Ladenöffnung Eberswalde1
Audio: Antenne Brandenburg | 13.04.2021 | Helge Oelert | Bild: Helge Oelert/rbb

Inzidenz im Barnim drei Tage unter 100 - Hin und Her verunsichert Einzelhändler und Kunden

Lockdown, Lockerungen, Notbremse, Läden geschlossen, Einkauf mit negativem Corona-Test: Das Chaos ist perfekt. Kaum ein Kunde und Einzelhändler hat noch den Durchblick, was, wo, und wann noch erlaubt ist. In Eberswalde wurden die Läden am Montag wieder geöffnet.

Die Zeichen in Eberswalde standen am Montag wieder auf Lockerungen. Weil die Sieben-Tages-Inzidenz in der Barnimer Kreisstadt drei Tage unter dem Wert 100 stand, konnten Läden, Museen und weitere Einrichtungen wieder ihre Pforten öffnen. Sollte diese Zahl wieder über die 100er-Marke klettern, ist mit dem Shopping-Vergnügen aber wieder Schluss. Aktuell gilt für den gesamten Landkreis Barnim eine Inzidenz von 95. Ein Auf und Ab, bei dem man gar nicht mehr richtig mitkommt.

Seit Montagmorgen klingelt auch bei Dana Kasch die Kasse. Sie hat ihren Laden für Damenbekleidung in der Eberswalder Innenstadt wieder öffnen. Erstmal. "Ich weiß jetzt, dass ich bis Freitag öffnen darf. Aber man lebt immer damit, wenn drei Tage die Inzidenz über 100 ist, werden wir wieder geschlossen", sagt Kasch.

Schwierig emotional klarzukommen

Die Unsicherheit unter den Einzelhändlern ist riesig. Besonders bei größeren Läden in Eberswalde wie "Kräft & Kräft" mit zehn Angestellten. Denn planen kann zurzeit niemand, sagt Heike Kräft: "Ja, das ist schon sehr schwierig emotional damit zurecht zu kommen." Auch für die Mitarbeiter sei das belastend, weil es täglich eine andere Info bezüglich der aktuellen Lage gebe, so Kräft. Besonders prekär sei die Lage, weil die Kunden überhaupt nicht wüssten, ob offen oder geschlossen sei.

"JoJo-Effekt" für alle ärgerlich

Auch Barnims Landrat Daniel Kurth (SPD) ist unglücklich mit der aktuellen Situation und der automatischen Lockerung. Natürlich ersehnt sich Kurth Normalität herbei. "Ich gehe aber davon aus, dass das jetzt drei, vier Tage so geht." Kurth erklärte, dass am Montag wieder mehr Corona-Fälle registriert wurden und dieser Trend sich wohl weiter fortsetzen werde. Somit müssten "diese Lockerungen wieder zurückgenommen werden. Das ist dieser JoJo-Effekt. Das ist sehr ärgerlich für alle", betont Landrat Kurth. In der Vergangenheit - zuletzt über Weihnachten - hätten sich bereits mehrfach starke Sprünge im Infektionsgeschehen gezeigt. Auch die weiterhin hohe Auslastung der Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern müsse im Blick bleiben.

Und trotzdem sind die Einzelhändler glücklich, dass wenigstens jetzt offen ist. "Wir sind auf jeden Tag Öffnung angewiesen, weil ohne Umsatz können wir auch nicht unsere Kosten decken. Jeder Tag, wo wir öffnen können, ist für uns existenziell", sagt Kräft.

Auch in Potsdam und Potsdam-Mittelmark wieder automatische Lockerungen

Neben dem Barnim haben auch die Landeshauptstadt Potsdam und der Landkreis Potsdam-Mittelmark die "Notbremse" aufgehoben, weil ihre Inzidenzwerte drei Tage lang unter dem Wert 100 lagen. Damit dürfen sich im Freien wieder ein Haushalt und ein weiterer Haushalt, aber höchstens fünf Menschen treffen; Kinder bis 14 Jahren sind ausgenommen. Auch Verkaufsstellen des Einzelhandels dürfen unter Einhaltung der bekannten Regelungen öffnen. Ebenso ist Sport unter freiem Himmel unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen in Gruppen von bis zu zehn Menschen möglich. Zudem können Gedenkstätten, Museen, Ausstellungshäuser, Galerien, Planetarien, Archive und öffentliche Bibliotheken unter Einhaltung der bekannten Regelungen wieder öffnen.

Bund ändert Infektionsschutzgesetz

In Potsdam dürfen Geschäfte ab Mittwoch wieder öffnen. Auch Gedenkstätten, Museen, Ausstellungshäuser, Galerien, Planetarien, Archive und öffentliche Bibliotheken stehen dann wieder Besuchern offen. Die Landeshauptstadt hebt damit die seit Ende März geltenden Schutzmaßnahmen auf.

Die Menschen in weiten Teilen Deutschlands müssen sich auf Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Läden nach bundesweit verbindlichen Vorgaben einstellen. Entsprechende Änderungen des Infektionsschutzgesetzes beschloss die Bundesregierung am Dienstag.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.03.2021, 16:40 Uhr

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