In einerm Küchenraum stehen links Obst- und Gemüsekisten in Regalen. Auf einer Kühltruhe im Vordergrund und in einem Regal rechts liegen Kekspackungen und weitere Lebensmittel.
Audio: Antenne Brandenburg | 12.07.2019 | Autor: Klaus Lampe | Bild: rbb/Klaus Lampe

44. Tafel in Brandenburg - Neue Tafel in Oderberg im Barnim eröffnet

Mehr als 40 Tafeln gibt es in Brandenburg. Allein zwölf dieser ehrenamtlichen Hilfsangebote befinden sich in Ostbrandenburg. Und der Bedarf scheint ungebrochen: In Oderberg im Barnim hat jetzt eine neue Essensausgabe für Bedürftige eröffnet. Von Klaus Lampe

Deutschland ist ein reiches Land, aber bei den Brandenburger Tafeln steigt die Nachfrage nach Lebensmitteln und Gebrauchsgütern. Hartz-IV-Empfänger kommen als sogenannte Aufstocker, Senioren mit Minirenten und auch Asylsuchende müssen sich dort versorgen, weil sie nicht über die Runden kommen. In Oderberg im Barnim hat am Freitag eine neue Tafel eröffnet. Es ist die 44. in Brandenburg.

In einerm Küchenraum stehen links Obst- und Gemüsekisten in Regalen. In einem Raum dahinter stehen weitere Kisten mit Lebensmitteln.
Blick in den Tafelladen in Oderberg | Bild: rbb/Klaus Lampe

Mitsingende Tafel-Besucher

"Ich hab' hier immer eine Musikbox", sagt Petra Jäckel, die den Tafelladen im Kirchengemeindehaus in der Innenstadt gemeinsam mit Kerstin Leppun führt. Viele der Besucher der Tafel fingen an, die Lieder mitzusingen, erzählt sie und ihre Augen strahlen. Sie war schon beim ersten Tafelladen dabei, der bis 2016 Bedürftige in Oderberg mit Essen versorgte.

Jetzt, beim Neustart durch die Bernauer Tafel arbeitet, sie wieder ehrenamtlich mit. "Es macht mir Spaß, Menschen zu helfen, die in Armut sind. Wovon sollen die das alles bezahlen?", erklärt Jäckel ihr Engagement. Auch ihre Mitstreiterin Kerstin Leppun weiß genau, warum sie sich hier einbringt: "Unsere Arbeit ist wichtig, weil die Leute so wenig Geld haben."

Steigende Nachfrage

Peter Raske, der zuständig ist für die Tafeln in Oderberg und Bad Freienwalde im Landkreis Märkisch-Oderland, sagt: "In Barnim gibt es drei Tafeln: Oderberg, Bernau und Eberswalde. Allein die Tafeln in Bernau und Oderberg versorgen ungefähr 1.000 bedürftige Familien."

Und der Bedarf steige, erklärt Raske weiter. So kämen etwa immer mehr alte Menschen zur Tafel. "Den niedrigsten Rentenbescheid habe ich in Bad Freienwalde bei einer älteren Dame gesehen. Die hatte 250 Euro. Miete und Strom sind feste Kosten. Da wird leider zuerst am Essen gespart."

Aber die Menschen kommen nicht nur wegen des Essens: "Ich finde das Angebot hier sehr gut. Es ist auch wichtig, dass man sich ein bisschen unterhalten kann", sagt ein Gast. Neben Menschen von außerhalb Oderbergs kommen auch viele Asylsuchende aus einem nahegelegenen Heim in den Tafelladen. "Die Menschen sind sehr nett. Jeder hilft mit und es ist alles da", sagt einer von ihnen. Er lebt seit eineinhalb Jahren in Deutschland.

Bald auch ein Tafelcafé?

Seine Tafel ist zwar gut besucht. Dennoch schätzt Geschäftsführer Raske, dass bis zu 20 Prozent der Bedürftigen nicht kommen - meist aus Scham. "Vielerorts wird das Problem totgeschwiegen. Über Bad Freienwalde wird zum Beispiel gesagt, das sei eine reiche Kurstadt ohne Bedarf für eine Tafel."

Davon lassen sich die Tafelmitarbeiterinnen aber nicht beeindrucken. Inzwischen planen sie sogar ein kleines Tafelcafé wie in Bernau. Die Oderberger Tafel-Leiterin Kerstin Leppun erklärt, warum sie das für wichtig hält: "Viele Menschen kommen auch zum Quatschen, weil sie sonst viel alleine sind", so Leppun. Gerade für die Leute in Oderberg wäre das sehr schön, erklärt ein Gast, der ebenso wie das Team von der Idee angetan ist.  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren