Ein Kind nimmt eine rote Papiertüte mit Bastelsachen aus dem weihnachtlich geschmückten Fenster vom Stadtteilbüro Hegermühle entgegen
Audio: Antenne Brandenburg | 2.12.2020 | Autorin: Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf

Weihnachtszeit und Corona - Strausberger Stadtteilbüro lädt Kinder zum "Advent to go" ein

Am Stadtteilbüro Hegermühle in Strausberg (Märkisch-Oderland) können sich Kinder in der Adventszeit Bastelanleitungen und Keksrezepte abholen. Die Aktion soll den Zusammenhalt in dem Stadtteil stärken und Familien im Lockdown unterstützen. Von Marie Stumpf

Der zehnjährige Antony ist am Mittwoch der erste Besucher bei Claudia Hoffmeister vom Quartiersmanagement Hegermühle. Coronakonform bekommt er sein Bastelset durch das Fenster des Stadtteilbüros gereicht. "Ich hab eine Bastelanleitung für eine Postkarte bekommen, mit einem Klebeband und vier Stiften", erzählt Antony nach einem Blick in die rot gemusterte Tüte. "Damit kann man die vier Adventskerzen malen."

Postkarten nach Himmelpfort – oder an die Oma

Eigentlich sind die Postkarten ja für den Weihnachtsmann in Himmelpfort gedacht. Bis zum 9. Dezember können die Kinder die fertigen Briefe wieder im Stadtteilbüro abgeben. Von da aus werden sie nach Himmelpfort geschickt. Das Porto übernimmt die Stadt Strausberg.

Antony hat aber andere Pläne. Er will die selbstgebastelte Postkarte an seine Oma schicken. "Der Weihnachtsmann hat meine Wunschliste ja schon", sagt er fast entschuldigend.

Wichtig zu wissen, wie es den Familien geht

Claudia Hoffmeister und ihre Kollegin vom Quartiersmanagement wollen mit den Basteltüten zum Abholen eine Alternative zum Hegermühler Weihnachtsfest bieten, das in diesem Jahr coronabedingt ausfallen musste. Gleichzeitig soll so auch der Kontakt zu den Familien im Stadtteil gehalten werden.

"Der Kontakt geht super schnell verloren, wenn man einfach nicht da ist. Das haben wir während des ersten Lockdowns gemerkt, als meine Kollegin und ich im Homeoffice waren", erklärt Hoffmeister "Es ist uns einfach wichtig, den Kontakt zu den Familien zu behalten, um weiter zu wissen, was in den Familien los ist und wie es ihnen geht."

Die Aktion wird von dem Quartiersmanagement Hegermühle in Zusammenarbeit mit der Stadt Strausberg, dem AWO-Familienzentrum, dem Strausberger Jugendclub Domizil, dem Sozialpark MOL, sowie zwei Kindertagesstätten und einer Grundschule in Strausberg organisiert.

Quartiersmanagement als Gestalter und Vermittler

Laut Hoffmeister wohnen im Strausberger Stadtteil Hegermühle insgesamt etwa 3.600 Menschen, unter ihnen viele einkommensschwache Familien und Alleinerziehende. Das Quartiersmanagement Hegermühle gibt es seit 2015. Sein Ziel ist es, den Stadtteil gemeinsam mit den Bewohnern zu gestalten und zu fördern.

Ideen und Projekte dazu werden im so genannten Quartiersrat diskutiert, der sich aus Bewohnern, Schulen, Kitas und Vereinen vor Ort zusammensetzt. Moderiert und organisiert wird der Rat vom Quartiersmanagement.

So sind etwa die Kreativwerkstatt im Jugendclub Domizil, die Hausaufgabenhilfe und Computerkurse für ältere Menschen entstanden. Neu ist auch ein Familiencafé, in dem Familien mit Sozialarbeitern ins Gespräch kommen und Probleme besprechen können. Finanziert wird das Ganze über das Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt".

Zusammenhalt über das Fenster

"Wir treffen uns im Quartiersrat in der Regel sechs Mal im Jahr", sagt Hoffmeister "Dieses Jahr konnten wir das nur zwei Mal im Sommer machen, in unserem Nachbarschaftsgarten, weil wir dort im Freien mit Abstand sitzen konnten. Jetzt im Winter geht das leider nicht."

Stattdessen versuchen sie und ihre Kollegin mit den Familien und Bewohnern per Telefon in Kontakt zu bleiben – und mit Aktionen wie dem "Advent to go", bei der sie mit Abstand am Fenster miteinander ins Gespräch kommen können.

Willkommene Ideen für Freizeitgestaltung

Für die Mutter von Antony bedeutet der "Advent to go" auch eine willkommene Abwechslung für ihre Kinder. "Irgendwann gehen einem echt die Gedanken aus, was ich heute noch mit meinem Kind unternehmen könnte", sagt sie. "Gerade jetzt wäre er eigentlich beim Fußball-Training gewesen, wo man dann mal ein, zwei Stunden Zeit für sich hätte."

Die Mutter arbeitet als Reinigungskraft - und sagt, sie freue sich, dass sie noch arbeiten kann. Jetzt in der Coronazeit würde sie und Anthony jeden Tag etwas kleines zusammen machen - etwa ein Buch lesen oder basteln. Das wäre früher nur am Wochenende möglich gewesen. "Wir gehen uns zwar manchmal echt auf den Keks, aber wir raufen uns gerade einfach schneller zusammen", sagt sie.

Mürbeteig und Weihnachtsmann

Insgesamt werde die Aktion sehr gut angenommen. In der vergangenen Woche waren laut Claudia Hoffmeister etwa 50 Familien da. "Da hatten wir 50 Mürbeteig-Rezepten samt Ausstechförmchen. Die waren dann nach knapp zwei Stunden alle weg", sagt sie. Viele Kinder hätten sich mit den Worten verabschiedet "Bis nächste Woche dann!"

Der "Advent to go" vom Hermühler Quartiersmanagement läuft noch bis zum 16. Dezember. Highlight ist dann am letzten Tag der Besuch des Weihnachtsmannes - natürlich mit gebührendem Abstand.

Beitrag von Marie Stumpf

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