Baufällige Schleuse Kannenburg bei Templin
Audio: Antenne am Nachmittag|Björn Haase-Wendt | Bild: rbb|Björn Haase-Wendt

2020 soll wieder geschleust werden - Bund sagt Neubau der Kannenburger Schleuse zu

Es war für die Tourismusanbieter rund um Templin alles andere als ein Weihnachtsgeschenk, als im Dezember 2017 die Nachricht kam: die Schleuse Kannenburg wird sofort geschlossen. Viele fürchten seitdem um ihre Existenz oder mussten bereits Mitarbeiter entlassen. Nun gibt es Hoffnung. Von Björn Haase-Wendt

Nichts geht mehr derzeit an der Schleuse Kannenburg, unweit des Templiner Ortsteils Hammelspring. Das Eiswasser staut sich an den Schleusentoren, daneben grasen Schafe auf einer Wiese. Es sind wohl die einzigen Gäste, die die Schleuse für längere Zeit zu sehen bekommen. Denn das Eberswalder Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hat die Anlage im Dezember 2017 kurzfristig schließen müssen.

Untersuchungen ergaben zuvor, dass die Schleuse nicht mehr standsicher ist. Unter anderem seien die Holzspundwände so marode, dass die Böschung in die Schleusenkammer zu rutschen drohe. Es bestehe Lebensgefahr, erklärte der Chef des Eberswalder WSA, Peter Münch, auf einer Krisensitzung mit betroffenen Touristikern im Templiner Ratssaal.

Öffentliche Veranstaltung der Stadt Templin zur Kannenburger Schleuse vom 13.02.2018 v.l.n.r. Sebastian Dosch und Amtsvorstand Friedrich Peter Münch, beide WSA Eberswalde; Bürgermeister Detlef Tabbert; Fachbereichsleiterin Thekla Seifert, Stadt Templin
| Bild: WIN-AG

Schleuse bleibt vorerst definitiv geschlossen

„Es ist auch für mich das erste Mal, dass ich eine Schleuse schließen muss. Seitdem denke ich Tag und Nacht über eine Lösung nach“, sagte Peter Münch. Die Hoffnung, dass die Anlage – mit jährlich rund 7.000 geschleusten Booten - vielleicht doch noch eine Saison übergangsweise genutzt werden kann, musste er allerdings zerschlagen. 

„Der öffentliche Verkehr ist nicht mehr möglich. Die Schleuse ist gesperrt, die bleibt gesperrt“ bekräftigt Münch die gefällte Entscheidung. Bestenfalls könnte es einzelne Schleusungen geben, zum Beispiel für die Flotte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes, aber auch für eine Havariebeseitigung eines Fahrgastunternehmens. „Sowas kann ich mir im Einzelfall vorstellen“, sagt der WSA-Chef.

Rainer Schimke ist mit seinem Tourismusbetrieb maßgeblich von der Schließung der Schleuse betroffen (Bild: Brandenburg Aktuell)
Bild: Brandenburg Aktuell

Buchungen storniert, Mitarbeiter entlassen

Für die Touristiker rund um Templin ist das ein herber Rückschlag. Sie hatten gehofft, dass noch ein Teil der Freizeitkapitäne die Schleuse passieren kann. Die dauerhafte Schließung hat jetzt bereits erste Konsequenzen. „Meine Kunden können hier nur einen Tag fahren, dann ist Schluss. Das reicht nicht aus. Rund 80 Prozent der Buchungen wurden bereits für dieses Jahr storniert“, erklärt Rainer Schimke, der am Röddelinsee eine Marina und eine Bootsvermietung betreibt. Zwei Mitarbeitern musste er bereits kündigen.

So wie ihm geht es zahlreichen Touristikern, denn mit der Schließung der Kannenburger Schleuse sind die Templiner Gewässer von der Havel abgeschnitten und eine Sackgasse. Auch für die Sportler ist das ein Problem, erklärt Dietmar Bootz vom Segel Club Templin: „Unsere Segelgebiete in Lychen, Fürstenberg bis zur Müritz hoch können wir auf dem Wasserweg nicht mehr erreichen.“ Die großen Segelboote werden deshalb die kommenden Jahre auf den Templiner Gewässern bleiben müssen.

Die baufällige Schleuse Kannenburg bei Templin ist für Boote gesperrt
Bild: rbb|Björn Haase-Wendt

Bund sagt Neubau zu

Doch es gibt Hoffnung. Knapp zwei Monate nach der Schleusenschließung hat der Bund jetzt zugesagt, die Schleuse zeitnah ersetzen zu wollen. „Wir erwarten jetzt die Entscheidung plant der Bund selbst oder plant die Stadt Templin im Auftrag des Bundes. Das gebaut wird, die Entscheidung ist durch“, sagt Peter Münch vom WSA Eberswalde auf der Informationsveranstaltung im Templiner Rathaus. Rund 3,6 Millionen Euro sind für den Neubau notwendig, das ergaben erste Schätzungen – der Bund übernimmt die Kosten komplett.

Templin treibt Neubau voran

Templin hat zudem angeboten, die Planungen für den Neubau anzustoßen und zu beauftragen. „Wir gehen davon aus, dass in absehbarer Zeit das Bundesverkehrsministerium reagiert“, sagt Bürgermeister Detlef Tabbert. Dann könnte Templin ein Ingenieurbüro beauftragen, die Planungen zu erstellen um den Bau so schnell wie möglich zu starten. Das Ziel: 2020 soll wieder geschleust werden.

Durch dieses Verfahren könnte der Bau schneller starten, als wenn das WSA selbst plant. „Wir haben nicht genügend Personal um an allen Haupt- und Nebenwasserstraßen Personal einzusetzen. In zwei, drei Jahren wären wir selbst vielleicht soweit und würden uns der Sache annehmen“, fügt WSA-Leiter Peter Münch hinzu.

Bürgerversammlung zur Schleuse Kannenburg bei Templin
Bild: rbb|Björn Haase-Wendt

Touristiker optimistisch

Die Neubaupläne und die Zusagen aus Berlin stimmten den Großteil der Touristiker auf der Krisensitzung zufrieden. Denn im Zuge des Neubaus soll die Schleuse Kannenburg auch in ihrer Kapazität von derzeit rund 7.000 geschleusten Booten auf bis zu 15.000 möglichen erweitert werden. „Wenn das so wie geplant abläuft, dann können wir für die Region Hoffnung haben, dass wir den Wassertourismus erhalten können“, kommentiert Marina-Chef Rainer Schimke. Wichtig sei aber, dass der Zeitrahmen von 18 Monaten Planungs- und Bauzeit eingehalten wird. „Wir müssen uns jetzt zwei Jahre über Wasser halten und hoffen, dass es weiter geht“, fügt er hinzu.

Umdenken beim Bund

Auch WSA-Chef Peter Münch sprach von einem Umdenken im Bund. Bisher wurden Investitionen in Wasserstraßen, auf denen kein Güterverkehr mehr stattfindet, weit zurückgestellt. Von einem guten Tag für den Wassertourismus sprach sogar die „Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg“ (WIN). Sie will die Gewässer zwischen Ostprignitz-Ruppin und der Uckermark zum attraktivsten Wassersportrevier Europas entwickeln.  

„Der Bund hat `Butter bei die Fische´gegeben und nicht lange gezögert. Das sendet ein positives Signal an alle, die in der Region auf den Wassertourismus bauen“, erklärte Andreas Ernst von der WIN. Künftig müssen Investitionen in Schleusen aber langfristiger geplant werden, um kritische Situationen, wie es sie jetzt für die Templiner Tourismusanbieter gibt zu vermeiden.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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