Werkschließung in Lauchhammer - Vestas-Mitarbeiter werden zu Ende Februar gekündigt - und entschädigt

Do 27.01.22 | 19:05 Uhr
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Werkgelände von Vestas in Lauchhammer
Vestas-Werkgelände | Bild: rbb/Josefine Jahn

Die angekündigte Schließung des Vestas-Werks in Lauchhammer war ein schwerer Schlag für die rund 500 Mitarbeiter und die Region. Nun steht fest, dass ihnen zu Ende Februar gekündigt wird - aber auch, wie hoch die jeweiligen Abfindungen sind.

Als der Windkraftanlagen-Hersteller Vestas im vergangenen Jahr überraschend verkündete, sein Werk in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) schließen zu wollen, drohte etwa 500 Beschäftigten vor Ort der Jobverlust. Zum Jahresende sollte die Produktion ursprünglich stillgelegt sein, die Mitarbeiter gekündigt.

Nach langen Verhandlungen zwischen Unternehmensführung, Betriebsrat und Gewerkschaft ist am Donnerstag ein Sozialplan für die Beschäftigten vorgestellt worden. Zunächst wurden in vier Belegschaftsversammlungen die Mitarbeiter darüber informiert. Der Sozialplan sieht nach rbb-Informationen Abfindungen und auch neue Beschäftigungsperspektiven vor. Die Gewerkschaft zeigt sich zufrieden.

Transfergesellschaft oder Arbeitslosigkeit

Wie Hannes Hauke Kühn von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) dem rbb am Donnerstag sagte, würden die Vestas-Mitarbeiter zu Ende Februar gekündigt. Das ist zwei Monate später als ursprünglich vom Unternehmen vorgesehen.

Anschließend haben die Mitarbeiter die Wahl: Sie können für bis zu zwölf Monate in eine sogenannte Transfergesellschaft übergehen, in der sie weiterqualifiziert werden oder sie nehmen die Kündigung an und gehen mit Ablauf der Kündigungsfrist in die Arbeitslosigkeit. Der Übergang in die Transfergesellschaft sei dabei von Betriebsrat und IG BCE bevorzugt worden. Kühn bezeichnete das Ergebnis daher als Verhandlungserfolg für den Betriebsrat.

Mehrere Zehntausend Euro Abfindung

Je nach Alter und Betriebszugehörigkeit erhalten die Mitarbeiter zudem Abfindungen von mehreren Zehntausend Euro. Auch die Zahl der Kinder oder ein Schwerbehindertenstatus hat Einfluss auf die Höhe der Abfindung, sagte Kühn weiter.

Ein Familienvater Mitte 50 habe beispielsweise in Abhängigkeit dieser Faktoren eine Abfindung von einem hohen fünf- bis hin zu einem sechsstelligen Betrag zu erwarten.

"Ich bin mit dem Ergebnis von Seiten der IG BCE sehr zufrieden", erklärte Kühn weiter. "Die Beschäftigten haben jetzt Sicherheit bekommen und sie bekommen deutlich mehr Geld. Das sind Verdienste des Betriebsrates", erklärte er gegenüber dem rbb. Auch einige Mitarbeiter zeigten sich am Donnerstag nach den Versammlungen zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis.

Zukunft des Standortes noch ungewiss

Aktuell ist offen, wann Vestas seine Technik und die Formen für die Rotorblätter abbaut, die Lager sowie die Verwaltung räumt und die Lackiererei demontiert. Erst danach kann mit Interessenten über die Übernahme des Areals verhandelt werden.

Von sechs Unternehmen, die ihr Interesse an dem Standort gegenüber dem Brandenburger Wirtschaftsministeriums angemeldet hatten, sollen nach rbb-Informationen zwei ernstzunehmende Angebote übriggeblieben sein. Zu einer möglichen Ausrichtung oder auch zur Branche, in der die Interessenten tätig sind, gibt es aber noch keine offiziellen Informationen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 27.01.2022, 19:30 Uhr

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21 Kommentare

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  1. 21.

    Die Vestas ist kein VEB, dem wie anno dunnemals das Politbüro die Produkpalette diktieren kann. "Die Politik" wird zudem gerne auch angepöbelt, wenn die sich für Neuansiedlungen stark machen. Der RBB hatte aber aktuell auch berichtet, dass es zwei ernstzunehmende Interessenten geben solle, die den Standort übernehmen wollen, s. https://www.rbb24.de/studiocottbus/wirtschaft/2022/01/lauchhammer-vestas-werk-schliessung-kuendigung-abfindung-sozialplan.html

  2. 20.

