Sammler Claudio Besanzoni präsentiert Duft-Flakons aus seiner Sammlung
Audio: Antenne Brandenburg | 27.07.2020 | Fred Pilarski | Bild: rbb

Reichenberg in der Märkischen Schweiz - Sammler präsentiert seine 15.000 Parfum-Flakons

Zwei Schweizer haben sich in der Märkischen Schweiz niedergelassen und ein Parfummuseum sowie das Lokal "Zum Schweizer" eröffnet. Beides im ehemaligen Kulturhaus der LPG. Das Museum zeigt 15.000 Flakons, es könnte ein neues Ausflugsziel im Ort werden. Von Fred Pilarski

Die alte LPG-Kulturbaracke von Reichenberg heißt jetzt "Zum Schweizer". Eigentlich passend, denn Reichenberg bei Neuhardenberg liegt schließlich auch in der Märkischen Schweiz. Die beiden neuen Besitzer diskutieren nun, ob ein Berner Kartoffelgericht auf die Speisekarte soll. Claudio und Francis sind aus der Schweiz nach Deutschland gekommen und haben eigentlich ein Schloss gesucht. Francis als Gastronom und Claudio für sein ganz spezielles Hobby: Die Welt der Düfte und ihrer Verpackungen.

Das alte LPG-Kulturhaus ist nun Gasthof und Museum
Bild: rbb

Bewerbung für Schloss Bad Freienwalde

Im Saal neben dem Gastraum hat Claudio Besanzoni nun Brandenburgs erstes Parfüm-Museum geöffnet. 15.000 Flakons von Duft-Designern hat er seit seiner Schulzeit gesammelt: Aus aller Welt und aus allen Epochen.

Das LPG-Haus hatten die beiden eigentlich nur als Lagerhalle vorgesehen. Beworben hatte sich das Paar mit einem Hotel- und Museumskonzept für das Schloss Bad Freienwalde. "Nur irgendwie kam da nie eine Entscheidung. Also haben wir letzten November gesagt, wir wollen auch nicht mehr. Wieder ein halbes Jahr warten wollten wir auch nicht." Also blieben sie in Reichenberg.

Neuer Gasthof in Reichenberg

So hat Reichenberg nach Jahren einen neuen Gasthof, ein neues Ausfugsziel - und neue Einwohner. Das gefällt auch dem Ortsvorsteher, Horst Schulz: "Das ist ein Anziehungspunkt, ein Magnet. Wir haben ja schon in Julianenhof das Fledermausmuseum, wo auch viele Events stattfinden. Lokal und Museum passen gut hierher", findet er.

Düfte des Ostens

Mit 15 hat Claudio angefangen zu sammeln, fragte nach Testflaschen aus Baseler Parfümerien. "Als junger Mensch ist ein Parfüm ein Stück Luxus. Das kannte man von den Eltern oder Großeltern, dass Parfüm was Besonderes ist", sagt er. "Meine Mutter war alleinerziehend, musste putzen gehen, hier und da aushelfen. Paris war für mich nur ein Name. Das ist schon ein Stück weite Welt."

In Gedanken in der Welt der Düfte - in der Wirklichkeit Lebensmittelhändler bei Basel. Endlich aber hat der 43-Jährige sich nun mit dem Museum einen Traum wahrgemacht. Auch der Osten hat darin seinen Platz: Bulgarisches Rosenöl etwa. "Kenn ich", sagt Ortsvorsteher Schulz. "Ende der 1980er Jahre war ich Schlafwagenschaffner bei der Mitropa, Leiter einer fahrenden Hoteleinrichtung, da bin ich nach Sofia und Warna gefahren und da hat man sich sowas als Erinnerung mitgebracht", sagt er.

Sammler Claudio Besanzoni präsentiert Duft-Flakons aus seiner Sammlung

"Da, wo man geküsst werden will."

Und wie verwendet man das Parfum dann richtig? Besenzoni macht es vor. "Da, wo man geküsst werden will, sagte schon Coco Chanel, da, wo das Blut pulsiert, kommt ein Tropfen hin", sagt er. An den Hals etwa, direkt unterm Ohr, oder innen ans Handgelenk.

Fast jeden Tag bekommt Claudio Besenzoni von irgendwoher neue leere Flaschen zugeschickt. Jede ist auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte: so wie ein großer Flakon aus grünem Glas, mit Lavendelöl, von der deutschen Firma Lose. "Heute gehört das L’oreal, aber damals war das noch eigenständig", erklärt er. Claudio und sein Partner wohnen nun auch im alten Kulturhaus. Die alte Bühne ist jetzt ihr Wohnzimmer. Und die kleine Hundedame, die alles bewacht, heißt übrigens Coco.

Beitrag von Fred Pilarski

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