Archivbild: Rolf Lindemann SPD, Landrat Kreis Oder-Spree während einer Pressekonferenz. (Quelle: imago images/M. Müller)
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Audio: Antenne Brandenburg | 07.04.2021 | Nico Hecht | Bild: imago images/M. Müller

Oder-Spree - Landrat Lindemann findet aktuelle Corona-Lage frustrierend

Das Durcheinander in der großen Corona-Politik geht LOS-Landrat Lindemann gegen den Strich. Am Ende würden Sachen beschlossen, die oft keinen Sinn machten. Der Kreis müsse das dann aber Durchdrücken. Das sei frustrierend. Von Georg-Stefan Russew

Oder-Spree ist in Ostbrandenburg einer der Landkreise, die mit besonders hohen Corona-Zahlen zu kämpfen haben. In der aktuellen dritten Welle sind Befürchtungen von vor Ostern mit Inzidenzwerten von über 350 aber bisher nicht eingetreten. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei knapp 167 im Kreis. Auch kommt die Impfkampagne in Alten- und Pflegeheimen inzwischen besser voran. Laut LOS-Gesundheitsdezernentin Angelika Zarling ging die Sterberate sowie die Zahl erkrankter Senioren in diesen Einrichtungen aufgrund der Impfungen zurück. Landrat Rolf Lindemann (SPD) ist dies dennoch kein Grund, sich nicht über die aktuellen Verhältnisse zu beklagen und dafür von heut auf morgen eine digitale Pressekonferenz einzuberufen.

Berlin oder Potsdam entscheidet - Oder-Spree müsse folgen

Es herrsche in der großen Politik ein heilloses Durcheinander: Erst sollte es die Osterruhe geben, dann ruderte Kanzlerin Merkel zurück. Dann wollte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Köln zur Modellregion machen und Lockerungen durchziehen, um jetzt einen Brücken-Lockdown zu verlangen, empörte sich Lindemann: "Der größte Unsicherheitsfaktor ist im Moment die Unberechenbarkeit der Politik im Wahljahr 2021."

Ein Stück aus dem Tollhaus

Mit allem werde man auf kommunaler Ebene allein gelassen, beklagte sich der Oder-Spree-Landrat. Es sei ein Stück aus dem Tollhaus, dass man von einem Tag auf den anderen eine riesige Testinfrastruktur aufbauen müsse und jedem auch noch einen Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Test einräume, so Lindemann weiter. "Wenn allein die Hälfte aller Kreisbürger diesen Test in Anspruch nimmt, müssten wir um die 200 Teststellen im Landkreis errichten, die dann sieben bis zehn Stunden arbeiten müssten. Das ist einfach illusorisch." Insgesamt habe man vier eigene und demnächst neun weitere Auftrags-Teststellen am Netz.

KVBB nur wenig kooperationswillig

Das Chaos setze sich jedoch dann auch beim Impfen fort. Letzte Woche seinen zwei kreiseigene Impfstellen an den Kliniken in Eisenhüttenstadt und Beeskow in Betrieb genommen worden. Jetzt können auch Hausärzte impfen. Niemand könne das koordinieren. Doppelte Impfeinladungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Niemand wisse beispielsweise, wie viele Über-80-Jährige schon geimpft wurden.

Generell sei die Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung nicht gut. LOS wisse beispielsweise nicht, wie viele Hausarztpraxen jetzt mitmachen, klagte Lindemann. "Es ist auch ein großes Manko, dass wir aneinander vorbeiarbeiten. Die Kassenärztliche Vereinigung ist da ja nicht sehr kooperationswillig, und dass wir unser da unseren Kram machen soll und dem Impfprozess der Kassenärztlichen Vereinigung beeinflussen sollen", sagte er dem rbb. Das empfindet Landrat Lindemann als sehr frustrierend.

Eigene Impfstellen könnten wieder schließen

Unterdessen könne sich Lindemann auch vorstellen, die gerade eröffneten kreiseigenen Impfstellen wieder zu schließen. Denn mit den Hausarztpraxen hätten sich die Rahmenbedingungen ganz entscheidend geändert. "Es werden jetzt in der Bundesrepublik 35.000 Arztpraxen in das Impfgeschehen einbezogen. Und die werden dann eine unheimliche Schlagkraft einbringen, so dass wir im Moment dann das Problem haben, dass wir nicht genügend Impfstoff zur Verfügung haben", so der Landrat. Allerdings müsse man noch abwarten, wie sich die Lage konkret entwickle. Einige Hausärzte in Oder-Spree hätten bereits angekündigt, aufgrund des massiven Verwaltungsaufwands sich nicht an der Impfaktion zu beteiligen, unterstrich Lindemann.

Erste Erfolge

Gut sei allerdings, dass das Gesundheitsamt Oder-Spree mit Nachverfolgung von Krankheitsfällen sehr gut hinterherkomme. Aktuell seien 180 Mitarbeiter der Kreisverwaltung dem Gesundheitsamt zugeordnet. Elf Kollegen sein im Außendienst und überprüften die Einhaltung der Quarantäne. Dies habe aber die Folge, dass das Amt sein Aufgabenspektrum einschränken musste. Grund dafür sind die Überlastung durch die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest. So sei der zahnärztliche Dienst eingestellt worden. "Die Schuleingangs-Untersuchungen haben wir gestoppt, aber nicht vollständig eingestellt. Wir bieten sie am Standort Erkner und Fürstenwalde an", erklärte Gesundheitsdezernentin Zarling. Sie versprach, dass jeder Erstklässler im Sommer zum Schulbeginn eine Eingangsuntersuchung erhält. Übrigens: Aktuell sind mit Stand Dienstag 1848 Menschen im Landkreis Oder-Spree in Corona-Quarantäne. Das sind fast so viele wie im Januar. Ende Februar sank ihre Zahl auf 516.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.04.2021, 14:10 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Huch - so viele Kommentare zum "Auftreten" des Herrn Landrat Rolf Lindemann (SPD).

  2. 1.

    Tja und dann Erlassen noch Bürgermeister Allgemeinverfügungen. Wenn das Treffen nicht vorgezogen wird empfiehlt Armin Laschet wieder Lockerungen. Da wie durch ein Wunder die Zahlen auf dem Niveau bleiben. Welch ein schönes Theater welches dann noch mit Privilegien für geimpfte gespickt wird. Eine Rentenerhöhung gab es diesmal nicht als Wahlgeschenk, so hat man wenigsten etwas. Die Kanzlerin ist mittlerweile abgetaucht. Wir in Brandenburg können uns nichts nachsagen lassen, die Beschlüsse wurden bis auf ein paar Ausnahmen umgesetzt. Ich weiß jetzt nicht was Armin Laschet mit Lockdown meint ? Hier ist schon alles zu !

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