    Die Facharbeiter, die was auf dem Kasten haben werden wohl nicht arbeitslos bleiben. Zu EFW, Infineon, GF und Bosch ist es ca. eine halbe Stunde. EFW sucht gerade zb 300 Elektriker

    Wer unflexibel, keinen Bock und sowieso immer nur meckert, naja der....

    Die Sozialismusträumereien sind schon erschreckend. Was der Staat alles machen soll, sich kümmern soll....aber wehe der Staat kommt auf die Idee Infektionsschutzregeln zu machen...puh dann wird spazieren gegangen....

  3. 19.

    Die AfD ist verantwortlich für die Schließung von VESTAS???
    Bei aller Unsympathie für diese Truppe, ist Ihnen doch die Realität abhanden gekommen.
    Das Thema nennt sich Marktwirtschaft und die Verlagerung ist preisgetrieben.

  4. 18.

    Wenn das so liest, wird man nur noch wütend: Warum wird hier das geschlossen?Gut, die Abfindungshöhen zeigen,dass da allerhand Geld ausgeschüttet wird. Ich denke, die neue Regierung ist angetreten, um die "Prozesse" zu verschlanken", da muss ich doch mal die vielen Juristen in der Regierung fragen, ob es nur einen Weg gibt, die Leute und Facharbeiter in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Warum ziehen wir dort keine Produktion mit der Herstellung der derzeitig in der Pandemie äußerst gefragten Produkte der Luftfilterung/ Luftreinigung hoch? Die Beschäftigten dort sind doch keine --verzeihen Sie mir -- Dummis! Warum leisten wir uns, das Erfahrungspotential einfach "zu entsor-gen"? Sorry, aber auf derartigen Wegen werden wir wohl keine Wende zu Innovationen in Industrie und Technik hinkriegen. Es müsste doch eher so sein, dass man den Erfahrungsschatz nutzt, um etwas Neues, derzeit Gefragtes zu produzieren. Bei den "Verrenkungen"des "Wasserzauberers"in Grünheide war man nicht so zimperlich

  5. 17.

    Wenn das so liest, wird man nur noch wütend: Warum wird hier das geschlossen?Gut, die Abfindungshöhen zeigen,dass da allerhand Geld ausgeschüttet wird. Ich denke, die neue Regierung ist angetreten, um die "Prozesse" zu verschlanken", da muss ich doch mal die vielen Juristen in der Regierung fragen, ob es nur einen Weg gibt, die Leute und Facharbeiter in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Warum ziehen wir dort keine Produktion mit der Herstellung der derzeitig in der Pandemie äußerst gefragten Produkte der Luftfilterung/ Luftreinigung hoch? Die Beschäftigten dort sind doch keine --verzeihen Sie mir -- Dummis! Warum leisten wir uns, das Erfahrungspotential einfach "zu entsor-gen"? Sorry, aber auf derartigen Wegen werden wir wohl keine Wende zu Innovationen in Industrie und Technik hinkriegen. Es müsste doch eher so sein, dass man den Erfahrungsschatz nutzt, um etwas Neues, derzeit Gefragtes zu produzieren. Bei den "Verrenkungen"des "Wasserzauberers"in Grünheide war man nicht so zimperlich

  6. 16.

    Vestas hat alleine im Heimatland Dänemark 3!! große Rotorproduktionsstandorte. Dazu noch jeweils in Italien (von Tarent kann man locker den Mittelmeerraum günstig versorgen) und Spanien. Alles Länder mit echter politischer Unterstützung für Windkraft. Wenn also der deutsche Markt politisch zerstört wird (hauptsächlich von CDU/CSU, und tatkräftigem Ansporn durch die AFD), welches Werk mache ich dann wohl zu als dänischer Hersteller, mit 4 anderen Rotorblattwerken mit direktem oder sehr nahem Seezugang über eigene Häfen und 1 Werk in Zentralspanien. Man hat auch ein Werk in Spanien geschlossen.

    Na kommen manche noch drauf?

    Es sind schlicht und einfach Unternehmensentscheidungen und ja man wird sich als Unternehmen von 16 Jahren CDU/CSU Regierungen verarscht vorgekommen sein. Deutschland behält dafür das moderne Generatorwerk im Westen ...

