Ein Patient erhält eine Corona-Impfung in einer Hausarztpraxis in Brandenburg. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.04.2021 | John-Alexander Döring | Bild: dpa/J. Kalaene

Fürstenwalde (Oder-Spree) - Facharzt startet mit Corona-Impfungen seiner Krebs-Patienten

Neben den Impfzentren dürfen seit März in Brandenburg auch die Hausärzte gegen das Coronavirus impfen. Fachärzte waren bisher davon ausgenommen. Nun springt ein Onkologe aus Fürstenwalde für seine Patienten in Bresche.

Seit Beginn der Impfkampagne sind laut Brandenburger Gesundheitsministerium 140.425 Menschen in Brandenburg vollständig gegen das Coronavirus geimpft [Stand: 13. April]. Gemäß des Robert-Koch-Instituts (RKI) entspricht das einer Quote von 5,6 Prozent der Bevölkerung.

Immer wieder hakt es bei der Vergabe von Impfterminen. Wer in Brandenburg berechtigt ist, kann über drei Wege einen Impftermin gegen das Coronavirus bekommen. Christian Wehry von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg fasst sie zusammen. "Der einfachste Weg ist sicherlich über das Internet [www.impfterminservice.de]. Daneben gibt es auch den Weg der telefonischen Buchung und seit März können auch die Hausärzte impfen."

Onkologe mit Eigeninitiative

Doch so einfach sei es nicht, sagt Georg Heinrich. Der Facharzt betreibt eine Praxis für Gynäkologische Onkologie in Fürstenwalde (Oder-Spree). Viele seiner krebskranken Patientinnen haben weder über die Hotline noch übers Internet einen Termin bekommen, obwohl sie laut Impfverordnung bereits an der Reihe wären. Darunter auch einige, die über 80 sind. Dem Onkologen dauert das alles zu lange. Er setzt jetzt auf Eigeninitiative und kämpft für den Schutz seiner Patienten. "Es hat uns dazu bewogen, eine Initiative zu starten und wir haben uns in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung bemüht, selber in den Praxen zu impfen", sagt Heinrich.

Die Selbstinitiative hat sich gelohnt. Weil Georg Heinrich überwiegend krebskranke Risikopatientinnen betreut, darf er auch als Facharzt impfen - obwohl das bisher nicht möglich war - und wird nun von lokalen Apotheken gleichermaßen mit den Impfstoffen von Biontech und AstraZeneca beliefert.

Am Dienstag ging es in seiner Praxis los. Die Nachfrage sei groß gewesen, sagt Fachschwester Barbara Barleben. "Wir haben uns eine Liste gemacht und erstmal alle aufgeschrieben, denn so viel Impfstoff bekommen wir ja nicht. Und die arbeiten wir dann nach und nach ab."

Vorbild für andere Fachärzte?

Georg Heinrich zeigt sich froh, dass es durch seine Selbstinitiative zumindest für einige Patienten in Fürstenwalde mit der Corona-Impfung voran geht. Gleichzeitig betont er, wie wichtig die Praxen im Kampf gegen das Corona-Virus sind. "Aus meiner Sicht hätte man die niedergelassenen Praxen, Ambulanzen, Versorgungszentren und so weiter von Anfang an mit einbinden können. Das hätte den Impfprozess erheblich beschleunigt."

Das Beispiel der Onkologie in Fürstenwalde zeige, dass Facharztpraxen in Brandenburg, die zum größten Teil impfberechtigte Patienten betreuen und diese selbst impfen möchten, sich an die Kassenärztliche Vereinigung wenden sollten, so Heinrich. Dies könne der Immunisierung Vorschub leisten. Bedingung dafür ist aber weiter die Verfügbarkeit der Impfstoffe.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.04.2021, 16:10 Uhr

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