Ein nach unten gefaltetes Dach über einem Betongebäude hinter einem Bauzaun mit Büschen davor. Foto: Claudia Baradoy
Baufällige Hyparschale im Bürgerpark Templin. Foto: Claudia Baradoy | Bild: Claudia Baradoy

Hyparschale in Templin rekonstruiert - Der Schandfleck verschwindet

Ein bedeutendes Bauwerk in der Uckermark wird gerettet. Für die "Hyparschale" in Templin hat der Bund knapp 200.000 Euro Fördermittel bereit gestellt. In der DDR gehörte die Schale zu einem Ferienkomplex des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds. Von Claudia Baradoy

Bei "Architektur in der DDR" denken viele an triste, graue Plattenbauten. Es gab aber auch richtig fantastische Gebäude. Aus Beton zwar, aber mit geschwungenen Dächern und viel Glas. Vorzeigearchitektur, die ganz leicht wirkte. So wie der Teepott in Warnemünde. Eine kleine Schwester vom berühmten Teepott steht heute noch in Templin in der Uckermark. Zu DDR-Zeiten war hier ein Restaurant, das zum Heim des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) gehörte. Seit der Wende steht das Gebäude leer. Jetzt soll die "Hyparschale" aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden.  

Grafitti und Gestrüpp

Der Bürgerpark mitten in der Templiner Innenstadt wäre eigentlich ein Schmuckstück, wenn mittendrin nicht ein Gerippe aus Stahl und Glas stünde, beschmiert mit Graffitis, zugewachsen von Gestrüpp. Die Templiner regen sich schon lange darüber auf. "Es ist ein Schandfleck, wenn man dort vorbeigeht, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Die Urlauber schütteln auch nur mit dem Kopf, das ist nicht schön", sagt eine Passantin.

Restaurantbesuch nur mit Reservierung

Dabei war das ehemalige FDGB- Restraurant mal der Stolz Templins. Man musste vorreservieren, wenn man reinwollte, erinnert sich der ehemalige FDGB Heimleiter Klaus Bubl. "Und wir hatten eine der drei Nachtbars, die es in Templin noch gab in den 70er Jahren, die legendäre Allende-Bar", sagt er. "Das war schon im besten Sinne ein Etablissement, das hier seinen Ruf hatte und wirklich gesucht wurde." Bürgermeister Detlef Tabbert wohnt gleich nebenan. "Dort habe ich meine Jugendweihe gefeiert, und so etwas vergisst man nicht. Es war eine sehr schöne Feier und die Mitarbeiter damals waren sehr nett", erinnert er sich.

Ein Betongerippe mit einem in der Mitte abgesenkten, nach unten gefalteten Dach, davor steht ein Bauzaun, hinter dem Gras und Gestrüpp wachsen. Foto: Claudia Baradoy
| Bild: rbb/ Claudia Baradoy

Beton wie gefaltete Servietten

Hyparschale heisst das Haus bis heute im Volksmund. Der Name "Hyparschale"  kommt von der komliziert gefalteten Dachkonstruktion, die ein bisschen aussieht wie ein japanischer Papierkranich. Entworfen hat sie der DDR-Star-Architekt Ulrich Müther. Der hat Beton gefaltet wie andere Leute Servietten: beim Warnemünder Teepott zum Beispiel oder dem Sockelgebäude des Berliner Fernsehturms. In der ganzen Welt baute er die spektakulären "Hyparschalen". 50 gibt es weltweit noch, in ganz Deutschland, in Kuwait, Jordanien, Finnland, doch viele sind längst abgerissen. Darum hat man dieTempliner Schale schnell noch unter Denkmalschutz gestellt - und es gibt knapp 200.000 Euro für Sicherung und Wiederaufbau.  

Denkmal sichern

"Wir sichern das Denkmal, jeder kann sich vorstellen, wenn ein Gebäude über 20 Jahre leer steht, dass bestimmte Schäden enstanden sind", erklärt Bürgermeister Detlef Tabbert. "Nach der Sicherung der Dachhaut geht es darum, die Außenhülle zu sichern, und einige Abrissarbeiten an den Nebengebäuden vorzunehmen, um das Gebäude in so einen guten Zustand zu versetzen, dass eine Nachnutzung möglich ist."   

Naturkost und Umweltschutz

Später soll die Hyparschale wieder für alle da sein. "Unsere Überlegungen gehen dahin, dort wieder eine multifunktionale Nutzung reinzubekommen, wir können uns etwas vorstellen aus dem Bereich des Umweltschutzes, und wir sind im Gespräch mit einem Anbieter von Naturkostprodukten, der starkes Interesse signalisiert hat." Ein Schandfleck in Templins Innenstadt verschwindet - die Hyparschale wird rekonstruiert - und bald kann man da auch wieder seinen Kaffee trinken.  

Sendung: Antenne Brandenburg, Studio Frankfurt, 19.07.2017

Beitrag von Claudia Baradoy

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