Unternehmen wie Friseure sind auf Corona-Hilfen angewiesen.
Audio: Antenne Brandenburg | 06.01.2021 | Autorin: Marie Stumpf | Bild: rbb / Marie Stumpf

Unternehmer in Ostbrandenburg - Corona-Hilfen kommen verzögert an

Die Corona-Novemberhilfe ist bei vielen Unternehmen und Soloselbstständigen in Brandenburg angekommen - wenn auch nur als Abschlagszahlung. Drei Unternehmen in Ostbrandenburg erzählen, wie es ihnen damit geht. Von Marie Stumpf

 

 

Das Satama Sauna Resort und Spa in Wendisch Rietz liegt im Dornröschenschlaf, obwohl jetzt eigentlich Hauptsaison wäre. Stattdessen sind die Saunen kalt, der Pool im Garten abgedeckt mit einer Plane. Bis zu 75 Prozent des Umsatzes vom November des Vorjahres sollen die Unternehmen laut Bund bekommen. Bei der Meine Zeit AG, die das Satama betreibt, wären das fast 750.000 Euro, abzüglich Kurzarbeitergeld. Angekommen sind bisher 50.000 Euro Novemberhilfe. Vorstandsmitglied Susanne Du Chesne sagt, dass sie vor allem damit die Löhne bezahlt und der Zeitverzug für sie "nicht zu ertragen" sei.

Angewiesen auf Staatshilfe

Allein die Fixkosten pro Monat belaufen sich aber auf mindestens 100.000 Euro. Unklar sei auch inwiefern ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)von der Staatshilfe abgezogen werden müsse. Wann der Rest der Novemberhilfen ausgezahlt wird, ist noch völlig offen. Seit Kurzem kann auch die Dezemberhilfe beantragt werden, bei manchen Unternehmen und Soloselbstständigen ist eine Abschlagszahlung bereits auf dem Konto. Mit den Corona-Hilfen zahlt der Bund bis zu 75 Prozent des Umsatzes vom November und Dezember des Vorjahres.

Für das Satama ist es die schlimmste Krise seit seiner Gründung, sie sind auf die Staatshilfe angewiesen. Du Chesne sagt, dass die Bank ihres Vertrauens ihnen einen geduldete Überziehung von 350.000 Euro ermöglicht habe zu einem Zinssatz von 11%. Damit können sie die vorausgezahlten Löhne abdecken.

 

Die Theater-Sauna im Satama Resort in Wendisch Rietz.
| Bild: rbb / Marie Stumpf

Unternehmer verunsichert: Rückzahlung unklar

Mehr Glück gehabt hat die Kosmetikmeisterin Corinna Braun aus Beeskow. Bei ihr sind die Abschlagszahlungen des Landes sowohl für November als auch Dezember bereits auf dem Konto, obwohl sie die erst vor einer Woche beantragt hat. Sie freue sich über ihr Glück, auch wenn sie nicht weiß, warum sie das eher bekommen hat als andere Selbstständige.

Manche stehen den Hilfen komplett skeptisch gegenüber. Friseurin Sandra Hintze aus Frankfurt (Oder) hat das Geld gar nicht erst beantragt: "Da hat man Bauchschmerzen - Unterstützung nehme ich nur an, wenn ich sie nicht zurückzahlen muss." Aber das wisse sie und Steuerbüros, bei denen sie nachgefragt habe, zurzeit nicht genau. Bisher sind die Hilfen nicht zur Rückzahlung angedacht.

Zu langsame Umsetzung der Hilfsgelder

Wirtschaftsverbände haben wiederholt kritisiert, die Hilfen würden zu langsam umgesetzt. Die Novemberhilfen haben in Brandenburg nach der Investitionsbank des Landes Brandenburg rund 6.000 Unternehmer beantragt, es geht dabei um rund 33 Millionen Euro.

Doch ob sie nun bei den Betroffenen schon angekommen sind oder nicht, eine Sache eint das Satama, die Beeskower Kosmetikerin und die Frankfurter Friseurin: Länger als bis Februar können sie die Lockdownsituation nicht mehr durchhalten.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.01.2021, 16:40

Beitrag von Marie Stumpf

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