Immer mehr Einsätze für Rettungshubschrauber - Angermünder "Christoph 64" im Dauerstress

Fr 29.01.21 | 15:18 Uhr
rettungshubschrauber Christoph 64 Angermuende
Audio: Antenne Brandenburg | 29.01.2021 | Georg-Stefan Russew, Martina Rolke | Bild: Georg-Stefan Russew/rbb

Der Rettungshubschrauber aus Angermünde muss immer öfter zu Einsätzen ausrücken. Das hat aber nur zum Teil etwas mit der Pandemie zu tun. Vielmehr seien die Wege im ländlichen Ostbrandenburg sehr weit, andere Ärzte nicht so schnell Vorort. Von Georg-Stefan Russew

Sie sind schon aus einiger Entfernung auszumachen. Dröhnende Rotorengeräusche kündigen die fliegenden Luftretter der DRF Luftrettung mit dem Funknamen "Christoph 64" immer rechtzeitig an. Sie sind bei medizinischen Notfällen unersetzbar. Das zeigt sich allein schon bei den Einsatzzahlen: 2020 waren die Frauen und Männer von "Christoph 64" aus Angermünde im Schnitt bis fünf Mal pro Tag unterwegs. In Gänze waren es 1.909 Einsätze, ein Fünftel mehr als 2019, sagt DRF-Sprecherin Stefanie Kapp.

Die Mehrbelastung rühre von den weiten Wegen des ländlichen Ostbrandenburgs her. Zudem seien bodengebundene Notärzte sehr viel mehr unterwegs und stünden nicht zur Verfügung, fügt der Angermünder Stationsleiter Björn Langner hinzu, sodass "Christoph 64" verstärkt aushelfen müsste.

Rettungshubschrauber der Luftrettungsstation in Bad Saarow. Die Station gibt es jetzt seit 30 Jahren.
Bilck ins Cockpit. | Bild: rbb/John-Alexander Döring

Oftmals kaum Zeit um Essen zu können

Es ist kurz nach acht am Donnerstagmorgen. Die Crew um Notarzt Tobias Baier konnte gerade noch frühstücken. Da geht auch schon der Einsatzpieper. Zwei bis drei Minuten später sind sie in der Luft. Jemand hat in Chorin vermutlich einen Schlaganfall erlitten, ist halbseitig gelähmt. Nach sechs Minuten sind sie am Einsatzort.

Bei aller Eile, die ihr Job erfordert, achtet die Crew in diesen Tagen strikt auf die Einhaltung der Hygieneregeln. Das geht schon vor dem Abflug mit der Pieper-Nachricht los. "Und die Leitstelle, soweit wie sie es erfahren kann, schickt noch die Information mit zu, ob Corona positiv oder negativ oder eben nicht bestätigt", erklärt Luftraumbeobachter Fedor Strickert.

Mindestabstände an Bord nur schwer einzuhalten

Natürlich fliegt in Pandemiezeiten das Risiko einer Ansteckung mit Corona stets mit. Bei den beengten Verhältnissen an Bord können keine Mindestabstände eingehalten werden. Daher hat die DRF einen strengen Hygieneplan aufgestellt. "Wir haben hier zu Dienstbeginn die Möglichkeit, einen Abstrich zu machen - einen Corona-Antigen-Schnelltest", erklärt Pilot und Stationsleiter Björn Langner. "Und während des Einsatzfluges, wenn wir die Abstände nicht einhalten können, dann tragen wir einen Mund-Nasenschutz beziehungsweise eine FFP2-Maske."

Auch den Patienten werde eine Maske aufgesetzt oder sie müssen beatmet werden, sagt er. Permanent sind auch Desinfektionsmittel zur Hand, so dass die Hände und auch die Maschine stets keimfrei gehalten werden. Zudem sind die Crew-Mitglieder geimpft. Wegen der Wichtigkeit einer schnellen medizinischen Hilfe aus der Luft wird versucht, Corona-Patienten nicht mehr per Helikopter transportiert werden, erklärt Stationsleiter Langner.

Spezielle Transportbox für Corona-Patienten

"Wenn wir es müssen, dann nach Möglichkeit eben angeschlossen ans Beatmungsgerät, um die Aerosolverteilung so gering wie möglich zu halten." Die DRF Luftrettung haben auch sogenannte Epi-Shuttles beschafft. "Das sind Isolationsboxen, wo infizierte Patienten reingelegt werden können, um den Patienten und die Crew bestmöglich zu schützen", ergänzt der Stationsleiter.

Diese Shuttles passten aber nicht in jeden Hubschrauber, weil diese schon sehr groß seien, erklärt Langner. Daher benötige es exakte Planung, um beispielsweise Verlegungen von Corona-Patienten in andere Krankenhäuser abwickeln zu können.

Rettungshubschrauber der Luftrettungsstation in Bad Saarow. Die Station gibt es jetzt seit 30 Jahren.
Eine Bad Saarower Crew von "Christoph 49". | Bild: rbb/John-Alexander Döring

Tag und Nacht in Alarmbereitschaft

Generell sind die Rettungsflieger mit ihrem Hubschrauber vom Typ Airbus EC 135 bei guten Witterungsbedingungen von Sonnenauf bis -untergang im Dienst. Sie haben ein Kerneinsatzgebiet von 60 Kilometern um die Angermünder Station und können mit Vollspeed 250 Orte innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung erreichen. "Wenn wir angefordert werden, fliegen wir aber überall hin, wo wir gebraucht werden", sagt Langer, der selbst als Pilot im Cockpit von "Christoph 64" sitzt.

Am gestrigen Donnerstag ging es dann noch zu zwei Herzinfarkten in Hennigsdorf (Oberhavel) und im Nordwesten der Uckermark. Letzterer Patient musste nach Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern geflogen werden. Zum Schluss - kurz vor Sonnenuntergang - flog Christoph 64 noch zu einer Vergiftung an den Parsteinersee. Ein Corona-Patient war an diesem Tag nicht dabei. Jede Menge Arbeit für die Lebensretter "Christoph 64".

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.01.2021, 15:10 Uhr

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