Gabriele Kampmeier ist Kosmetikerin in Petershagen.
Audio: Antenne Brandenburg | 24.02.2021 | OT Gabriele Kampmeier | Bild: privat

Interview | Kosmetikerin Gabriele Kampmeier - Kosmetiker diskutieren mit Olaf Scholz

Ab März öffnen Friseure, aber Kosmetikstudios müssen ihre Türen zulassen. Am Mittwoch diskutierten Kosmetiker und Friseure aus Brandenburg mit Olaf Scholz um die Bedingungen. Mit dabei war auch Gabriele Kampmeier aus Petershagen.

 

Gabriele Kampmeier führt den Kosmetkisalon "Studio Balance" in Petershagen (Märkisch-Oderland), den sie seit November schon geschlossen halten muss. Bis zum 3. März würden die Länder abwägen, wie man auch für die anderen Branchen konkrete Perspektiven schaffen könne. Gabriele Kampmeier nahm mit Friseuren und Kosmetiker an dem Gespärch mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) teil.

rbb|24: Was haben sie aus der Diskussion mitgenommen?

Gabriele Kampmeier: Die Hauptfrage für uns Kosmetiker war, warum wir nicht öffnen dürfen wie die Friseure oder die Gartencenter - aber darauf wurde nur verwaschen geantwortet. Es hieß immer nur, dass die Zahlen nicht wieder nach oben gehen dürfen. Aber ich verstehe es nicht, da wir mit hohen Hygienestandard arbeiten - und wir haben eine Arm- und Beinlänge zwischen den Kunden, nicht so wie die Friseure.

rbb|24: Wie geht es Ihnen mit dem Gedanken, dass das noch länger dauern könnte?

Es macht uns allen Angst, wir haben keine Ersparnisse mehr. Ich habe gehört, dass viele von uns Hartz4 beantragen mussten. Auch da sind hohe Hürden gesetzt. Wir müssen uns komplett entblättern - dabei sind wir doch Menschen, die nicht arbeiten dürfen und nicht wollen. Die Behandlung ist eine ganz bösartige. Und wenn Olaf Scholz sagt, uns steht das Wasser bis zum Hals dann denk ich mir: Für die Politiker ganz bestimmt nicht, aber für uns schon! Wir wissen schon jetzt nicht, wie wir alles bezahlen sollen. Ich sprech für viele wenn ich sage: Wir sind alle nur noch am heulen. Ich weiß nicht wie das nächste halbe Jahr werden soll.

rbb|24: Wie ist Ihre aktuelle Situation?

Ich stehe vor einem Existenzproblem. Es werden nur 75% vom Umsatz gezahlt, aber das deckt noch nicht mal unsere Kosten. Die Überbrückungsanträge habe ich im November, Dezember beantragt und habe erst vor 14 Tagen das letzte Geld bekommen. Es ist nicht abzusehen, ob bei einer Öffnunfg die Kunden wiederkommen. Ich habe im ersten Lockdown 20 Kunden verloren. Einige meinten, dass sie erst wiederkommen, wenn die Maskenpflicht weg ist.

rbb|24: Wie geht es jetzt für sie weiter?

Ich setzte mich an meine Steuerunterlagen, ich habe morgen einen Termin im Steuerbüro zur Beantragung der Überbrückungshilfen. Ich hatte ein bisschen gehofft, dass wir drum herum kommen. Vor allem weil es immer heißt, dass zuviel bezahlte Beträge zurückgezahlt werden müssen. Auch da krieg ich wieder Angst, trau ich mich garnicht den Antrag zu stellen. Aber ich muss ihn stellen, weil ich ansonsten Insolvenz anmelden muss.

Das Interview führten Dilan Polat und Thorsten Glauche für Antenne Brandenburg. Dieser Text ist eine redigierte und gekürzte Version des Gesprächs.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.02.2021, 15:10 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.02.2021, 14:10

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren