Die Linksfraktionen im Kreistag Oder-Spree diskutiert Tesla in der Region.
Audio: Antenne Brandenburg | 14.08.2020 | Andreas Oppermann | Bild: rbb / BA

Linke tagen zu Tesla-Werk - "Aber bitte mit Tesla-Geschwindigkeit!"

Die Landtagsfraktion der Linken tagt in Erkner zum Thema Tesla. Vor allem kritisieren sie die zurückhaltende Landesregierung. Dabei macht einigen die Geschwindigkeit des Baus sowohl Eindruck wie auch Angst.

Tesla wächst. Auf der Baustelle an der östlichen A10 sind die Fundamente gelegt. Das Gerüst für die Außenwände steht. Vor fünf Monaten versuchten ungefähr genau an dieser Stelle zwei Baumbesetzerinnen die Rodung des Kiefernforsts zu verhindern. Die Erlaubnis zu seiner Fällung war die erste vorläufige Genehmigung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens. Drei weitere folgten bereits.

Mit der Geschwindigkeit der Genehmigungen hat sich am Freitag Die Linke beschäftigt. In Erkner hat die Landtagsfraktion mit den Verantwortlichen aus der Region über das Tesla-Werk und die Auswirkungen auf die Region diskutiert.

Landesregierung zu zurückhaltend

Der Landkreis Oder-Spree bemängelt, dass auf ein seit Monaten vorliegendes Konzept zur Infrastruktur vom zuständigen Ministerium noch nicht eingegangen wurde. Vertreter des Wasserverbandes Strausberg-Erkner kritisieren, dass es noch immer kein Konzept zur überregionalen Wasserversorgung für Berlin und Brandenburg gebe. Nur damit ließen sich Großansiedlungen wie Tesla und der Bevölkerungszuwachs bewältigen. Die Linke fühlt sich in ihrer Kritik an der Landesregierung bestätigt. Sie erwartet schnelle und übergreifende Konzepte zur Verkehrsplanung, zur Wasserversorgung und zu den Themen Wohnen, Schule und Kitas.

Tesla prägt neue Redewendung in der Region

Es ist die Geschwindigkeit, mit der Tesla plant und baut, die vielen Bürgermeistern Sorgen bereitet. Gundula Teltewskaja, die Dezernentin für Ländliche Entwicklung im Landkreis Oder-Spree bestätigt das ungewöhnliche Tempo, dass der US-Elektroautobauer vorlegt: "Das ist nicht verwaltungsüblich, wie Tesla vorgeht", sagt sie, sieht es aber auch positiv: "Wir haben in der Verwaltung auch schon die Redewendung "Aber bitte mit Tesla-Geschwindigkeit" etabliert."

Zu wenig Platz für zuziehende Arbeitskräfte

Es gibt bei dem Großprojekt Tesla ganz viele Fragen, die das Land und die Kommunen zwischen Berlin, Grünheide, Fürstenwalde und Frankfurt (Oder)betreffen. Die Landtagsfraktion will vor allem verstehen, wie die Kommunen Tesla und das Agieren der Landesregierung wahrnehmen.

Die Region ist für Bevölkerung, bei Schulen, Kindergärten und vor allem bei Verkehrsinfrastruktur viel zu klein. Das hat zum Beispiel Erkners Bürgermeister Hendrik Pilz ausgeführt. Jetzt kommt Tesla noch dazu. Mit Tausenden Arbeitskräften, Pendlern und natürlich auch deren Familien. Trotzdem ist er für den Ausbau: "Es verändert unsere Region nachhaltig und neben den negativen Effekten kommen auch positive. Vor allem hören uns jetzt andere Leute!"

Große Pläne in kurzer Zeit

300 Hektar hat das gesamte Gelände in Grünheide. 90 sind bereits gerodet. Möglichst im Herbst soll das gesamte Gebäude stehen, um mit der komplexen Installation der Produktionsstraßen beginnen zu können. Echte neue Straßen wird es dann noch nicht geben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.08.2020, 17:00

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Es geht aber auch immer wieder, um den Verteilungskampf der Flächen. Die alte Agrar-und Forstwirtschaft gegen neue innovative Industrie. Die Brandenburger Bauernlobby, die Jäger und die Forstindustrie, der Windkraft-Ausbau und die Solarwirtschaft, haben einen riesigen Flächenverbrauch. Selbst, wenn der Flächenverbrauch von Tesla, statt 3 Quadratkilometern nur 1 Quadratkilometer betragen würde, fehlt diese Fläche einer anderen ,,Alten Brandenburger Lobby,,. Deshalb wird moderne Industrie, auch meistens dort angesiedelt, wo sie willkommen ist. Und das, ist mehr und mehr, das Ausland. Das hilft zwar unserem globalen Klima überhaupt nicht, aber die 3 Quadratkilometer Autobahn Wald sind gerettet. Und die Naturschützer haben 5 Fledermäuse mehr, neben der A10. 5 Fledermäuse und 3 Ameisenhügel bedeuten, einen gesicherten Arbeitsplatz in der Brandenburger Umweltbehörde ! Was interessieren da, Zigtausende Arbeitsplätze für das Berliner Umland !!!

  2. 4.

    Arbeitsplätze in und um Ostberlin, schafft halt immer noch der Staat. Ob der nun DDR oder BRD heißt, egal. Solange das Unternehmen nicht Stahl-und Walzwerk heißt, oder LPG,,Rote Rübe,, muss man, zuerst einmal von einer Unterwanderung durch den Klassenfeind ausgehen. Und als Grenzregion zu Osteuropa kann man sowieso davon ausgehen, die nächste Steuermilliarde folgt doch auch bald wieder - mit oder ohne Tesla. Nicht die Nähe zu den Alten Bundesländern ist heutzutage entscheidend, Nein die Nähe zu den ,,Brüderländern,, ist Gold wert. Wenn das der Alte Erich noch miterlebt hätte, was sein Osten an Wert hat !!!

  3. 3.

    Zum Thema Wald: dieser Wald war angelegt, um wieder abgeholzt zu werden. Und zwar unabhängig von Tesla oder Dritten. DasArgument kann doch nicht wieder und wieder verwendet werden. Deutschland ist ein Industriestandort und die Ansiedlung von Tesla kann Signalwirkung für andere Unternehmen sein. Das bedeutet Reputation, Steuereinnahmen z. B. für den Umweltschutz, Bildung und mehr. Zusätzlich das Schaffen von Arbeitsplätzen und Chancen für umliegende regionale Unternehmen (Hotels, Restaurant, etc. Das alles hätte ein leerstehender Platz mit abgeholzten Bäumen nicht geleistet...
    Abgesehen davon wird ja sogar noch mehr Wald von Tesla als Kompensation geschaffen..

  4. 2.

    Egal was weiter passiert, die Natur ist zerstört und im Falle eines Weiterbaus, wird die Region sich so sehr verändern, dass von der ursprünglichen Natur nichts mehr übrig ist. Das für diese Verhältnisse riesige Wald und Seen Gebiet wird nach und nach zerstückelt und abgeholzt um Verkehrswege und Wohnraum sowie Infrastruktur zu schaffen. Tesla mag für einige wenige ein Finanzieller Segen sein. Unserer gemeinsamen Umwelt wird Tesla nur schaden.

  5. 1.

    Das geht alles viel zu schnell! Wenn man seit mehreren Jahren weiß, dass dort Industrie geplant ist, wäre es doch schon vorher nötig gewesen, einige Vorbereitungen zu treffen. Bevor ein Projekt in dieser Größenordnung zugelassen wird, sollten solche Fragen, wie Wohnungsbau, Wasserversorgung und Verkehrsanbindung geklärt sein. Vorher, nicht hinterher. Nur mal angenommen, die Tesla-Fabrik wird nicht zu Ende gebaut, dann ist die Natur zerstört, die Schaffung anderer Arbeitsplätze verhindert worden und die Abwanderung vieler Fachkräfte, aus verschiedenen Berufen besiegelt.

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