Erweiterung des Industrieparks - In Schwarze Pumpe soll aus Plastik Rohöl werden

Di 28.06.22 | 16:24 Uhr
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Luftaufnahme mit einer Drohne vom Industriepark und dem Kraftwerk Schwarze Pumpe (Foto: dpa/Franke)
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Video: rbb24 | 28.06.2022 | Sascha Erler | Bild: picture alliance

Rund 5.000 Menschen sind bereits im Industriepark Schwarze Pumpe beschäftigt. Zukünftig sollen es deutlich mehr sein. Dafür wird mehr Personal eingestellt und Fläche bereitgestellt. Interessenten gibt es reichlich.

Der Industriepark Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) soll weiter wachsen. Zahlreiche Unternehmen planen Ansiedlungen in dem Park nahe Spremberg. Diesen fehlt aktuell der Platz. Abhilfe soll eine Erweiterung schaffen - doch zunächst müssen die Verwaltungsstrukturen im Industriepark komplett überarbeitet werden.

Aktuell gibt es noch zahlreiche freie Flächen in Schwarze Pumpe, entlang der kilometerlangen Trassen durch das Industriegebiet. Für die Investoren reiche das aber nicht aus, sagt der Bürgermeister der sächsischen Gemeinde Spreetal und Vorsteher des Zweckverbands Industriepark Schwarze Pumpe, Manfred Heine. "Sie jagen uns mit weiteren Flächen, aber 15 Hektar, was der erste Anspruch ist, können wir nicht mehr darstellen", sagt er.

Geplant ist laut Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier eine ganze Reihe von neuen Ansiedlungen. Sie stammen aus dem Bereich Maschinenbau, der chemischen Industrie und der Energiebranche.

"Es sind interessante Unternehmen dabei, zum Beispiel aus dem Bereich Häuserproduktion, Tiny Häuser, es ist wirklich breit gefächert", so Herntier. So wolle sich beispielsweise auch das Unternehmen Mura Technology in Schwarze Pumpe ansiedeln. In einem neuen Werk, in dem aus Plastikabfall Rohöl gewonnen werden soll, sollen zukünftig 150 Industriearbeitsplätze entstehen.

Es liege im Interesse der Stadt, wenn der Industriepark noch besser aufgestellt würde, erklärt Herntier. Dafür müssten weitere Flächen vorbereitet werden.

Zusätzliche Stellen für Strukturwandelprojekte

Der Zweckverband Schwarze Pumpe, dem Manfred Heine vorsteht, hat den eigentlichen Betrieb des Industrieparks an Sprembergs Wirtschaftsfördergesellschaft ASG delegiert. Der Verband selbst hat nämlich gar kein Personal. Diese Strukturen sollen deshalb nun umgebaut werden. "Momentan haben wir den Zweckverband als hohlen Vogel über dem Ganzen", so Heine.

Doch der "hohle Vogel" nützt nicht viel, insbesondere im Strukturwandel. Der stellt neue Herausforderungen an den Industriepark. Dass die Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen genau durch den Park verläuft, macht die Sache nicht leichter. Zwei völlig unterschiedliche Förderstrukturen sorgen für Unübersichtlichkeit - zumal mehrere Millionenprojekte gleichzeitig entwickelt und begleitet werden müssen.

"Wir haben Infrastrukturprojekte bewilligt gekriegt, 25 Millionen in Brandenburg und auch in Sachsen", sagt ASG-Geschäftsführer Roland Peine. "Aber ich habe da drei Mann sitzen, so viele Millionenprojekte kann ich gar nicht umsetzen", beklagt er sich.

Über ein Förderprogramm sollen deshalb nun vier Mitarbeiter direkt vom Zweckverband eingestellt werden, die nichts anderes machen, als die Strukturwandelprojekte zu entwickeln.

Autos blockieren Industriefläche

Zu diesen Projekten gehört auch das autonome Fahren auf dem Industriegelände. Schon das könnte einen Teil des Platzmangels lösen. Peine schaut beispielsweise auf die große Papierfabrik auf dem Gelände. "Eine Fläche für 400 Pkw-Stellplätze ist da blockiert, im hochwertig erschlossenen Industriepark", sagt er. Die Mitarbeiter, so Peine, könnten auch im Parkhaus parken und dann mit selbstfahrenden Shuttles zu ihrem Arbeitsplatz gelangen.

Solche Ideen sind allerdings Zukunftsmusik. Praktisch wird der Platzmangel durch eine Süderweiterung gelöst. Die soll schon 2024 fertig sein. In Brandenburg kommen dann 80 Hektar, in Sachsen sogar etwa 300 Hektar hinzu, sagt der Geschäftsführer.

Doch hält die Nachfrage weiter so an wie bisher, dürften auch diese Flächen schnell verplant sein.

Sendung: rbb24, 28.06.2022, 16:00 Uhr

12 Kommentare

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  1. 11.

