(Robert Menasse an der Viadrina - Quelle: rbb|Andreas Oppermann)
Nachrichten Antenne Brandenburg 21.05.2019 | Bild: rbb|Andreas Oppermann

Buchpreis-Gewinner Robert Menasse in Frankfurt (Oder) - Ein Österreicher und seine Sicht auf die Krise in Wien

Der namhafte Schriftsteller Robert Menasse war in Frankfurt zu Gast an der Europa-Universität. Der Österreicher hat aus seinem Roman „Die Hauptstadt“ gelesen. Im Anschluss stellte sich der 1954 in Wien geborene Autor einer heiklen Debatte zum Thema Nationalismus - absolut aktuell nach dem Skandal um FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und die dadurch ausgelöste Regierungskrise in Österreich.

 

Robert Menasse sitzt lässig im Sessel des Frankfurter Logenhauses. Der Saal ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Es geht eigentlich um Nationalismus in Europa. Aber die Regierungskrise in Österreich beschäftigt die Studierenden und Gäste. Deshalb gibt es aktuelle Fragen an den Wiener Essayisten, auch vom rbb. Die Videoaffäre um Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der rechtspopulistischen FPÖ hat die österreichische Regierung platzen lassen und Robert Menasse sich dazu seine Gedanken gemacht.

"Die Europawahl ist nur ein Stimmungstest"

Was sind die Hintergründe der sogenannten Video-Affäre? Der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" hatten ein Video veröffentlicht. Darin werden möglicheweise illegale Parteispenden an die FPÖ thematisiert. Zudem stellt der zurückgetretene österreichische Ex-Vizekanzler einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte bei einem Treffen auf Ibiza öffentliche Aufträge in Aussicht, sollte sie der FPÖ zum Erfolg bei den Nationalratswahlen verhelfen. Robert Menasse sagte in Frankfurt (Oder) dazu: "Es ging meiner Meinung darum, dass Kanzler Sebastian Kurz einen großen Knall gebraucht hat, bevor er selbst Schaden nimmt." Der Schriftsteller aus Wien sieht das Veröffentlichen des Skandal-Videos nicht im Zusammenhang mit der Europawahl.

Barock und theatralisch - so reagieren die Österreicher gerne

Österreichs Kanzler Kurz profitiert also nach Meinung des politischen Essyisten von der Krise und dem Rücktritt der FPÖ-Minister seiner jetzigen Regierungskoalition. Die Art und Weise des Krisenmanagements allerdings sei typisch für die Wiener Regierung. Menasse meint: "Es ist typisch österreichisch, dass in Krisen oder Affären auf einerseits barock-theatralische Weise reagiert wird, aber der wirklich Verantwortliche nie zurücktritt." Robert Menasse sieht Kanzler Kurz in der Verantwortung. Er hätte die Rechtspolulisten zu lange gewähren lassen.

Wie geht es weiter?

Ein Stimmungsbarometer - mehr sei die Europawahl nicht, sagt der Schriftsteller weiter. Es ginge nicht um eine Stimme für Österreich in Brüssel. Derzeit suchten die Christdemokraten in Wien nur nach einer Einschätzung ihrer Beliebtheit. Dabei hilft die Europawahl. Menasse resümiert: "Die Europawahl hat für ihn (Kanzler Kurz, Anmerkung der Redaktion) die Bedeutung eines Stimmungstests und wenn sein Kalkül aufgeht und eine deutliche Abwanderung passiert (von der FPÖ zu den Christdemokraten, Anmerkung der Redaktion), dann weiß er es. Wenn nicht, dann wird er neue Kampagnen beginnen müssen." Im September soll es Neuwahlen in Österreich geben.

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