  7. 15.

    Die Tage kam noch eine schöne Statistik zu Uni Absolventen....fast die Hälfte der Studierenden im Osten verlässt den Osten.

    Ist in West und Süddeutschen Ländern erheblich geringer ausgeprägt..

  8. 14.

    Jeder, der Investieren möchte bekommt Förderung, wenn er einen Förderantrag vernünftig ausfüllen kann.

    Ich wüsste nicht welche Investitionen Vestas geplant hat? Der Betrieb einer Fabrik ist nicht förderfähig.

    Aber einige hier werden wohl ewig dem real existierenden Sozialismus nachtrauern.

  9. 13.

    Naja "konkurrenzfähig" ist schwierig wenn man in Deutschland keine Flächen für den Bau von Windkraft freigibt, 10H lässt grüßen.

  10. 11.

    Mein Arbeitgeber entrichtet in Berlin Gewerbesteuern. Aber schön zu lesen, wie Sie laut schreiend vor den Fakten kapitulieren und zu unsachlichen Mitteln greifen müssen. Es ist bekannt, dass das Steueraufkommen des Staates zu einem Großteil aus Einkommenssteuern besteht. Deshalb fördert das Land seit Jahren mit Milliarden Gewerbeansiedlungen - meist unter dem Horizont des Regional-TV - und schaut nicht nur zu, wie junge Menschen abwandern.

  11. 10.

    Schauen Sie sich mal die Ausbaukurve von Windkraft in Deutschland an. Werke wurden gebaut als es ein paar Jahre so aussah als meinten wir es mit der Energiewende ernst. Dann haben wir angefangen mehr Windräder abzureissen als neue aufzustellen...

  12. 8.

    Falsche Antwort.
    Sie sollten sich als angeblicher Tesla-Experte hierzu äußern:
    "Die werden nur gefördert, wenn sie Musk heißen und der Landesregierung große Steuergewinne vorgaukeln. Da wird vmtl. aber nichts draus werden, wie im Fall von Amazon, Google usw...."
    Bevor sie jetzt wieder nicht wissen (wollen) was gemeint war: WO WIRD IHR ARBEITGEBER SEINE GEWERBESTEUERN ENTRICHTEN?
    IN DEN USA ODER IN BRANDENBURG

  13. 7.

    Grüne? Ich möchte nur mal erinnern, dass vor ein paar Tagen die KfW Förderungen für Energieeffizientes bauen storniert wurden, alle... So viel zum Thema Grüne... alles nur Schein und Rauch.

  14. 6.

    Sie sind im falschen Beitrag. Es geht um die Schließung eines Werkes, dass die "Energiewende" unterstützen sollte.

    Aber wegen den Tesla-Steuern bin ich der gleichen Meinung. Der Firmensitz liegt in den USA.

  15. 5.

    Wollen Sie überhaupt mehr wissen, Sie haben ja aus der Zulassungsstatistik 2020 für Berlin/Brandenburg eine glorreiche Zukunft für Wasserstoff-PKW herausgelesen obwohl die ob der verschwindend kleinen Stückzahlen nichtmals erwähnt werden. Dass die WFBB jedes Jahr Milliarden an Förderungen verteilt, ist an Ihnen ebenso absichtlich vorbei gegangen wie u.a. die IPCEI-Förderungen.

  16. 4.

    Erst die "Hightech"-PV jetzt die Windenergie. Mit Abermilliarden gefördert aber selbst nach 20 Jahren nicht konkurenzfähig. Bin mal gespannt wie lange sich Tesla in Anbetracht der Strom- und Gaspreise halten wird. In ein paar Jahren wird man feststellen, dass auch dies eine Luftnummer war.

  17. 3.

    Die werden nur gefördert, wenn sie Musk heißen und der Landesregierung große Steuergewinne vorgaukeln. Da wird vmtl. aber nichts draus werden, wie im Fall von Amazon, Google usw.
    Aber hierzu wissen unsere Tesla-Experten @Dominik/Dresden und @AlfreedNeumann/Berlin mehr.

  18. 2.

    Ich frage mich wo bleib denn der Einspruch der Landesregierung und des Bundes. Wir haben doch einen grünen Wirtschaftsmister Herrn Habeck der die Windkraft ausbauen will und läst es zu daß so ein Werk geschlossen wird. Die Abfindung bringt den Mitarbeitern auch keinen Arbeitsplatz wieder.

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