    Nein, aus Plastik Rohöl herstellen ist gar nicht so schwierig. Das kann jeder Mittelambitionierte Hobbychemiker in seiner Garage machen. Versuchsreaktoren sieht man regelmäßig bei Jugend Forscht. Spannend ist nur wie man das wirtschaftlich machen möchte solange Rohöl noch für praktisch umsonst aus dem Boden geholt werden darf.

  2. 10.

    Dem gibt es nichts hinzuzufügen das stimmt auf 100% .Die Heuschrecke wartet schon.

  3. 9.

    Naja, das kommt drauf an. Solange wir keinen Überschuss an erneuerbaren Energien haben wird ja Kohle verbrannt statt Plastik, und diese Art Recycling braucht wahrscheinlich mehr Energie als frisches Plastik aus fossilem Öl herzustellen.

  4. 8.

    Die beiden Bürgermeister tun ja so, als ob da Platz ohne Ende wäre. Es ist jetzt schon eine Riesenfläche in der "Heide"! Dann muss man das Flächenmanagement erheblich verbessern! Ich hatte mal beruflich mit solch einem Thema zu tun und stelle mit Entsetzen fest, dass sich da offensichtl. herzlich wenig getan hat. Die Pkws müssen zügig in ein Parkhaus und zwar "at first" und nicht erst in ein paar Jahren. Überhaupt muss die 'Erreichbarkeit auch ohne Auto' endlich mal eine Planungsgröße werden. Eine gute Nachricht ist, dass man ein Recycling-Unterneh-men hinbekommen könnte, denn verbrennen, das sollte das unterste (ideelle) Level sein. Dennoch müssen den Errichtern "Löcher in den Bauch" gefragt werden, um unseriöse Dinge ausschließen zu können. Man kann sich ja da eine Jugendgruppe v. FFF einladen. Ansonsten gilt, nicht neu in Anspruch nehmen, sondern auch mit Industriegebieten besser wirtschaften.

  5. 7.

    Zu den Kunststoffabfällen: Das nennt man rohstoffliches Recycling, und das ist allemal besser als die energetische Verwertung, denn dabei landet der Kohlensoff als Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre, wo wir ihn nicht haben wollen. Mit dem rohölähnlichen Produkt hingegen können Sie wieder Kunststoffe herstellen oder alles andere machen, wofür man sonst Erdöl aus dem Boden holen würde...

  6. 6.

    Die thermische Verwertung wäre eine gute Lösung um nicht noch mehr Ernegie und Arbeit in ein neues Produkt zu stecken.
    Hoffentlich unterbleibt bald der Export des gelbe Tonnen Mülls in die Südsee. Dort liegen schon Tonnen von berliner Abfällen.
    Die Müllverbrennung in der Rhinstr. wurde abgeschaft, für ein Gaskraftwerk und Berlin schickt die Recource Müll in die Welt oder in die Lausitz. Die Berliner zahlen den Irrsinn.

  7. 5.

    Wie heisst das Unternehmen? Mura Technologie? Früher hat man aus Kohle Kunststoff in Merseburg hergestellt mit einem immensen Energieaufwand und noch weiter zurück aus Kohle Benzin. Es wäre sinnvoll aus Kunststoff Strom zu produzieren, aber doch kein Rohöl! Das wäre so ähnlich wie aus Brotresten wieder Getreide zu machen. Vermutlich will hier jemand die Fördergelder abschöpfen, denn ein Politiker versteht von Chemie noch weniger als von Geschichte.

  8. 4.

    Offenbar haben Sie in Ihrer Überlegung vergessen, dass der Kunststoff zwischenzeitlich eine bestimmte Aufgabe – eben z.B. als Verpackung – gehabt hat, und nun, da er diesen Verwendungszweck erfüllt hat, Müll daraus geworden ist. Diesen nicht einfach nur umweltschädlich zu verbrennen, sondern ihn zu recyclen, indem man Rohöl daraus zurückgewinnt, ist doch an sich eine sehr gute Sache. Wäre der Energieaufwand dafür zu hoch, würde sich das Ganze wohl eher nicht lohnen …

  9. 3.

    Bei den Kaufparks kann man auf dem Dach Parken ;) man will hier nur nicht. Aber dann nicht wundern dass dort keiner hin will.

  10. 2.

    Zur Überschrift: Was ist das für ein Unsinn? Erst wird aus Erdöl in mehreren Verarbeitungsschritten und mit viel Energieeinsatz Kunststoff hergestellt und dann kommt jemand der daraus wiederum mit viel Energieeinsatz das am wenigsten veredelte Vorprodukt -Öl - herstellt? Hoffentlich nennt diese Idee niemand Innovation.

  11. 1.

    Teil des Platzmangels? Kein Etagen Park? Ich glaube wir kriegen gar nichts mehr hin.
    Bei Platzmangel baut man HOCH.

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