Ein Schäfer unterwegs mit seiner Herde (Quelle: Imago)
Audio: Antenne Brandenburg | 10.07.2019 | Johanna Siegemund | Bild: imago stock&people / epd

- Brandenburgs Schäfer kämpfen weiter

Der Wolf und Brandenburgs Schafe - es ist eine nie enden wollende Geschichte. Nun lud der Deutsche Landesschafzuchtverband ein, um über aktuelle Maßnahmen zu sprechen und mitzuteilen, dass ein Schäfer aus der Nähe von Trebbin seine Zucht aufgeben muss.

Tierverluste trotz Elektrozaun

Der 65-jährige Dirk Hoffmann hat genug vom Wolf: 2016 schlugen die Tiere zum ersten Mal zu und rissen zwei Schafe. 2017 dann kam es zu sechs Übergriffen. "Dabei wurden fast 100 Tiere getötet", sagt Hoffmann. Kurze Zeit später verloren wieder 16 Schafe ihr Leben.

Danach stand für ihn fest: "Dass ich mir das nicht mehr länger antun muss." Denn trotz der Elektrozäune kann Dirk Hoffmann seine schon von 650 auf 300 Tiere reduzierte Schafherde nicht mehr absichern.  

Herdenschutz in manchen Gebieten schwierig

Doch Dirk Hoffmann scheint nur eine Ausnahme in Brandenburg zu sein. Laut Knut Kutcznik, Vorsitzender vom Schafzuchtverband Brandenburg, könne Deutschland beim Thema Herdenschutz sogar von Brandenburg lernen.

In Brandenburg regelt die Wolfsverordnung seit 2017, dass Wölfe, die mehrfach Nutztiere in gut gesicherten Anlagen gerissen haben, getötet werden dürfen.

"Seitdem es diese Verordnung gibt, musste bei uns kein Wolf geschossen werden", sagt Kutcznik. Zwar gebe es Flächen, wie etwa Deiche oder Gebirge, wo es schwieriger sei, aber das sind laut Kutcznik Ausnahmen. "Herdenschutz funktioniert in Brandenburg zu 100 Prozent", sagt er.

Weidetierprämie kann helfen

Trotzdem ist der Beruf des Schäfers ein Aussterbender. Im Schnitt verdient ein Schäfer pro Stunde kaum sechs Euro, ist aber fast rund um die Uhr im Einsatz. Und dann auch noch der Wolf, der manche Betriebe herausfordert und ans Existenzminimum treibt.

Knut Kutcznik kritisiert außerdem die fehlende Wertschätzung gegenüber der agrarökologischen Dienstleistung, die die Schäfer und ihre Tiere erbringen.

Die Weidetierprämie hingegen sei hilfreich. Das sind 40 Euro im Jahr pro Schaf oder auch Ziege. "Und wenn wir dann noch den Unterhalt für den Herdenschutz bezahlt bekämen, wäre ein Zusammenleben mit dem Wolf hier in Brandenburg möglich", meint der Oberschäfer.

Beitrag von Johanna Siegemund

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