Diskussion am 14.11.2017 im Sportlerheim von Neuhardenberg zu gepanter Hähnchenmastanlage auf einem Teil des Flugplatzes
Friederike Schmitz vom Bündnis Tierfabriken-Widerstand informiert im Sportlerheim von Neuhardenberg über Entwicklung der Geflügelindustrie | Bild: Monika Kophal/rbb

156.000 Hühner auf Flugplatz - Widerstand gegen Hähnchenmastanlage in Neuhardenberg

Noch mehr Hühner für Brandenburg: Bis zu 156.000 Tiere will ein Landwirt in einer Mastanlage in Neuhardenberg unterbringen, auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes. Bürger und Tierschützer sind davon gar nicht begeistert und haben ihrem Ärger Luft gemacht. Von Monika Kophal

Brandenburgs Produktion von Hühnerfleisch läuft schon auf Hochtouren. Doch es soll noch mehr werden. In Neuhardenberg plant ein Landwirt aus Letschin nun eine Hähnchenmastanlage auf dem Gelände des Flugplatzes Neuhardenberg. Anwohner und Bürger der Gemeinde in Märkisch-Oderland lehnen die Pläne ab und luden zum Informationsabend. Zu dem kamen auch Mitglieder des Bündnisses Tierfabriken-Widerstand, ein Landwirt und rund 50 Bürger und vor allem Bürgerinnen, um sich Luft zu machen.  

Der Investor in Neuhardenberg plant eine Hähnchenmastanlage mit Bodenhaltung
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"Soll noch mehr Mist auf unsere Felder kommen?"

"Wie kommen Sie darauf, dass es eine total nette Art ist, mit Tieren umzugehen, dass das in Ordnung ist, so etwas zu machen?"; "Sind Sie der Meinung, dass noch mehr Mist auf unsere Felder kommen soll? "Wo ist jetzt der Mehrwert für die Bevölkerung?" oder "Ich würde Herrn Winnige gerne fragen, warum er diese Anlage baut?" Vor allem Frauen stellten viele Fragen im Sportlerheim von Neuhardenberg. Im Ort brodelt es, denn viele der bei Diskussion anwesenden Bürger sind mit den Plänen von Tobias Winnige überhaupt nicht einverstanden. Der Landwirt aus Letschin im Oderbruch will auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes eine Hühnermast für 156.000 Tiere errichten. Winnige selbst war anwesend, um auf die kritischen Fragen zu antworten. Sein Vorhaben verteidigte er unter anderm so: "Ich werde an dem Haltungsverfahren nichts ändern können. Ich bin einfach ein Produzent, der sich den Gegebenheiten anpassen muss."

Friederike Schmitz vom Bündnis Tierfabriken-Widerstand informiert am 14. November im Sportlerheim von Neuhardenberg zu geplanter Hähnchenmastanlage
Bild: Monika Kophal/rbb

Bündnis Tierfabriken-Widerstand ruft zu Protest auf

Landwirt Winnige hat seine Pläne nach eigener Aussagen dem Bürgermeister schon präsentiert, in trockenen Tüchern sei aber noch nichts. Genau deshalb sieht das Bündnis Tierfabriken-Widerstand noch Chancen, die Anlage zu verhindern und lud zur Diskussionsrunde ins Sportlerheim ein. Für das Bündnis informierte Friederike Schmitz über die Entwicklung der Geflügelproduktion in Deutschland und über die Zustände in Anlagen wie der in Neuhardenberg geplanten: Bis zu 50.000 Hühner pro Stall würden innerhalb von wenigen Wochen auf ihr Schlachtgewicht gemästet, die Tiere erlitten Verletzungen und Krankheiten. Auch durch die große Menge an Gülle entstehen Probleme für die Umwelt, sagte Schmitz und verwies auch auf die Klimaschäden, die durch die Tierhaltung entstünden.  

Grillhähnchen drehen sich am Spieß (Quelle: dpa)
Bild: dpa

Problem ist nicht der Landwirt, sondern die Doppelmoral der Verbraucher

Unter den rund 50 Diskutierenden befanden sich am Abend nicht nur Gegner der Tiermast. Nicht der Landwirt sei das Problem, sondern das System und die Verbraucher, sagte ein Bürger. "Die Marktgesetze können wir eben so nicht ändern, leider auch nicht im Ort Neuhardenberg. Ich glaube das grundsätzliche Problem hier ist die Doppelmoral, die Leute essen ihre Chicken Wings und wollen nicht viel ausgeben".
Tobias Winnige will an seinen Plänen vorerst festhalten. Die Mitglieder des Bündnisses Tierfabriken-Widerstand, die gestern Abend aus Berlin kamen, wollen die Bürger von Neuhardenberg weiterhin informieren und dazu anregen, gegen die Anlage zu protestieren.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15:10 Uhr

Beitrag von Monika Kophal

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