Hundestaffel auf Suche nach ASP- Wildschweinkadaver
Bild: Mario Behnke/Landkreis Oder-Spree

Interview | Hundestaffel gegen Schweinepest - "Hunde sind mit ihren sehr guten Nasen besonders geeignet"

Seit Montag sind Suchhunde auf der Suche nach an der Afrikanischen Schweinepest verendeten Kadavern. Dafür mussten die Suchteams eine zweijährige Ausbildung absolvieren, erzählt Julia Blicke, die die Hundestaffel in Brandenburg koordiniert, im Interview.

Wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) schaut ganz Deutschland in diesen Tagen nach Brandenburg, ob sich die Seuche über das bisherige Gebiet der Kernzone an der deutsch-polnischen Grenze zwischen Schenkendöbern (Spree-Neiße) und Neuzelle (Oder-Spree) ausdehnt.

Damit das möglichst verhindert wird, kommen seit Montag Hundestaffeln aus Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein zum Einsatz. Die Hunde sind monatelang für die Suche nach Wildschweinkadavern ausgebildet worden. Jetzt kommt der erste Praxistext im Dauereinsatz für die Teams.

Wir haben mit Julia Blicke, der zuständigen Referentin für Tierseuchen im Umweltministerium von Rheinland-Pfalz gesprochen.

rbb|24: Warum schickt Rheinland-Pfalz schickt eine Hundestaffel nach Brandenburg?

Julia Blicke: Brandenburg hat uns bei der Fallwildsuche nach an der Afrikanischen Schweinepest verendeten Tiere um Amtshilfe gebeten. Wir hatten vor zwei Jahren begonnen, Hunde-Menschen-Teams auszubilden und wir sind natürlich gerne bereit, Brandenburg jetzt zu unterstützen, die Seuche möglichst schnell einzudämmen. Wir sind stolz darauf, dass wir jetzt drei Hundeteams zur Unterstützung nach Brandenburg schicken können.

Wer übernimmt die Kosten für diesen Einsatz?

In diesem Fall übernimmt das Land Rheinland-Pfalz die Kosten, da wir ja auch um Amtshilfe gebeten worden sind. Da ist es eigentlich üblich, dass man sich gegenseitig unterstützt und wir wären auch im gleichen Fall natürlich froh, Unterstützung aus den anderen Bundesländern zu erhalten.

Sie haben gesagt, seit 2018 haben Sie diese Hundestaffel ausgebildet. Wie haben Sie trainiert und wie läuft die Kadaversuche?

Die Afrikanische Schweinepest ist 2014 erstmals in der EU aufgetreten. Die ersten Fälle in Belgien waren damals nur noch 40 Kilometer von unserer Landesgrenze entfernt. Und da haben wir das dringende Bedürfnis gehabt, uns weitere Bausteine zur Bekämpfung der ASP zu sichern.

Hunde sind mit ihren sehr guten Nasen natürlich besonders geeignet, solche Kadaver zu finden. Insbesondere, wenn sie den Wind von der richtigen Seite aus erwischen. So haben wir mit dem Projekt begonnen und probiert, ob das möglich ist. Bei der Polizei gibt es auch Leichenspürhunde. Das funktioniert sehr gut und wir haben festgestellt, dass die Hunde die Kadaver eben aufspüren können. Die Herausforderung bei dieser Ausbildung ist, dass der Hund zum einen lernt, dass er die Kadaver findet und dann auch wiederum bei seinem Hundeführer meldet. Er muss auch lernen sowohl die frisch verstorbenen als auch die stark verwesten Kadaver zu finden.

Wie wurden die Tiere ausgebildet, haben Sie denen tote Wildschweine in den Wald gelegt?

Wir haben tote Wildschweine genommen und dann ausgelegt. Nach dem Training wurden diese auch wieder mitgenommen und eingefroren. Durch dieses immer wieder Auftauen und Einfrieren haben die Hunde dann eben auch gelernt, dass all diese Gerüche, die von den verschiedenen Verwesungsstadien ausgehen, zu dieser Suche gehören und dann auch entsprechend zu melden sind.

Wir wissen, dass das funktioniert. Wir machen das ja seit zwei Jahren und die Hunde machen das ganz hervorragend. Die Suche jetzt ist natürlich die Bewährungsprobe im Dauereinsatz, weil wir natürlich noch nie über mehrere Tage hinweg ununterbrochen gesucht haben. Wir werden drei Teams entsenden und die sollen dann erst einmal eine Woche dort unterstützen und suchen, wobei man auch gucken muss, wie das Wetter, die Geländeverhältnisse und die Kondition der Teams sind. Dann wird sich zeigen, wie viele Stunden am Tag so ein Team tatsächlich einsatzfähig sein wird.

Welche Hygienemaßnahmen sind bei der Kadaver-Suche zu beachten?

Ganz wichtig ist natürlich, dass das Virus nicht aus diesen Restriktionsgebieten herausgeschleppt wird. Je nach Ort gibt es dann bestimmte Vorgaben, wie etwa der Umgang in Bezug auf Kleidung, Schuhe aber auch auf die Hunde ist. Alles muss entsprechend gereinigt und desinfiziert werden, dass eben keine Virusverschleppung stattfindet. Denkbar wäre auch sonst noch eine Quarantäne für den Hund. Das muss auch vor Ort besprochen werden. Die Teams auch bringen Reinigungs- und Desinfektionsmittel mit.

Wie blicken denn Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein auf Brandenburg?

Wir bekommen zurzeit sehr viele Anfragen zur Schweinepest. Es war zu befürchten, dass die Seuche irgendwann in Deutschland auftritt. Dann kommen natürlich die Fragen der Landwirtschaft, der Jägerschaft oder von den Tierärzten, die ja auch alle wissen möchten, was für Konsequenzen jetzt das Auftreten der Schweinepest in Brandenburg hat oder was passiert, wenn die Schweinepest auch in Rheinland-Pfalz auftreten würde.

Wünschenswert wäre natürlich, dass die Schweinepest in Brandenburg schnellstmöglich wieder getilgt wird. Aber das ist ein sehr schwieriges Unterfangen, da man nicht genau weiß, was auf der anderen Seite, in Polen, momentan los ist. Eine solche Grenze macht eine Bekämpfung dann auch sehr schwierig. Auf der anderen Seite ist es so, dass die Schweinepest jederzeit überall auftreten kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Stefan Kunze für Antenne Brandenburg. Dieser Text ist eine redigierte und gekürzte Version des Gesprächs.

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.09.2020, 14:40 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren

Kompakt vom 26.Oktober 2020
Studio Frankfurt Oder

Aus dem Studio Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 26.Oktober 2020

+++ Polnische Ärzte dürfen weiter zur Arbeit ins Schwedter Klinikum+++ Circus Berolina in hat durch die Corona-Krise zu kämpfen+++ Netzwerktreffen gegen Oderausbau++ +Schulvorbereitung auf den Corona-Winter+++ Vorgestellt: Skispringer Max Unglaube+++Totschlagsprozess vor Landgericht+++

Marcello Spindler reißt Karten ab für die Show in Prenzlau.
rbb / Georg-Stefan Russew

Corona-Krise - Circus Berolina in Prenzlau hat zu kämpfen

85 Jahre Zirkusgeschichte feiert der Circus Berolina in diesem Jahr. In Prenzlau fand die letzte Vorführung in dieser Saisaon statt. Doch alle Rücklagen für den Winter sind durch die Corona-Zwangspause aufgebraucht. Von Georg-Stefan Russew