Landkreis Uckermark - Spielerisch Polnisch lernen in Casekower Kita

Do 18.03.21 | 15:03 Uhr
Kita Casekow und Polnisch-Unterricht
Audio: Antenne Brandenburg | 18.03.2021 | Riccardo Wittig | Bild: Riccardo Wittig/rbb

Dicht an der deutsch-polnischen Grenze in der Uckermark sollen spielerisch sprachliche Barrieren abgebaut werden. Daher bringen Erzieher einer Casekower Kita die Sprache der Nachbarn bei. Wermutstropfen: In der Grundschule wird das Engagement nicht fortgesetzt.

Die Kindertagesstätte "Schlumpfhausen" nimmt in der Uckermark so etwas wie eine Vorreiterrolle ein. Denn die Erzieherinnen setzen auf Bilingualität, bringen ihren Kleinen spielerisch Polnisch bei. Das sei für die gegenseitige Verständigung beiderseits der Oder sehr wichtig, meinen sie. Und auch gerade weil sich seit Jahren in der Uckermark immer mehr polnische Familien niederließen, sei es interessant, wenn man sich mit seinen direkten Gartennachbarn auch in ihrer Sprache verständigen kann. Das fördere den Zusammenhalt. Und an genau dieser Stelle setzt die Casekower Kita an.

Kein erhobener Zeigefinger

Elwira Brußk ist Erzieherin in Casekow und was das Polnische angeht Muttersprachlerin. Anfang der Woche ist wieder Polnisch-Stunde in Casekow. Es stehen Farben auf dem "Lehrplan". "Żółty jak słońce“, sagt sie und zeigt auf ein Tuch. "Gelb wie die Sonne!“, erklärt sie.

Brußk kommt bei der Vermittlung des Polnischen ganz ohne erhobenen Zeigefinger aus. Es sei wichtig, alles spielerisch vorzumachen und nicht wie in einer Schule zu agieren. Deshalb hat sie einen Plüschraben auf dem Arm. Mit diesem animiert sie die Kinder, die Wörter und Redewendungen nachzusprechen. Es gehe um die Freude, erklärt sie, zeigt auf einen anderen Gegenstand und fragt: "Co to za kolor? Welche Farbe ist das?" Die rufen sofort: "Niebieski! Blau!"

Brußk nahm den Kindern die Scheu

Im Casekower "Schlumpfhausen" werden insgesamt 118 Kinder betreut. Jedes Sechste hat mittlerweile polnische Wurzeln. Deutsche und Polen lernen gemeinsam. Auch der sechsjährige Timo ist konzentriert dabei. Er ruft:"Żółty, Niebieski, Czerwony", was übersetzt gelb, blau und rot heißt.

Dass die Kinder zweisprachig Aufwachsen gehört in der Kita schon zur Normalität. "Sie hatten am Anfang einfach Angst etwas zu sagen", erklärt Elwira Brußk. Vor 13 Jahren als sie nach Deutschland gekommen sei, habe sie auch noch kein perfektes Deutsch sprechen können. Damit habe sie den Kleinen die Angst nehmen können.

Erzieherin macht unbeirrt weiter

Bei den Eltern und in der Gemeinde stößt das Engagement der Kita auf viel Zuspruch. Allerdings sieht Bürgermeister Hans-Georg Goetzke aber auch Probleme, wenn die Kinder in die Schule kommen. "Wenn sie Kinder in die Schule gehen hört es auf, weil einfach nicht die Rahmenbedingungen vorhanden sind", klagt er. Das Bildungsministerium ignoriere, dass in der Kita gute Voraussetzungen geschaffen wurden.

Davon lässt sich Elwira Brußk nicht entmutigen. Auch nächste Woche wird sie wieder den Kindern die polnische Sprache näherbringen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.03.2021, 16:10 Uhr

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