Bundesjugendministerin Franziska Giffey (SPD) hält die 18. Shell-Jugendstudie "Jugend 2019 - Eine Generation meldet sich zu Wort" in den Händen © dpa/Britta Pedersen
Audio: Antenne Brandenburg | 15.10.2019 | Bild: dpa/Britta Pedersen

2.500 Jugendliche befragt - Shell-Jugendstudie 2019 sieht Politisierung der Jugend

Seit 1953 wird die Shell-Jugendstudie durchgeführt. Unabhängige Wissenschaftler fragen alle vier Jahre ab, was die 12- bis 27-jährigen so bewegt. Das Ergebnis in diesem Jahr: Knapp ein Viertel der Jugendlichen ist zumindest offen für Rechts- und Nationalpopulismus.

Die gute Nachricht zuerst: Die Mehrheit der Jugendlichen ist laut Mathias Albert, dem Leiter der Studie von der Universität Bielefeld, pragmatisch, tolerant und zuversichtlich geblieben. Dafür hat die Angst vor der Umweltverschmutzung und vor Klimawandel in den letzten vier Jahren zugenommen. Auch die Angst vor Zuwanderung hat zugenommen, viel stärker aber noch die Angst vor Ausländerfeindlichkeit. Dennoch ist ein signifikanter Teil -  24 Prozent - der 2.500 befragten Jugendlichen auch für populistisch-nationalistsche Aussagen zumindest empfänglich. Neun Prozent stimmten populistischen Aussagen sogar ganz zu. Das sei besorgniserregend, sagte auch Bundesjugend- und Familienministerin Franziska Giffey (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung der Studie. Helfen solle gegen solche Entwicklungen auch in Zukunft unter anderem politische Bildung.

Politisch ja, Politiker nein

Die Wissenschaftler haben zudem festgestellt, dass die 12- bis 27-Jährigen sehr umwelt- und auch gesundheitsbewsst sind. Die gut Gebildeten, inzwischen vor allem junge Frauen, sind besonders politisch engagiert. 77 Prozent sind zufrieden mit Demokratie als politsches System. Doch während politsches Engagement sehr positiv gesehen wird, kommen Parteien und Politiker nicht gut bei den Jugendlichen an. 71 Prozent glauben nicht, dass sich Politkerinnen und Politiker für ihre Belange interessieren. Aber in Bewegungen wie "Fridays for Future", die unter anderm auch in Strausberg, Eberswalde und Frankfurt (Oder) aktiv sind, wird deutlich, dass es politisches Engeagement auch außerhalb der Parteien gibt.

Giffey spricht von "Generation Europa"

94 Prozent der befragten Jugendlichen verbinden Positives mit der Europäischen Union. Zum Beispiel die Möglichkeit zu reisen, sich frei zu bewegen, zu arbeiten und zu studieren, zählte Giffey auf. Man könne sogar von der „Generation Europa“ sprechen, so die Ministerin. Beim deutsch-polnischen Jugendwerk in Brandenburg kennt man diesen Trend schon seit längerem. Seit 1991 sind in diesem Jahr drei Millionen Jugendliche über deutsch-polnische Projekte zusammengekommen, sagt Geschäftsführer Stephan Erb dem rbb. Viele Einrichtungen wie Schulen und außerschulische Einrichtungen hätten großes Interesse am Austausch mit Polen. Das Interesse an grenzüberschreiterner Begegnung und Freundschaft sei nach wie vor sehr groß bei jungen Leuten, bestätigte Erb.

Traditionelle Rollenmuster

Ebenfalls interessant ist die Vorstellung der Jugendlichen zum Thema Familie. Erstmals haben  die Wissenschaftler gefragt wie die Kinderbetreuung in einer Partnerschaft aufgeteilt werden würde. Die Jugendlichen sollten sich vorstellen 30 Jahre alt zu sein und ein zweijähriges Kind zu haben. Hierbei kamen traditionelle Rollenmuster zum Vorschein. Auch im Osten wollen immerhin 31 Prozent der jungen Frauen beruflich fürs Kind zurückstecken, im Westen sogar 56 Prozent. Das geht laut der Wissenschaftler damit einher, dass die Jugendlichen mit ihren Eltern als Erziehungsvorbilder sehr zufrieden sind. Viele wollen es mit ihren Kindern genauso handhaben wie ihre Eltern mit ihnen. Zugeleich möchten junge Männer aber auch als Väter eine wichtige Rolle in der Familie spielen. Insgesamt ist Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf ein den Jugendlichen ein wichtiges Anliegen.

 

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