Ein Arzt impft am 13. Oktober 2020 in Berlin eine Patientin gegen Grippe. (Quelle: dpa/Zacharie Scheurer)
Bild: dpa/Zacharie Scheurer

Behörden sehen keinen Grippeimpfstoff-Mangel - Arztpraxen in Ostbrandenburg erleben Ansturm auf Grippe-Impfung

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen stark. Mehr Menschen wollen sich deshalb gegen die Grippe lassen. In manchen Praxen geht der Impfstoff aufgrund der Nachfrage zur Neige. Apothekerverband und Gesundheitsministerium sehen noch keinen Mangel. Von Georg-Stefan Russew

Mediziner in Ostbrandenburg schlagen Alarm: Immer mehr Menschen kommen aufgrund der Coronapandemie in die Arztpraxen und wollen sich zumindest gegen die Influenza schützen. Doch die Nachfrage ist aktuell größer als das Angebot. "Ganz klar, wir haben einen Impfstoffmangel", sagte Mediziner Andreas Huth. "Seitdem ich niedergelassen bin - also seit der Wende - habe ich sowas noch nicht erlebt", betonte der Frankfurter, der in der Oderstadt eine große Arztpraxis betreibt. Er habe mit Grippe-Impfungen Mitte September angefangen. Einen Monat später ist sein Jahresvorrat schon jetzt aufgebraucht.

Menschen folgen Impfaufruf

Auch das Gesundheitsamt Märkisch-Oderland beobachtet diese Entwicklung. Überall werde wegen der Corona-Pandemie gemahnt, man solle Doppelinfektionen vermeiden und sich die Grippe-Impfung holen, erklärte Amtsarzt Steffen Hampel. Und die Menschen folgten diesem Aufruf, auch solche, die keine Risikopatienten seien, führte er weiter aus. Allerdings würden die bundesweit bestellten 26 Millionen Impfdosen nur peu á peu ausgeliefert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse nachjustieren, verlangte Huth. "Ich kann nur sagen, dass 26 Millionen nicht reichen. Ich denke, er könnte zehn bis 15 Millionen draufpacken. Der Bedarf ist da. So muss man das einfach sagen", betonte der Frankfurter Mediziner.

Apothekerverband: Sieht noch keinen Engpass

Von Impfstoffmangel wollte der Brandenburger Apothekenverband aber nicht sprechen. "Das lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen. Was wir wissen ist, dass die Großhändler die benötigten oder vorbestellten Impfdosen jetzt ausliefern. Letztlich wird sich das im Laufe der Saison zeigen, ob die Nachfrage tatsächlich so groß ist, dass die vorbestellten und zur Verfügung stehenden Mengen ausreichen", sagte Pressesprecher Matthias Braband-Trabandt.

Ein Drittel mehr Impfstoff für aktuelle Grippesaison bestellt

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) wurden für Brandenburg insgesamt 990.000 Grippe-Impfstoffdosen bestellt. "Das sind rund ein Drittel mehr als in den Vorjahren verimpft wurden", erklärte KVBB-Mitarbeiterin Ute Menzel. "Es gibt offenbar eine erhöhte Nachfrage wegen der Corona-Pandemie. Dazu kommt das Problem, der Impfstoff zeitlich versetzt ausgeliefert wird. Insofern kann es sein, dass es zeitweise zu Lieferengpässen kommen kann", räumte Dominik Lenz, Sprecher des Potsdamer Gesundheitsministerium ein. Momentan gehe sein Haus davon aus, dass genug Impfstoff vorhanden ist.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.10.2020, 14:10 Uhr

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Beitrag von Georg-Stefan Russew

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