"Rock Tech Lithium" in Guben - Bauarbeiten für Europas erste Fabrik für Lithiumhydroxid sollen noch 2022 starten

Mi 16.02.22 | 15:28 Uhr
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Video: Brandenburg aktuell | 16.02.2022 | Daniel Mastow | Andreas Rausch im Gespräch

Auf dem Weg zu mehr E-Mobilität könnte es ein wichtiges Jahr werden. Ein deutsch-kanadisches Unternehmen will in Guben einen Lithiumhydroxid-Konverter bauen. Es wäre Europas erste Produktionsstätte für den Akku-Hauptbestandteil.

Das deutsch-kanadische Rohstoffunternehmen "Rock Tech Lithium" will noch in diesem Jahr damit beginnen, in Guben (Spree-Neiße) den europaweit ersten Lithiumhydroxid-Konverter zu bauen. Das hat der Chef des Unternehmens, Markus Brügmann, dem rbb am Mittwoch bei seinem ersten Vor-Ort-Termin gesagt.

Noch ist am künftigen Standort nicht viel zu sehen - eine große Wiese, ein paar Anschlussrohre gucken aus dem Boden heraus. Brügmann rechnet mit einem Baustart für die Aufbereitungsanlage im Industriepark Guben im Sommer beziehungsweise Herbst. Rund 470 Millionen Euro sollen investiert werden. Der Produktionsstart ist für 2024 geplant.

Rock Tech Lithium CEO Markus Brügmann besucht Guben (Foto: rbb/Mastow)
Rock Tech Lithium CEO Markus Brügmann besucht Guben (1. v. l.)

Lithiumhydroxid ist wichtiger Bestandteil von Akkus für Elektrofahrzeuge. Der Rohstoff kommt aus der unternehmenseigenen Mine in Kanada und soll in Brandenburg verarbeitet werden. Das passiert bisher meist in China. Weil Europa von der chinesischen Produktion unabhängiger sein will, wird der Aufbau eigener Produktionsstandorte finanziell gefördert.

Firmenchef: Perfekter Standort in der Lausitz

Laut Firmenchef Brügmann sei Guben der perfekte Ort für das Vorhaben, weil das Unternehmen "hier über den Anschluss von Erdgas [verfüge] - aber auch über den Anschluss an eine Bahnstrecke die Produkte transportieren" könne. Eine nachhaltige Form, weil es dadurch keinen Lkw-Transport gebe, so Brügmann.

Zurzeit laufe der Genehmigungsplan für die Anlage, der mehrere Stufen umfasst. Das gebe dem Unternehmen die Möglichkeit, Unterlagen sehr detailliert vorzubereiten und mit der Behörde zu arbeiten. "Wir werden in den nächsten Tagen die erste Genehmigungseinreichung machen und im Laufe der nächsten Wochen die weiteren Stufen einreichen."

Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) sagte dem rbb am Mittwoch, dass das Projekt "noch lange nicht in Sack und Tüten" ist. Es gehe um ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, bei dem viele Partner eine Rolle spielen, so Mahro. "Wenn ich bewusst "Partner" sage, dann ist mein Eindruck aus den ersten zwei Ämterkonferenzen, dass es ein großes Verständnis für die Ansiedlung gibt und man versuchen wird, zügig zu arbeiten."

160 neue Arbeitsplätze

Der Bürgermeister spricht von einem unheimlichen Schub für die Stadt. Guben sei ein Industriestandort, der von der chemischen Industrie geprägt ist. "Auch da gab es einen Strukturwandel, gleichzeitig mit der Braunkohle." In "Rock Tech Lithium" erkenne die Stadt nun ein Stück weit eine neue Zeit, sagt Mahro. Guben sei im Industriegebiet dadurch breiter aufgestellt - und "vielleicht nicht mehr so ganz marktabhängig im Bereich der Textilindustrie oder chemischen Industrie, wie wir es bisher waren."

160 Arbeitsplätze sollen mit der Neuansiedlung entstehen. Die künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten laut Mahro unter anderem von der BTU Cottbus-Senftenberg kommen. Mit der Universität habe Guben "jemanden vor der Tür, der Menschen, die dort tätig werden sollen, auch ausbildet."

Der Bürgermeister geht davon aus, dass allein die Innovation des Projektes als erstes Lithium-Werk in Europa so viel Aufmerksamkeit erregt hat, dass es dem Unternehmen gut gelingen werde, Fachkräfte zu finden.

Wirtschaftsminister: "Erfolg für Strukturentwicklung"

Der Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) bezeichnete die Unternehmens-Ansiedlung beim Bekanntwerden im Oktober als "Erfolg für die Strukturentwicklung in der Lausitz". Der neue Lithiumhydroxid-Konverter stärke Brandenburgs Position als Zentrum der Elektromobilität in Deutschland, so Steinbach.

"Rock Tech Lithium" will in Guben jährlich rund 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid produzieren. Das reicht für etwa 500.000 Autos. Geplant ist unter anderem, Tesla in Grünheide (Oder-Spree) und auch den Chemiekonzern BASF in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) für die Kathodenfabrik zu beliefern.

Zwei neue Investoren in kurzer Zeit

Guben konnte in den vergangenen Monaten gleich zwei neue Investoren anlocken. Auch das Unternehmen "Jack Link's" will sich in Guben ansiedeln, das unter anderem die Minisalami "Bifi" produziert. Die Stadt soll damit der zweite Produktionsstandort der Firma in Deutschland werden. Der erste befindet sich in Ansbach in Bayern.

Geplant ist für den Anfang eine Produktionslinie mit etwa 80 Arbeitskräften. Es seien aber laut Bürgermeister Fred Mahro weitere Gewerbefläche vorhanden, so dass drei bis vier weitere Hallen in gleicher Größe entstehen könnten. Ihm sei versichert worden, dass die mittelfristige Planung des Unternehmens auf eine weitere Expansion in Guben ausgerichtet sei, hieß es nach Bekanntwerden der Investition im November 2021.

Aktuell stehe das Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz kurz vor dem Abschluss, sagte Mahro am Mittwoch dem rbb. "Ich gehe davon aus, dass noch im ersten Quartal die Genehmigung erfolgen wird, so dass wir im ersten Halbjahr konkret mit den Baumaßnahmen beginnen." Die Vorbereitungen dafür laufen bereits, beispielsweise werde gerade das Gelände für die Ansiedlung freigeräumt.

Mit Informationen von Daniel Mastow

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.02.2022, 14:40 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Sie sollten Chef der Brandenburgischen Wirtschaftsförderung werden.

    Endlich mal machen statt nur schreiben ;)

  2. 5.

    Höchste Zeit, dass im (DDR Charme versprühenden) Gubener Gewerbegebiet mal etwas passiert.

  3. 4.

    Sie müssen sich "für den Strukturwandel und die damit verbundenen Fördergelder" wirklich nicht entschuldigen, im Gegenteil, wir freuen uns auf sinnvolle Verwendung...fragen Sie mal die Macher vor Ort: z.B. Frau Herntier u.a.

    Was nicht geht: gönnerhafte Zu- u. Weiterreichung von Leuten, die es nicht können, noch nie konnten, immer versagt haben und weiter versagen werden... weil die Einstellung im Kopf nicht stimmt? Dann muss man von Rückerstattung sprechen dürfen...

  4. 3.

    Eine positive Nachricht für ein geschundene Region. Das ist wieder eine Nachricht für die Neider und Schlechtreder in diesem Bundesland. Hierzulande muss man sich für den Strukturwandel und die damit verbundenen Fördergelder entschuldigen. Das Aus ist vom Bund beschlossen und nicht von den Menschen die hier ihr Brot verdienen.

  5. 2.

    Spät aber immerhin fängt man langsam an nicht nur drüber nachzudenken sondern auch zu handeln das alles nur in Asien und dort insbesondere in China zu produzieren langfristig ein Eigentor ist !!

  6. 1.

    Wusste gar nicht, dass nur Ingenieure in einer Fabrik arbeiten.

    Die Fabrik braucht Instandhalter, Elektriker und Chemikanten, auch dann als Meister Techniker, die kommen nicht von der Uni.

    Wo ist denn die nächste Berufsschule bzw Meistrrschule?


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