Wildzaun zum Schutz vor Schweinepest. (Quelle: dpa/Jens Büttner)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.04.2021 | Elke Bader | Bild: dpa/Jens Büttner

Afrikanische Schweinegrippe - Landwirte vom Krisenmanagement enttäuscht

Die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest verlaufe sehr unkoordiniert: Das beklagen Landwirte, Schweinehalter und Jäger. Wie es besser laufen könnte, darüber haben sie am Donnerstag mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium gesprochen.

Große Unzufriedenheit bei Brandenburger Landwirten, Schweinehaltern und Jägern. Sie beklagen das schlechte Management bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Gemeinsam mit Berufskollegen aus Sachsen haben sie sich unlängst per Brief bei Bundeskanzlerin Merkel beschwert. Die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest müsse Chefsache werden. In einer ersten Reaktion schickte der Bund jetzt Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums an die Oder. In Märkisch-Oderland machte sich Staatssekretär Uwe Feiler mit Kollegen des märkischen Landwirtschaftsministeriums am Donnerstag dann selbst ein Bild.

Schutzzäune nicht wirklich sicher

Und so präsentierten Landwirte aus der Region Feiler lückenhafte Bau- und niedrige Elektrozäune. Wildschweine ließen sich so nicht aufhalten. Und so rüttelte Bauer Frank Tiggemann an einem Bauzaun an der Oder und sagte zu Feiler: "Man sieht hier, dass der Zaun von den Wildschweinen einfach ausgehoben werden kann. Gerade wenn die Frischlinge unter dem Zaun durchlaufen, brauchen die Bachen nicht lange, um alles umzustoßen", klagte Tiggemann. Und somit könnten erkrankte Wildschweine problemlos die eigentliche Schutzzone passieren.

"Krisenmanagement unterirdisch"

Aktuell gebe es in Brandenburg 846 bestätigte ASP-Fälle sind bisher in fünf Landkreisen registriert. Alarmierende Zahlen für Tiggemann. Immer wieder hat der Landwirt die zuständigen Behörden im Landkreis und Ministerien über die Zustände an der Grenze zu Polen informiert. "Wir haben immer wieder moniert und gesagt, dass das nicht so geht. Der Zaun muss gewartet werden. Wir haben Mails mit Fotos verschickt. Nichts ist passiert! Das Krisenmanagement ist unterirdisch", regte sich Tiggemann auf.

TaskForce des Bundes könnte Abhilfe schaffen

Feiler hörte sich alles an und verwies auf die TaskForce des Bundes. Dort könnten Landkreise Zäune sowie Kräfte von Technischen Hilfswerk und der Bundeswehr anfordern. Jäger seien in der Pflicht, nach Fallwild zu suchen. In diesem Kontext wies Feiler auch auf die besondere Situation an der Grenze hin. "Wenn auf polnischer Seite bejagt wird, müssen wir auf deutscher Seite auch aktiv werden und umgekehrt", betonte er. Außerdem brauche es Zeit, bis die Maßnahmen Wirkung zeigten. Das sehe man an anderen Ländern. "Man muss Schritt für Schritt vorgehen. Auch braucht man die Jäger vor Ort, die die Flächen kennen", meinte Feiler. Es müsse gelingen, eine wirkliche weiße Zone zu schaffen. "Das können wir aber nur mit Polen zusammen schaffen", so der Staatssekretär weiter.

Nur mit Polen zusammen gibt es eine Lösung

Für eine gemeinsame Lösung bei der ASP-Bekämpfung sprach sich auch Anna Heyer-Stuffer aus. Die Staatssekretärin im Potsdamer Verbraucherschutzministerium sieht dringenden Handlungsbedarf bei der "Absicherung der Grenze, der Tilgung der Seuche im Landesinneren sowie eine Verhinderung der Ausbreitung nach Westen." Das müsse oberste Priorität haben, betonte sie. Ihr sei klar, dass die Sorgen vor Ort groß seien, erklärte sie. "Gegenwärtig diskutieren wir mit dem Bund über die Errichtung einer Sicherheitszone auf deutschem Boden als Alternative zu einer gemeinsamen Weißen Zone mit Polen", erklärte sie. Eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest auf ganz Deutschland wäre die absolute Katastrophe, die alle verhindern wollten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.04.2021, 16:10 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    "Gegenwärtig diskutieren wir mit dem Bund über die Errichtung einer Sicherheitszone auf deutschem Boden als Alternative zu einer gemeinsamen Weißen Zone mit Polen"

    Na, dann diskutiert mal schön...

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