Digitalunterricht in Kopernikus-Grundschule Slubice, Polen
Audio: Antenne Brandenburg | 22.01.2021 | Lucia Heisterkamp | Bild: rbb / Lucia Heisterkampf

Homeschooling während Corona - Warum der Digitalunterricht an polnischen Schulen besser läuft

Seit November findet an polnischen Schulen wieder Fernunterricht statt. Doch im Gegensatz zu Deutschland funktioniert der Digitalunterricht dort überwiegend gut. Was läuft in Polen besser? Von Lucia Heisterkamp

In Polen dürfen die unteren Klassen eins bis drei seit dieser Woche wieder zum Präsenzunterricht in die Schule kommen. Die älteren Klassen dagegen werden weiterhin digital unterrichtet. Das klappt an vielen polnischen Schulen inzwischen weitaus besser als in Deutschland.

An der Kopernikus-Grundschule im polnischen Słubice etwa zieht Schulleiterin Aurelia Wolny ein positives Fazit: "Am Anfang gab es schon viele Probleme. Aber inzwischen kommen alle Lehrer gut mit dem Digitalunterricht klar."

Digitalunterricht in den Schulräumen

Den Lehrkräften ist es freigestellt, ob sie von zu Hause unterrichten oder aus den Räumen der Schule. Die meisten entscheiden sich inzwischen für die Schule, weil dort das Internet gut funktioniert und sie die schuleigenen Geräte nutzen können.

So auch Deutschlehrer Bartlomiej Ubik, der im leeren Klassenzimmer vor seinem Laptop sitzt. Über die Videoplattform Microsoft Teams spricht er mit seinen Schülern. Über das digitale Klassenbuch trägt er die Anwesenheitsliste ein. Dann sollen die Schüler ein interaktives Deutschquiz machen, ihre Antworten erscheinen auf dem Bildschirm.

"Anfangs mussten wir uns alle an den Fernunterricht gewöhnen, aber jetzt klappt es sehr gut", sagt Ubik. Nach dem ersten Lockdown gab es mehrere Schulungen für Lehrer, eine davon war verpflichtend. "Selbst die älteren Lehrer beherrschen die Technik jetzt fast perfekt", sagt Ubik.

Förderung durch die Stadtverwaltung

Der Stundenplan hat sich im Fernunterricht kaum verändert. Jede Einheit geht eine halbe Stunde per Videokonferenz, eine viertel Stunde sollen die Schülerinnen und Schüler selbstständig lernen. Wer keinen Computer hat, kann sich in der Schule einen Laptop ausleihen.

Technisch ist die Kopernikus-Grundschule gut ausgestattet, in jedem Klassenzimmer hängt ein Whiteboard, schon vor Corona gab es rund 150 Computer. Während der Pandemie erhielt die Schule noch einmal 20 Laptops von der Stadtverwaltung, erzählt Schulleiterin Wolny.

Waren polnische Schulen besser auf den Digitalunterricht vorbereitet als die Schulen in Deutschland? Sören Bollmann, Leiter des Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrums, kennt zahlreiche Schulleiter auf beiden Seiten der Grenze. Er sagt: "Wir haben schon vor Corona einen deutlichen Unterschied zwischen den Schulen in Frankfurt und Słubice gesehen." So seien die Schulen in Słubice flächendeckend viel besser ausgestattet gewesen. "Offenbar hatte es für die polnische Regierung eine hohe Priorität, die Digitalisierung voranzubringen."

Investitionen in Digitalisierung

Bereits im Jahr 2012 investierte die liberale Vorgängerregierung der regierenden PiS-Partei massiv in die Digitalisierung von Schulen. Millionen flossen in die IT-Ausstattung, in Weiterbildungen und digitale Lehrmaterialien. Doch auch die Erwartungshaltung an den Digitalunterricht sei in Polen eine andere, meint Bollmann. "Die Schulverwaltung erwartet eben von den Lehrern, dass es mit dem Digitalunterricht funktionieren muss und dass es da keine Alternative gibt."

Die Gefahr sieht Bollmann darin, dass einzelne Schülerinnen und Schüler auf der Strecke bleiben, etwa wenn sie zu Hause keinen guten Internetanschluss haben. Digitalunterricht verstärke eben bestehende Ungleichheiten, selbst wenn in Polen versucht werde, das auszugleichen, indem die Schüler beispielsweise Laptops von ihrer Schule erhielten.

Die Klasse von Bartlomiej Ubik freut sich jedenfalls, wenn sie endlich wieder in die Schule darf. "Wir vermissen den Kontakt zu den anderen Klassenkameraden", sagt eine Schülerin per Video. So geht es auch dem Deutschlehrer Ubik. Er ist froh, wenn er nicht mehr allein im Klassenzimmer sitzen muss.

Was Sie jetzt wissen müssen

Sendung: Antenne Brandenburg , 22.01.2021, 15:10 Uhr

Beitrag von Lucia Heisterkamp

1 Kommentar

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  1. 1.

    Auch wenn es nicht einfach ist sich daran zu gewöhnen: vieles funktioniert in Polen inzwischen besser als in Deutschland. Die kleinsten Dörfer werden an das Glasfasernetz angeschlossen, beinahe jeder erwachsene Bürger verfügt über eine Art digitaler Ausweis (profil zaufany) mit dem man sich Behördengänge sparen kann, die Straßen sind in einem besseren Zustand und vieles mehr.
    In Berlin dauert die Erneuerung der Neuköllner Karl-Marx-Straße 10 Jahre und das Ende ist nicht in Sicht. In Polen werden ähnliche Projekte in 6 Monaten realisiert. Traurig. Nicht weit von der Redaktion des RBB befindet sich der Westeingang zum U-Bahnhof Uhlandstraße. Seit drei Jahren gesperrt weil drei Stufen repariert werden müssen. Hunderttausende gehen 300 Meter weiter um den Osteingang zu benutzen. Wir haben uns an das Abartige gewöhnt.

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