Symbolbild: Eine Filiale der Creditreform in Berlin Mitte. (Quelle: dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 29.05.2020 | Autorin: Marie Stumpf | Bild: dpa

Schulden durch Corona-Krise - Das Loch im Geldbeutel

Zehn Prozent der Brandenburger waren laut Schuldneraltas Ende vergangenen Jahres überschuldet. Die Schuldnerberatung der Diakonie Berlin-Brandenburg befürchtet: Wegen der Corona-Krise könnten es bald deutlich mehr sein. Von Marie Stumpf

Die einen merken es gar nicht im Portemonnaie, die anderen gravierend. Corona hat bei jedem Brandenburger anders zugeschlagen. Das könnte für einige ein Problem werden: Die Schuldnerberatung der Diakonie Berlin-Brandenburg befürchtet nach eigener Aussage, dass die Verschuldung nun wegen Corona deutlich steigen könnte.

In Zeiten von Corona habe das Thema Schulden eine neue Brisanz erreicht, sagt Diakoniedirektorin Barbara Eschen zum Abschluss der bundesweiten Aktionswoche zur Schuldnerberatung, die am Freitag zu Ende gegangen ist.  

Nur wenige Monate durchzuhalten

Hatten Ende vergangenen Jahres laut Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform noch zehn Prozent aller Brandenburger mehr Ausgaben als Einnahmen, könnten es inzwischen deutlich mehr sein.

"Wenn ich mir das vorstelle, dass da Menschen in Kurzarbeit sind, die haben natürlich mit einmal einen enormen Einbruch von ihrem laufenden Einkommen. Das kann man vielleicht ein, zwei oder auch drei Monate noch ganz gut hinbekommen. Aber danach ist es auch durch", sagt Barbara Eschen. Ein weiterer Punkt seien die vielen Betriebe, die durch die Krise in ihrer Existenz bedroht seien.

Wenige haben Einbußen

Aktuelle Zahlen zur Überschuldung in Brandenburg gibt es bisher zwar noch nicht, dafür aber eine Bilanz der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. "Es gibt Menschen, die coronabedingt finanzielle Einbußen haben", sagt Sprecher Robert Heiduck, "Das sind bei unseren Kunden aber insgesamt nur etwa 350. Bei den vielen Tausend Kunden, die wir haben, ist das sehr, sehr wenig."

Geld gehortet - Konsum sinkt

Tatsächlich gehe der Trend aktuell eher in die andere Richtung: "Die breite Masse hat sogar noch mehr Geld auf dem Konto als üblicherweise, weil sie in den vergangenen Wochen weniger Gelegenheiten hatte, das Geld auszugeben", sagt Heiduck, "Die Bürger horten so viel Geld, wie seit der Finanzkrise nicht mehr."

Der Konsum steht dabei zurück. Das sieht man auch an den Krediten. Laut Heiduck sind die Konsumenten-Kredite der Mittelbrandenburgischen Sparkasse im April um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück gegangen.

Rechtzeitig zur Schuldnerberatung gehen

Bis sich das gesamte Ausmaß der Corona-Krise in den Überschuldungszahlen wiederspiegelt, wird es noch dauern. Die Diakonie Berlin-Brandenburg empfiehlt aber schon jetzt, rechtzeitig zur Schuldnerberatung zu gehen – möglichst, bevor der Schuldenberg zu groß wird.

In Brandenburg gibt es insgesamt elf Beratungsstellen der Diakonie, unter anderem in Luckenwalde, Strausberg, Cottbus und Frankfurt (Oder). Seit zwei Wochen ist dort auch wieder eine persönliche Betreuung möglich. Es muss aber vorher telefonisch ein Termin ausgemacht werden.

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Beitrag von Marie Stumpf

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