Polnische Abiturientinnen laufen über die Brücke zwischen Frankfurt und Slubice sie kommen für das Abitur nach Frankfurt (Oder)
Audio: Antenne Brandenburg | Michel Nowak | 20.04.2020 | Bild: rbb/Michel Nowak

Polnische Grenze geschlossen wegen Corona - Polnische Schüler sollen trotz Corona in Frankfurt Abitur machen

In Polen wohnen und in Frankfurt (Oder) zur Schule gehen - Das geht nicht mehr, weil die polnischen Regierung die Grenze praktisch geschlossen hat. Polnische Schüler wollen dennoch in Frankfurt Abitur machen und ziehen dafür einen Monat in ein Hotel. Von Michel Nowak

Abitur während Corona-Krise? Das war lange mit einem großen Fragezeichen versehen. Doch mit den ersten Lockerungen haben am Montag in Brandenburg die schriftlichen Abiturprüfungen begonnen. Auch im äußersten Osten Brandenburgs. Hier gehen normalerweise auch einige polnische Schüler zur Schule, die täglich über die Grenze pendeln. Das können sie jetzt nicht mehr, weil sie auf dem Rückweg zwei Wochen in Qurantäne müssten.

Aber die 21 polnischen Zwölftklässler des Frankfurter Karl-Liebknecht-Gymnasiums haben gemeinsam mit ihrer Schule eine kreative Lösung gefunden. Um doch noch die Abiturprüfungen schreiben zu können, sind sie für einen Monat nach Deutschland gezogen. 

"Für mich war es normal, dass ich jeden Tag in Slubice und in Frankfurt bin"

Manche von ihnen haben dabei ein komisches Gefühl. "Für mich war es normal, dass ich jeden Tag in Slubice und in Frankfurt bin", erzählt etwa Magdalena Woicznak, "Ich habe einen Monat zuhause verbracht und jetzt muss ich einen Monat in Deutschland bleiben."

Aber insgesamt überwiegt bei den polnischen Schülerinnen und Schülern der Optimismus. "Es ist traurig, dass ich meine Familie nicht sehen kann, aber andererseits ist es wirklich schön, dass ich Abitur schreiben kann", sagt Magdalena Torjnara und auch ihre Klassenkameradin Magdalena ist letztlich guter Dinge: "Wir haben zwei Jahre in der Schule gut gelernt und schaffen es hoffentlich jetzt, ein sehr gutes Abitur zu schreiben."

 

Unterkunft in Internat

Am Donnerstag lief die kleine Schülerschar über die sonst leergefegte Stadtbrücke von Slubice nach Frankfurt. Dort wurden sie schon von ihrem Schulleiter Torsten Kleefeld erwartet. Auch er freut sich für seine Abiturkandidaten: "Immerhin sind die Schülerinnen und Schüler drei Jahre zur Schule gegangen und sind jetzt auf der Zielgeraden. Ich finde es gut, dass sie ihre Schullaufbahn bei uns ordentlich beenden können."

Für die 17- und 18-jährigen wurde extra das sonst geschlossene Internat "Haus Einstein" wieder eröffnet. Am Freitag wird es dann ernst: Dann beginnen die ersten Prüfungen in Englisch. Aber darin sehen alle angehenden Abiturienten aus Polen vor allem einen Vorteil: In ihrem Heimatland sind nämlich alle Schulprüfungen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

 

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