Strukturwandel in der Lausitz - Cottbus will mit Image-Kampagne Menschen in die Lausitz locken

Di 01.03.22 | 11:35 Uhr
  8
Luftbild Cottbus mit Galeria Kaufhof, Blechen Carre (Foto: rbb/Schneider)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.02.2022 | Thomas Krüger | Bild: rbb/Martin Schneider

Die Stadt Cottbus hat am Montagabend eine digitale Image-Kampagne gestartet, mit der sie im Zuge des Strukturwandels mehr Menschen dazu bringen möchte, in die Region zu ziehen. Zu den ersten Partnern der Kampagne "Boomtown Cottbus" gehören auch der Energiekonzern Leag, das Carl-Thiem-Klinikum Cottbus, die BTU Cottbus-Senftenberg und die Deutsche Bahn.

Neben Werbung in sozialen Netzwerken ist am Montag eine Internetseite [boomtown.de] online gegangen, auf der Stellenangebote aufgelistet werden. Cottbuser Akteure erzählen außerdem über die Vorzüge ihrer Arbeitgeber und der Stadt. Ziel ist es, in den nächsten Jahren mehr als 7.000 Arbeitsplätze in der Stadt zu schaffen.

Die Internet-Startseite der Kampagne (Screenshot Boomtown.de)
Screenshot der Boomtown-Internetseite | Bild: Screenshot

Jedes Unternehmen sucht Fachkräfte

Cottbus geht es wie anderen Kommunen, es fehlen vor allem Fachkräfte. In der Lausitz kommt der Strukturwandel dazu. Rund 15.000 Jobs hängen hier an der Kohleverstromung, doch die Zeit der Kohle soll enden.

Mit der Image-Kampagne will Cottbus auf sich aufmerksam machen und Menschen Perspektiven für ein Leben und Arbeiten in der Stadt anbieten. "Wir sind momentan in einer relativ akuten Not", sagte der Cottbuser Wirtschaftsdezernent Stefan Korb. Jedes Unternehmen suche zurzeit händeringend Mitarbeiter. "Das Thema Fachkräfte ist für die weitere wirtschaftliche Entwicklung hier extrem zum Bottleneck geworden." Sie würden überall gebraucht. Dabei gehe es genauso um handwerkliche Berufe wie wissenschaftliche Jobs.

Milliarden für die 100.000-Einwohner-Stadt

Cottbus solle zum Mittelpunkt des Lausitzer Strukturwandels werden, sagte Klaus Freytag, der Lausitz-Beauftragte der Brandenburger Landesregierung. Die Stadt habe mit dem Wandel einmalige Chancen. "Hier kann man, darf man und soll man in der Zukunft auch experimentieren." Bei so einem Experimentieren werde man auch Rückschläge haben, so Freytag. "Aber diese Rückschläge können wir auch dank der finanziellen Rahmenbedingung durch das Strukturstärkungsgesetz auffangen."

Das Geld sei eine Chance für die Stadt, sagte Wirtschaftsdezernent Stefan Korb. "In welcher Stadt in Deutschland werden in den nächsten zehn Jahren vier bis fünf Milliarden Euro investiert?" Er gehe davon aus, dass sich Cottbus damit selbst im europäischen Vergleich nicht verstecken müsse - "und das als 100.000-Einwohner-Stadt."

Cottbus außerhalb von Brandenburg fast unbekannt

Unter denjenigen, die am Montagabend am Cottbuser Bahnhof den Startschuss für die Image-Kampagne gegeben haben, war auch BTU-Präsidentin Gesine Grande. Sie glaube, dass es für viele Leute eine echte Option sei, nach Cottbus oder die Umgebung zu ziehen, nicht nur wegen der Natur. "Sie können hier sein und ihre Ideen unmittelbar in der Region verwirklichen. Wo kann man das sonst noch?" Es gebe zudem "zuhauf" Karrieremöglichkeiten für die Partnerinnen oder Partner.

Die Kampagne soll Cottbus bekannter machen. "Je weiter weg wir gehen, umso unschärfer wird das Image. Da haben wir gar kein Image", sagte Wirtschaftsdezernent Korb. Cottbus kenne kaum jemand außerhalb Brandenburgs. Das habe eine Analyse ergeben, in der überregionale Presse- und Fernsehberichte ausgewertet wurden. Darin habe Cottbus kaum Erwähnung gefunden.

Laut Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) ist die Aktion Vorläufer einer großen Lausitzer Imagekampagne, mit der sich die Stadt als gemeinsame Wirtschaftsregion im Wandel voraussichtlich ab Herbst zielgerichtet ins Gespräch bringen will.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.02.2022, 16:10 Uhr

8 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 8.

    Unfassbar. Man will Milliarden in dieser AFD dominierten Gegend verbrennen ? Was soll das wirtschaftlich bringen ?
    Hier wird niemand mit Ambition hinziehen. Man sollte das Geld in echte Zukunftsstädte wie Potsdam stecken.

  2. 7.

    Sie sagen es : der Zuzug funktioniert und das ,,Siedlungsgebiet ist gerettet,, Und das alles mit unseren Steuergeldern in Milliardenhöhe.

  3. 6.

    Na mal wieder die eigenen Vorurteile ordentlich geputzt?
    Sie sind ja ein richtiger Menschenversteher.
    Zum Glück entscheiden die meisten Menschen ihren Lebensmittelpunkt rational nach anderen Kriterien als irgendwelche Experten im rbb Forum es glauben zu wissen.
    Der Blödsinn den Sie hier schreiben ist nämlich genau das Problem das die Radikalisierung und Stigmatisierung voran treibt.

  4. 5.

    Das wird nicht erfolgreich sein, viele Menschen wollen nicht in Hochburgen von AfD und Rechtsextremen ziehen. Da lockt kein Geld als Motivation. Der Zuzug von völkischen Siedlern aus dem Westen hingegen funktioniert.

  5. 4.

    Erst Wohnraum-Vernichtung durch Abriss tausender Wohnungen - jetzt Neubau und Ansiedlung wieder neuer Menschen. Der Strukturwandel ist nicht ökonomisch und auch nicht ökologisch. Menschen in Deutschland, sollen sich nur immer neue Eigenheime und Eigentumswohnungen kaufen. Mal ist dabei, Berlin so toll und jetzt soll es die Lausitz sein ? Mal sehen, wann wir nur noch 40 Grad im Schatten haben, wenn Wir nur immer abreißen und neu bauen wollen. Klimawandel, Krisen und Kriege auf der Welt werden diesen Schwachsinn sowieso bald beenden.

  6. 3.

    "In welcher Stadt in Deutschland werden in den nächsten zehn Jahren vier bis fünf Milliarden Euro investiert?"
    In Mainz vielleicht? Die nehmen gerade Steuern in Mrd. Höhe ein, weil einer der „Gewinner“ der Pandemie aus Mainz kommt und wissen nicht wohin mit dem Geld. Schulden bezahlen ist sicher nicht verkehrt.
    Nicht falsch verstehen, Biontech hat wohl viele Leben gerettet und somit auch zu Recht Gewinne generiert. Glück für Mainz und ein paar andere Städte.

  7. 2.

    Nachts einmal Spazieren gehen und man weiß warum hier niemand leben will.

  8. 1.

    Ich würde es mit mehr Freunlichkeit und weniger meckern versuchen. Auch wenn die Menschen etwas weniger unfreundlich gegenüber anderen wären. Dann hat man auch Lust nach Cottbus zu gehen. Ansonsten sehe ich da eher Schwarz. Oder vielmehr Braun. Und, wieder einmal, viel verbranntes Steuergeld.

Nächster Artikel