Architekturführer Eisenhüttenstadt - Zwischen Planstadt und Kunst am Bau

Architekt Martin Maleschka in Eisenhüttenstadt
Audio: Antenne Brandenburg | 25.03.2021 | Robert Schwaß | Bild: Maria Fröhlich

Eisenhüttenstadt ist ein Zeugnis der DDR-Vergangenheit, doch immer mehr Gebäude verschwinden. Ein Architekt will das kulturelle Erbe erhalten und präsentiert Gebäude und Kunstwerke seiner Heimatstadt in einem neuen Buch. Von Robert Schwaß

Nach der Wende wurden viele Gebäude aus der DDR-Zeit abgerissen, wegsaniert oder sie verfielen. Auch das Haus, in dem der Architekt Martin Maleschka aufwuchs, steht heute nicht mehr. Der 38-jährige verbrachte seine Kindheit und Jugend in Eisenhüttenstadt. Wo früher ein ganzes Wohnquartier war, ist heute nur noch wilder Rasen. „Aus der DDR-Zeit, den 50er bis 80er Jahren, verschwindet immer mehr“, bedauert Maleschka.

Kunst geht verloren

Der Architekt setzt sich dafür ein, dass das kulturelle Erbe erhalten bleibt. Dafür hat der 38-jährige akribisch Architektur- und Kunststile aus jedem Winkel der ehemaligen DDR dokumentiert. Vor allem gefährdete DDR-Kunstwerke erfasst er fotografisch. Ende März erscheint sein Architekturführer mit Gebäuden und Kunstwerken aus Eisenhüttenstadt.

Architekturführer will DDR-Geschichte vermitteln

Die Geschichte von Architektur und Städtebau in der DDR möchte Martin Maleschka mit seinem neuen Buch für die Leser erlebbar werden lassen. "Ich nehme die Leser mit auf eine architektonische Reise," kündigt er an. Viele der Bauwerke in EIsenhüttenstadt erinnern heute noch an die DDR-Vergangenheit: Anfang der 50er Jahre plante Chefarchitekt Kurt W. Leucht eine völlig neue Stadt für die Arbeiterinnen und Arbeiter des dort ansässigen Stahlwerks, die in wenigen Jahren aus dem Boden gestampft wurde. Diese sollten in eine neue, bessere Stadt einziehen.

Überfüllte Mietskasernen für Arbeiterfamilien, schlechte Wohnverhältnisse und wenig Grünflächen bestimmten damals das Stadtbild. Die neue Planstadt sollte anders sein: Klassenunterschiede sollten aufgeweicht werden, Kinderbetreuung ermöglicht und Kulturangebote geschaffen werden. Der DDR-Führung diente die Stadt außerdem als wichtiges Propagandeaprojekt. Sie sollte die Überlegenheit des sozialistischen Systems darstellen.

DDR-Architektur in Eisenhüttenstadt
DDR-Architektur in Eisenhüttenstadt | Bild: Martin Maleschka

Sowjetischer Zuckerbäckerstil als Vorbild

Auch baubezogene Kunst spielte in der Stadtplanung von Eisenhüttenstadt eine große Rolle. Maleschkas Buch konzentriert sich vor allem auf die Wohnkomplexe I bis IV, die inzwischen sanierte Kernstadt, welche in den 50er Jahren entstand. Die nach sowjetischem Vorbild im Zuckerbäckerstil errichteten Gebäude hätten von ihrer baulichen Qualität auch heute nichts eingebüßt, schwärmt der Architekt.

Gezeigt werden im Architekturführer 35 Gebäude und 35 Kunstwerke. Darunter befinden sich die Großraumgaststätte "Aktivist" oder Walter Womackas berühmten Mosaik mit der Friedenstaube in der Lindenallee. Gastbeiträge von Autoren wie Reinder Wijnveld ergänzen das Buch. Der niederländische Philokartist vergleicht DDR-Ansichtskarten aus Eisenhüttenstadt mit dem heutigen Zustand der Gebäude.

Weggezogene zur Rückkehr bewegen

Martin Maleschka wohnt inzwischen selbst wieder in „Hütte“ und will andere für die Stadt begeistern. Er hofft, mit seinem Buch Menschen dazu zu bewegen, dauerhaft zurückzukehren, um das kulturelle Leben in seiner Heimatstadt mitzugestalten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.03.2021, 16:10 Uhr

Beitrag von Robert Schwaß

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