie meist bei Ihnen - nun wird es wieder "persönlich"!

    Habe ich irgendwo geschrieben, dass Atom und Kohlekraftwerke das gleiche wären? Auch wenn es eine große Gemeinsamkeit gibt,aber die herauszufinden überlasse ich Ihnen....

    Ich bitte um Erlärung Ihrerseits - Gemeinsamkeit "Atom und Kohlekraftwerke"

    Außer ENERIE, sehe ich da eher Verschiedenheiten, jedenfalls ohne Übersetzungstool!





  18. 59.

    Was ist Globalisierung? Profitmaximierung auf Kosten der Verbraucher.
    Aber dazu muss man nachdenken können.

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