Fotograf Bernd Hiepe neben einer seiner Fotografien.
Audio: Antenne Brandenburg | 26.06.2020 | Anna Bayer | Bild: rbb / Anna Bayer

Ausstellung Agrarmuseum - Benzinkühe und andere DDR-Erfindungen

Einfallsreichtum statt Kapitalismus: In einer Ausstellung im Agrarmuseum sind ausgefallene Landmaschinen aus der DDR-Zeit zu sehen, die Menschen sich selber zusammengebastelt haben. Von Anna Bayer

"Benzinkühe" oder "Esel" wurden sie genannt – die selbst zusammengebastelten Traktoren, die viele DDR-Bürger nutzten, um ihr kleines eigenes Stück Land zu bestellen. Auch elektronische Geräte wie Rasenmäher gab es nicht zu kaufen. Und so war Einfallsreichtum gefragt. Aus Einzelteilen von alten Militärfahrzeugen, Teilen von Trabanten oder Motorrädern entstanden die kuriosesten Vehikel.

Der Fotograf Bernd Hiepe hat, zusammen mit seinem Kollegen Erasmus Schröter, zwischen 1992 und 1994 in Thüringen Tüftler zusammen mit ihrem Gefährt abgelichtet. Die Fotos sind jetzt in einer Sonderausstellung im Barnim Panorama in Wandlitz zu sehen.

Weiterentwicklung dank Trabant

Auch wenn die Fotos in Thüringen entstanden sind – in Brandenburg gab es ebenso Tüftler, die sich ihre eigenen Landmaschinen zusammengebaut haben. Jürgen Lehmann aus Bernau ist einer von ihnen. Bei der Ausstellungseröffnung steht er vor seiner selbstgebauten Fräse in der Traktorenhalle des Barnim Panoramas. Stolz präsentiert er sein Gefährt den anderen Besuchern. Einige von ihnen erkennen sofort: Die Reifen sind von einem Trabant. "Sie lassen sich besser lenken und besser fahren als wenn man nur Eisenräder dran hat," sagt er. Das sei die Weiterentwicklung einer herkömmlichen Fräse, fügt er hinzu und lacht.

Männer mit Erfinderstolz

Lehmann hatte damals eine Gärtnerei und baute sich die ungewöhnliche Maschine, um privat damit freie Flächen zu bewirtschaften. Er und um die 30 anderen geladenen Gäste sind hier, um die Ausstellung des Fotografen Bernd Hiepe anzusehen. Auf den Fotos sind Männer wie Jürgen Lehmann abgelichtet, die stolz neben ihren selbstkreierten Landmaschinen stehen. Er habe sie nicht so inszeniert, erinnert sich der Fotograf: "Wir haben nicht gesagt: jetzt gucken Sie mal ganz stolz. Die haben sich einfach gefreut, dass wir nicht nur ihr Fahrzeug fotografieren wollten, sondern auch sie."

Und das sehe man ihnen an, sagt Hiepe. Auch die Kuratorin der Ausstellung, Elke Kimmel, hat dieser Besitzerstolz gereizt, als sie sich dafür entschieden hat, die Ausstellung in das Barnim Panorama zu bringen: "Das sind ja alles keine reichen Leute, die man da sieht. Sie strahlen alle eine große Würde aus. Die lassen sich nicht klein machen." Das habe nichts mit einem Bankkonto zu tun, sagt Kimmel, sondern damit, dass man etwas könne und stolz darauf sein kann, was man geleistet hat.

Aus dem Mangel etwas Produktives machen

Die Kuratorin wollte die Fotos unbedingt im Barnim Panorama zeigen, um 30 Jahre Deutsche Einheit zu feiern. Beeindruckend findet sie besonders den Erfindungsreichtum, der durch die Mangelwirtschaft entstand: "Die Menschen haben es verstanden, aus den beschränkten Verhältnissen etwas Produktives zu entwickeln."

Bastler haben es schwer in der Wegwerfgesellschaft

Aber das habe sich jetzt grundlegend geändert. In der heutigen "Wegwerfgesellschaft" sei diese Eigenschaft nicht mehr notwendig, die Leute hätten sich schnell angepasst: "Natürlich ist es auch in der DDR ein Talent gewesen, dass dann ganz schnell aussortiert wurde – in dem Moment, in dem man ins Geschäft gehen konnte und sich so was kaufen konnte, den richtigen Trecker, "sagt Kimmel.

Das sieht auch Willi Schreier aus Bernau so. Er hat hier einen selbstgebastelten Rasenmäher im Barnim Panorama ausgestellt. Heute würde er sich keinen Rasenmäher mehr selbst bauen. "Die Zeiten sind vorbei. Heute gibt’s ja andere Möglichkeiten. Man kann ja alles kaufen und das ist immer sehr schön gestaltet," sagt Willi Schreier.

Und weil die ehemaligen Bastler nicht mehr basteln, deswegen stehen ihre kuriosen Gefährte aus einer vergangenen Zeit noch bis Oktober im Barnim Panorama.

Die Ausstellung ist täglich außer freitags im Barnim Panorama zu sehen. Wer selbst noch eine alte Maschine zu Hause stehen hat, kann sich beim Museum melden. Das Barnim Panorama sucht weiterhin alte selbstgebaute Landmaschinen aus dem Barnim und Umgebung.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.06, 15:30

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1 Kommentar

  1. 1.

    Klar gab es in der DDR Rasenmäher zu kaufen, elektrisch betrieben. Kann man sogar noch in vielen DDR Serien bewundern. Wie zum Beispiel bei Geschichten hinterm Gartenzaun oder Aber Vati.

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